20.02.2017 - Miesbach

Berufsausbildung im Landkreis braucht dringend mehr Lobbyarbeit ‎

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© IHK

Das Image der Berufsausbildung stärken und damit dem Fachkräftemangel die Stirn bieten – das ist das erklärte Ziel des IHK-Regional­ausschusses Miesbach. Laut Petra Reindl, Vorsitzende der Regionalvertretung, müssen die verschiedenen Akteure im Landkreis ihre Kräfte bündeln und gemeinsam aktiv werden. Eine erste Gelegenheit dazu bot die Arbeitssitzung am 15. Februar. Auf ihr diskutierten die Ausschussmitglieder unter anderem mit Vertretern der SMG Standortmarketinggesellschaft Landkreis Miesbach, den Werteproduzenten, der Agentur für Arbeit Rosenheim und des Berufsschul­zentrums Miesbach aktuelle Herausforderungen, bereits Erreichtes und neue Ideen.

Reindl: „Wir wollen die Vernetzung aller Akteure“‎

Im Fokus stand die Frage, wie Schüler und Eltern besser erreicht werden können, wenn es um die Berufsorientierung der Jugendlichen geht. Die einhellige Meinung der Teilnehmer – dem Akademisierungswahn ist dringend die Stirn zu bieten. Neben etablierten Formaten wie der SMG-Ausbildungstour oder Azubi-Infoabenden kam auch die Idee einer eintägigen Ausbildungsmesse zur Sprache. „Gemeinsam müssen wir vor allem wieder die Eltern ins Boot holen. Ihnen müssen wir die Vorteile einer beruflichen Ausbildung aufzeigen und sie zum Nachdenken bringen, ob es denn für ihr Kind nicht doch eine attraktive Alternative zum Studium gibt. Die Politik hat lange genug die falschen Signale ausgesendet“, so Reindl.

Aktuell gibt es im Landkreis 220 der IHK zugehörige Ausbildungsbetriebe mit
708 Azubis. 2016 konnten 284 neue Verträge geschlossen werden, 72 Prozent davon im kaufmännischen und 28 Prozent im gewerblich-technischen Bereich. Auch wenn sich die Bewerberlücke in der Region nicht ganz so dramatisch darstellt wie anderswo – auf einen potenziellen Azubi kommen 1,2 Lehrstellen – bleibt die Situation angespannt, so Bruno Baumann von der Rosenheimer Agentur für Arbeit. Viele Jugendliche meiden vor allem den im Landkreis starken Tourismussektor oder wandern bereits zur Ausbildung direkt nach München ab.

IHK-AusbildungsScouts gesucht

Eine Möglichkeit für gelungene Berufsorientierung stellte Martina Rudolf, Regionalkoordinatorin bei der IHK für München und Oberbayern, vor. Mit der Initiative „IHK-AusbildungsScouts“ will der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) bis 2018 rund 100.000 Schüler im Freistaat über die Vielfalt der Lehrberufe und die guten Karrierechancen nach einer Ausbildung informieren und damit für die duale Ausbildung begeistern. Im Landkreis Miesbach konnten seit dem Frühjahr 2016 acht Scouts gewonnen werden. „Hier besteht noch richtig viel Luft nach oben“, so Rudolf. Ihr Ziel ist es, 2017 mindestens 25 neue Scouts zu gewinnen. „Gerade für kleinere Unternehmen können die Scouts, die als Botschafter ihrer Ausbildungsbetriebe draußen bei den Schülern unterwegs ist, kräftig die Werbetrommel rühren.“

Zu Gast bei Lantenhammer

Die Arbeitssitzung des IHK-Regionalausschusses Miesbach fand in der Lantenhammer Erlebnisdestillerie in Hausham statt. Sie ist Europas modernste Destillerie. Die Wurzeln der Lantenhammer Destillerie liegen in der Miesbacher Straße in Schliersee. Dort gründeten Amalie und Josef Lantenhammer 1928 ihre eigene Enzianbrennerei. Nachdem sie die Brennerei zu Beginn des zweiten Weltkrieges schließen mussten, investierte Josef Lantenhammer 1948 die ersten Deutschen Mark der Währungsreform direkt wieder in deren Neugründung. Heute wird der Betrieb in dritter Generation geführt und steht für hochwertige Edelbrände, fruchtige Liköre und viele weitere Produkte.