Pressemeldung vom 09.10.2020 - Berchtesgadener-Land

IHK-Regionalausschuss im Austausch mit neu gewähltem Landrat ‎

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© IHK

9.10.2020 - Eine erste Bilanz zu den Forderungen zu ziehen, die der IHK-Regional­ausschuss Berchtesgadener Land anlässlich der Kommunalwahlen im Mai an die Politik adressiert hat, war das Ziel der jüngsten Sitzung der Wirtschaftsvertreter. Beim Treffen mit Landrat Bernhard Kern (CSU) im Reichenhaller Landratsamt gab der Politiker nicht nur einen Rückblick auf seine mehr als 100 ersten Tage, sondern vor allem auch einen Ausblick auf wichtige anstehende Handlungsfelder des Landkreises. Zum derzeitigen Topthema, dem Corona-Management, stellten ihm die Unternehmerinnen und Unternehmer zahlreiche Fragen aus ihrem Unternehmensalltag.

‎100-Tage-Bilanz von Landrat Kern / Bildung, Nahverkehr und Gesundheitsversorgung im Fokus ‎

Alle Kräfte für die Bildungsregion Berchtesgadener Land zu mobilisieren, das sei sein oberstes Ziel, lautete Kerns Auftakt. Er unterstrich die Bedeutung der Berufsschule in Freilassing und verwies auf die rund 60 Millionen Euro, die sich der Landkreis Neubau bzw. Generalsanierung kosten lassen werde. Alle im Landkreis angesiedelten Ausbildungsberufe sollen erhalten bleiben. Anstatt Zweige zu verlieren, wolle man versuchen, neue anzusiedeln. „Dafür braucht es die entsprechenden Schülerzahlen und wiederum Ausbildungsplätze in der heimischen Wirtschaft“, appellierte Kern an die anwesenden Unternehmer.

Als weitere wichtige Baustellen des Landkreises benannte Kern den öffentlichen Nahverkehr und die Gesundheitsregion. Hinsichtlich der Gründung eines Nahverkehrs­bundes mit dem Landkreis Traunstein sagte er: „Nur gemeinsam können wir zu einem starken Partner für das Land Salzburg werden und Kooperationen anstreben.“ Irene Wagner, Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses, erinnerte sofort daran, in Sachen Nahverkehr nicht nur die Touristen zu fokussieren, sondern vor allem auch an Lösungen für Nebenstrecken zu arbeiten. „Gerade für unsere Azubis im ländlichen Raum brauchen wir alltagstaugliche Angebote.“ Wagner verwies auch auf die bestehende Forderung des IHK-Ausschusses nach einer weiteren Salzach-Brücke, die die Wirtschaft dringend brauche.

Bezüglich der Suche nach einem zentralen Standort für ein neues Krankenhaus im Landkreis mit Flächenbedarf von rund 40.000 Quadratmetern verwies Kern auf einen Dienstleister, der aktuell eine Standortanalyse erstellt. Die Standortsuche ließ ihn den Bogen zum Flächenbedarf im Landkreis spannen sowohl für Wohnraum als auch Gewerbe. Kern betonte, der Landkreis werde vor allem Leerstandsmanagement in den Innenstädten und auch auf dem Land forcieren, brachliegende Gewerbeflächen mobilisieren und sich für Nachverdichtung einsetzen. Aufgrund des Wohnraummangels erhöhe sich zunehmend der Druck auf bestehende Gewerbegebiete und damit die Gefahr, dass diese in Richtung Wohnen kippen, so der Landrat.

Auf Nachfrage der Vorsitzenden Wagner zu den vom Ausschuss geforderten Initiativen für mehr Bürokratieabbau bzw. eine wirtschaftsfreundlichere Verwaltung verwies Kern auf die Anstrengungen des Bauamts, die digitale Bauakte einzuführen. Hier sei jedoch das Enga­gement aller 15 Städte, Märkte und Gemeinden im Landkreis erforderlich. Die Digitalisie­rung habe durch Corona sehr an Fahrt aufgenommen, so dass er davon ausgehe, dass dieses Projekt bis 2022 abgeschlossen sein werde.

Angesichts des weiterhin spürbaren Fachkräftemangels, der dazu führt, dass viele Betriebe Fachkräfte zum Beispiel aus Osteuropa beschäftigen, adressierte Wagner abschließend den Wunsch vieler Unternehmen an den Landkreis, zur besseren Integration dieser Bürger flächendeckend kostenlose Deutschkurse anzubieten.