30.08.2016 - Miesbach

Bewerberlücke bleibt groß

Die Betriebe im Landkreis Miesbach kämpfen auch dieses Jahr um jeden einzelnen Azubi. Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres am 1. September sind noch 214 Lehrstellen frei, so die aktuelle Statistik der Arbeitsagentur. Damit bleibt die Bewerberlücke auch in diesem Herbst außerordentlich groß. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der unbesetzten Stellen zwar um 65 gesunken, da die Unternehmen in diesem Jahr aber 593 Lehrlinge einstellen wollten, ist vorerst noch über ein Drittel der Ausbildungsplätze unbesetzt. Die Zahl der gemeldeten Lehrstellen sank im Vergleich zum Vorjahr um 4,7 Prozent. Das sind 29 Stellen weniger.

Über 210 freie Lehrstellen im Landkreis / Über ein Drittel der Ausbildungsplätze unbesetzt

„Angesichts der guten Konjunktur setzen die Betriebe stark auf den eigenen Fachkräftenachwuchs, finden aber zu oft keine passenden Bewerber. Der Bewerbermangel macht dabei vor keiner Branche halt“, ‎sagt Petra Reindl, Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Miesbach.

Insgesamt treten mit Beginn des Ausbildungsjahres 242 Jugendliche eine Lehre bei IHK-zugehörigen Unternehmen im Landkreis an, wie aus einer Zwischenbilanz der IHK für München und Oberbayern mit Stand Ende August hervorgeht. Das sind 16 Ausbil­dungsverträge weniger als im Vorjahr. Die Top 5 der IHK-Ausbildungsberufe im Landkreis Miesbach sind Hotelfachleute, Köche, Industriekaufleute, Kaufleute für den Groß- und Außenhandel sowie Einzelhandelskaufleute.

Die Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses führt den Bewerberengpass auf stagnierende Schulabgängerzahlen sowie den Trend zur Akademisierung zurück. Die Zahl der Absolventen der Mittelschulen (früher Hauptschulen) ist in Oberbayern seit 2005 um 28 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Abiturienten um 56 Prozent.

Um das Image der Ausbildung zu stärken, fordert Reindl eine bessere Berufs­orientierung und mehr Information an den Schulen: „Schülern und ihren Eltern muss viel deutlicher vermittelt werden, wie wertvoll eine abgeschlossene Lehre ist.“ Sie unterstreicht die Bedeutung von regionalen Initiativen wie der Ausbildungstour der Standortmarketinggesellschaft (SMG), die auch die IHK aktiv unterstützt, oder den Ausbildungstag der Werteproduzenten e.V., bei dem regionale Unternehmen über die verschiedenen Berufsbilder, in denen sie ausbilden, informieren. Karrierepotenzial bietet nicht zuletzt auch das duale Studium, das Ausbildung und Studium parallel ermöglicht, so die Vorsitzende.

In einer IHK-Umfrage sagen 72 Prozent derjenigen Betriebe, die Probleme in der Ausbildung haben, dass die unklaren Berufsvorstellungen der Schulabgänger das größte Hindernis seien. Die Unternehmen bieten deswegen mehr Praktikumsplätze an und verbessern ihr Personalmarketing.

Insgesamt gibt es im Landkreis Miesbach zurzeit 200 IHK-zugehörige Ausbildungs­betriebe, die ‎für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse stehen.