13.04.2018 - Rosenheim

Rosenheimer Wirtschaft will Zuzug von ausländischen Fachkräften erleichtern

Ausländer werden zu einer immer wichtigeren Stütze für den Arbeitsmarkt in der Region Rosenheim. Der Anteil der Beschäftigten ohne deutschen Pass ist im Landkreis in den vergangenen fünf Jahren von 10,2 auf 13,9 Prozent gestiegen, in der Stadt von 10,6 auf 14,7 Prozent. Insgesamt gehen rund 16.000 Ausländer einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach, etwa zwei Drittel davon im Landkreis, so die aktuellsten Zahlen der Arbeitsagentur.

Mehr Beschäftigte ohne deutschen Pass im Raum Rosenheim

Weil der Fachkräftemangel zulegt und die Zahl der offenen Stellen weiter steigt, fordert die IHK für München und Oberbayern jetzt eine Reform des Zuwanderungsgesetzes. „Das derzeitige Reglement geht an den Bedürfnissen der Wirtschaft vorbei. Trotz Vollbeschäftigung gibt es große Personallücken in den Unternehmen, deswegen sind Zuwanderer mittlerweile ein wichtiges Fachkräftepotenzial“, sagt Andreas Bensegger, Vorsitzender des Regionalausschusses Rosenheim.

Der Unternehmer betont, dass der Stellenaufbau in der Stadt zwischen Juni 2016 und Juni 2017 nahezu zu 50 Prozent von ausländischen Fachkräften getragen wurde. Im Landkreis ist der Anteil mit rund 36 Prozent geringer. Bayernweit stammen die meisten Neuankömmlinge momentan aus EU-Ländern, vor allem aus Rumänien, Kroatien, Polen und Ungarn. EU-Angehörige genießen in Deutschland freies Aufenthaltsrecht zur Arbeitsaufnahme. Die IHK kritisiert, dass die Zuwanderung aus Drittstaaten dagegen kaum eine Rolle spiele, weil sie zu unübersichtlich und realitätsfern geregelt sei. „Ein Beispiel sind die viel zu stark eingeschränkten und damit weitgehend nutzlosen Listen von Engpassberufen. Wie andere Industrieländer brauchen wir eine gesteuerte Zuwanderung, die wirksam auf Engpässe am Arbeitsmarkt reagiert“, so Bensegger.

Neben generellen Erleichterungen für Zuwanderer mit einem konkreten Jobangebot in Deutschland schlägt die IHK als zweite Schiene ihres neuen Zuwanderungsmodells ein Punktesystem vor. Wie etwa in Kanada könnten Einwanderer eine zunächst befristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis bekommen, wenn sie anhand von Kriterien wie Alter, Bildungsgrad, Qualifikationen, Sprachkenntnissen und Integrationsfähigkeit eine Mindest-Punktezahl erreichen. Beide Zuwanderungskanäle, von Fachleuten als „marktorientiert“ respektive „potenzialorientiert“ bezeichnet, könnten über jährliche Kontingente fortlaufend an das Bevölkerungswachstum oder Konjunkturschwankungen angepasst werden.

Bensegger unterstreicht, dass die Zuwanderung nur eins von mehreren Instrumenten zur Linderung des Fachkräftemangels sei. „Mit der „Rente mit 63“ hat die Politik der Wirtschaft einen Bärendienst geleistet und die Anstrengungen der Betriebe zur Beschäftigung Älterer durchkreuzt. Der Fachkräftemangel hat sich dadurch noch einmal massiv und zum demografisch ungünstigsten Zeitpunkt verschlimmert. Die Wirtschaft wartet auch weiter auf eine flächendeckende und bedarfsgerechte Kinderbetreuung und Ganztagsschulen, damit Familien Erziehung und Beruf besser unter einen Hut bringen und die Erwerbstätigkeit von Eltern zunimmt. Stattdessen werden laufend neue Rechtsansprüche zur einseitigen Arbeitszeitverkürzung durch Arbeitnehmer diskutiert, wodurch ebenfalls wertvolles Fachkräftepotenzial verloren geht“, so der IHK-Vorsitzende.

Das Zuwanderungsmodell wurde im Auftrag der IHK vom ifo Institut München entwickelt.