04.11.2019 - Bad-Tölz-Wolfratshausen - Garmisch-Partenkirchen - Miesbach - Weilheim - Schongau

IHK-Konjunkturumfrage: Optimismus der Wirtschaft ist verflogen

Die Stimmung der Wirtschaft im Oberland bleibt verhalten. Laut Herbst­umfrage der IHK für München und Oberbayern fällt der Konjunkturindex um acht Zähler auf 120 Punkte und liegt damit knapp unter seinem langjährigen Durchschnitt von 121 Punkten. Während die Unternehmen ihre aktuelle Lage besser bewerten als zuletzt im Frühjahr, fallen ihre Prognosen für die kommenden zwölf Monate deutlich schlechter aus.

Krämmel: „Politik muss mit Investitionsanreizen auf konjunkturelle Eintrübung reagieren“ ‎

Die in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau ansässigen Unternehmen sind mit ihrer aktuellen Geschäfts­lage zufriedener als noch im Frühjahr. Der Saldo aus positiven und negativen Lage­urteilen stieg um fünf Zähler auf 41 Punkte. Fast jedes zweite Unternehmen (47 Pro­zent) ist mit seiner derzeitigen Geschäftslage zufrieden. Nur sieben Prozent der Unternehmen äußerten sich unzufrieden. Im Frühjahr waren es noch zwölf Prozent. Ein Grund für die im bayerischen Vergleich besseren Lageurteile dürfte die hohe Bedeutung der Tourismusbranche in der Region sein. Als eine der wenigen Branchen bewerten Tourismusunternehmen ihre Geschäftslage im Herbst besser als im Frühjahr.

Für die kommenden Monate haben die Unternehmen im Oberland ihre Erwartungen jedoch heruntergesetzt: Per Saldo erreichen die Geschäftserwartungen nur noch drei Punkte, im Frühjahr waren es 21. Während weiterhin jedes zehnte Unternehmen mit einer Eintrübung rechnet, ist vor allem der Anteil der Optimisten spürbar gesunken: Aktuell rechnen nur noch 14 Prozent mit einer Geschäftsbelebung, zuletzt war es noch ein Drittel (33 Prozent) der Unternehmen.

Das wirkt sich auf die Personalplanungen aus: Nur noch elf Prozent der Unternehmen möchte zusätzliches Personal einstellen, 15 Prozent will hingegen Stellen streichen. Per Saldo sinken die Beschäftigungspläne von +7 auf -3 Punkte. Damit läuft der Beschäftigungsaufbau in der Region aus.

Hinsichtlich ihrer Bereitschaft, mehr zu investieren, sinkt die Zahl der dazu bereiten Unternehmen von 32 Prozent im Frühjahr auf jetzt 27 Prozent. Andererseits gibt es auch weniger Unternehmen, die weniger investieren wollen (aktuell sechs Prozent nach zwölf Prozent im Frühjahr). Damit verharrt die Investitionstätigkeit auf gleichbleibendem Niveau.

Bei den Risikobewertungen hat die allgemeine Verunsicherung zugenommen. Am stärksten ist die Sorge vor einer Eintrübung der Inlandsnachfrage gestiegen. Diese ist für fast jedes zweite Unternehmen (46 Prozent) ein Risiko. Im Frühjahr war es das erst für 40 Prozent. Die unsicheren wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bewertet fast die Hälfte der Unternehmen (49 Prozent) als ein Risiko. Im Frühjahr waren es erst 44 Prozent. Das (Wachstums-)Risiko Nummer 1 bleibt mit 57 Prozent der Fachkräfte­mangel. „Auch im Oberland ist zu beobachten, dass die Konjunktur nicht mehr rund läuft. Der Optimismus der Unternehmen lässt zusehends nach. Die konjunkturellen Alarmzeichen aus der Industrie greifen immer mehr auf andere Branchen über“, sagt Reinhold Kräm­mel, Sprecher des IHK-Forums für die Region Oberland. „Unsere Wirtschaft braucht deshalb jetzt dringend Investitionsanreize. Dazu zählen bessere Abschreibungs­regelungen, niedrigere Strompreise und auch die Digitalisierung muss entschiedener vorangetrieben werden.“ Als Sofortmaßnahme dafür empfiehlt Krämmel beispielsweise wesentlich kürzere Abschreibungszeiträume für die Anschaffung von Hard- und Software. Um die Standortbedingungen im internationalen Wettbewerb insgesamt zu verbessern, mahnt Krämmel eine niedrigere Besteuerung der Unternehmen an. Deutschland sei ein Höchststeuerland, so der Wolfratshauser Unternehmer. Der Steuersatz für einbehaltene Gewinne müsse daher dringend von derzeit über 30 Pro­zent auf das international übliche Niveau von 25 Prozent gesenkt werden.