26.09.2018 - Berchtesgadener-Land

Erfolgreiches Wirtschaften in der Biosphärenregion

Unternehmerisches Handeln und Naturschutz ergänzen sich in der Biosphärenregion Berchtesgadener Land sehr gut. Zu diesem Schluss kam der IHK-Regionalausschuss bei seiner jüngsten Sitzung in der Brauerei Wieninger in Teisendorf. Nachhaltiges Wirtschaften gehört für Brauereichef Christian Wieninger zum gelebten Alltag. Ein Drittel des Strombedarfs kann durch Nutzung der Abwärme selbst hegestellt werden, die Brauerei verfügt außerdem über einen eigenen Wertstoffhof. „97 Prozent unseres Abfalls wird recycelt, langfristig wollen wir vollständig CO2-neutral produzieren“, so Wieninger.

Erfahrungsaustausch im IHK-Regionalausschuss ‎

Die Teisendorfer Brauerei sei damit auf dem richtigen Weg, bestätigte IHK-Expertin Gerti Oswald. Betriebliche Nachhaltigkeit bedeute, den Dreiklang aus ökonomischen, ökologischen und sozialen Ziel zu meistern. „Dieses Engagement lohnt sich“, ist Oswald überzeugt. Denn: Arbeitet ein Unternehmen nachhaltig, zahle das positiv auf dessen öffentlichen Image ein und könne auch die Marktposition verbessern.

Regionalausschuss-Vorsitzende Irene Wagner betonte, dass das gesellschaftliche Image der Wirtschaft beim Thema Nachhaltigkeit nicht immer der Realität entspricht. „Leider wird den Betrieben oftmals der schwarze Peter zugeschoben, wenn es um Ökologie, Ressourceneffizienz oder Nachhaltigkeit geht. Dabei wird von Seiten der Wirtschaft bereits sehr viel gemacht“, so die Unternehmerin aus Marktschellenberg. „Unser Landkreis zeigt, dass sich Wirtschaftsraum und Biosphärenregion nicht ausschließen. Wir müssen uns selber fragen, wie wir noch weiter an der Nachhaltigkeit von Betriebsprozessen beitragen können und dabei beispielsweise die Artenvielfalt erhalten“.

Das sieht Peter Loreth, Leiter der Biosphärenregion Berchtesgadener Land, genauso. In der Modellregion gehe es nicht nur um den Erhalt von Landschaften, Biodiversität und genetischer Vielfalt. „Zu unseren Zielen gehört auch der Aufbau einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung“, betont Loreth. Leider komme es aber noch vor, dass gerade die Gastronomie nach regionalen Produkten sucht, aber keine Lieferanten findet. Gleichzeitig klagen Landwirte, dass sie keine Abnehmer für ihre Erzeugnisse haben. „Wir wollen Produzenten und Abnehmer zusammenbringen“, fasst Loreth zusammen. Das Berchtesgadener Land ist seit 1990 eine von zwei UNESCO-Biosphärenregionen Bayerns.

Erster Biosphärenregion-Partnerbetrieb aus der Wirtschaft war das Berghotel „Rehlegg“ aus Ramsau. Rehlegg-Vorstand Johannes Lichtmanegger betont, dass diese Auszeichnung unterstreiche, dass die besondere Art der Hotelführung wahrgenommen und geschätzt wird. „Wir haben lange nicht erkannt, dass unsere Art der Betriebsführung sich mit vielen Grundsätzen und Zielen der Biosphärenregion deckt“, so Lichtmanegger. Das Hotel mit seinen 87-Betten hat sich ganz der regionalen Wertschöpfung verschrieben.

So gut wie alle Produkte, die im Rehlegg Verwendung finden, stammen direkt aus dem Berchtesgadener Land. Dabei wird auch auf ursprüngliche regionale Nutztierrassen wie schwarze Alpenschweine oder alpine Steinschafe bzw. deren Wiederaufzucht gesetzt. „Wir haben gelernt, dass Top-Qualität in der Region da ist“, fasst Hotelbetreiber Lichtmanegger zusammen. Allerdings: Diese Strategie führe zu Mehrausgaben in sechsstelliger Höhe. Auch die Brauerei Wieninger ist Partnerbetrieb der Biosphärenregion und erfüllt mit ihrem „Heimat-Weißbier“ aus Laufender Weizen und eigenem Hopfen aus Teisendorf die Anforderungen eines regionalen Wertschöpfungskreislaufes.