31.10.2018 - Traunstein

Dieselfahrverbote: „Maßhalten bei den Maßnahmen“‎

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Angesichts drohender Dieselfahrverbote in München hat sich auch der IHK-Regionalausschuss Traunstein mit der Zukunft der Mobilität und der Automobilbranche beschäftigt. Das Ergebnis: Die Wirtschaft wünscht sich eine ausgewogenere Betrachtung aller Argumente. „Als Unternehmer sind wir tagtäglich darauf angewiesen, von A nach B zu kommen. Die Umbrüche und Veränderungen in der ganzen Mobilitätsbranche sind deshalb ein drängendes Thema für die Wirtschaft“, begrüßte IHK-Vorsitzender Nikolaus Binder die Teilnehmer im Autohaus Osenstätter.

Traunsteiner Wirtschaft beschäftigt sich mit der Zukunft der Mobilität

Expertenwissen kam vom Unternehmensberater Kersten Janik. Die geltenden Stickoxid-Grenzwerte seien richtig, gleichzeitig plädiert er aber für eine differenzierte Debatte: „Wir haben heute 90 Prozent weniger Abgase als vor 20 Jahren“, so Janik. Aktionismus sei deshalb fehl am Platz. Stattdessen fordert er ein „Maßhalten bei den Maßnahmen“. Janik ist überzeugt, dass der geltende Grenzwert von 40 Mikrogramm in absehbarer Zeit und ohne Zwangsmaßnahmen eingehalten wird, da ältere Autos sukzessive durch sauberere Neufahrzeuge ersetzt werden.

Die IHK-Vollversammlung hat sich bereits gegen Dieselfahrverbote in München ausgesprochen. „Die Wirtschaft fordert stattdessen einen Maßnahmenmix, um die Luftreinheit in den Städten zu garantieren“, erklärt IHK-Verkehrsexperte Joseph Seybold. Die von der Bundesregierung kürzlich angekündigte Änderung des Bundesimmissionsschutz-Gesetzes, damit Diesel-Fahrverbote in Frankfurt vermieden werden, sieht Seybold kritisch: „Das hat mit vernünftiger Politik nichts mehr zu tun“. Wenig Verständnis für die Politik hat auch Unternehmer und Audi-Vertragshändler Peter Osenstätter. „Beim Klima- und Umweltschutz müssen wir als Gesellschaft noch viel leisten. Daran besteht kein Zweifel. Es kann aber nicht sein, dass das Auto und die Fahrzeughalter für alle Versäumnisse herhalten müssen“, so Osenstätter.

Unternehmensberater Janik forderte abschließend die Wirtschaft auf, sich in die Ausarbeitung der zukünftigen Mobilität einzubringen. „Die Unternehmer müssen mitreden, wenn die Weichen unserer Fortbewegung von morgen gestellt werden. Es geht dabei nicht um eine technische, sondern um eine normative Diskussion.“