18.07.2016 - Miesbach

Noch mehr als 220 freie Lehrstellen ‎im Landkreis Miesbach

Die Betriebe im Landkreis Miesbach haben weiterhin große Mühe, genügend Azubis zu finden. Bereits zwei Monate vor Beginn des Ausbildungsjahrs ist absehbar, dass in den Unternehmen des Landkreises fast 60 Lehrstellen unbesetzt bleiben. Momentan sind noch 229 Lehrstellen frei. Gleichzeitig gibt es aber nur
170 unversorgte Bewerber, wie aus der Statistik der Arbeitsagentur hervorgeht.

‎„Die Chancen, mit einer Lehre ins Berufsleben durchzustarten, sind so gut wie noch nie“, ‎wirbt Petra Reindl, Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Miesbach, für die betriebliche Ausbildung. Angesichts der ‎guten Wirtschaftslage und des drohenden ‎Fachkräftemangels ‎sei die Ausbildungsbereit‎schaft der Unternehmen ungebrochen hoch, doch es fehlten immer häufiger die Bewer‎ber, sagt Reindl. Grund dafür sind vor allem die sinkenden Schulabgängerzahlen und der ‎Trend zum ‎Studium. Zusätzlich verhinderten nach wie vor Rechtsunsicherheit und büro‎kratische Hürden ‎die Besetzung von freien Lehrstellen mit Flüchtlingen.‎

Besonders deutlich zeigt sich der Azubi-Mangel im Hotel- und Gaststättengewerbe. Für angehende Hotel- und Restaurantfachleute sowie Köche sind noch 50 Stellen frei, aber nur drei unversorgte Bewerber äußern einen entsprechenden Berufswunsch. Reindl unterstreicht, dass der Bewerbermangel quer durch alle Branchen geht: „Es ‎werden auch noch angehende Verkäufer, Bankkaufleute oder medizinische Fachangestellte gesucht.“‎

Die Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses appelliert deshalb an die Politik, den Fachkräfte-Aderlass in der Berufsausbildung zu stoppen und die praxisferne Akademisierung auf den Prüfstand zu stellen. Außerdem fordert Reindl die verlässliche und schnelle Umsetzung des ‎‎„3+2“-Modells für ‎junge Flüchtlinge, wie es auf Vorschlag des BIHK im neuen Integrationsgesetz festgelegt ‎wurde. Danach dürfen Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, ‎in den drei Jahren der ‎Berufsausbildung sowie in den folgenden zwei Jahren zum Sammeln ‎von ‎Berufserfahrung nicht abgeschoben werden. Aktuell bereiten sich im Landkreis Miesbach mehr als ‎‎80 ‎jugendliche ‎Asylbewerber in fünf Berufsintegrationsklassen auf das Berufsleben vor. „‎Viele Unternehmen sehen in diesem Personenkreis Potenzial für ihre freien Ausbildungsplätze, aber Einstellungen scheitern häufig an der mangelnden Planungssicherheit und den vielen bürokratischen Auflagen“, so Reindl.

Insgesamt sind derzeit 214 IHK-zugehörige Unternehmen im Landkreis Miesbach in der Ausbildung aktiv und ‎stehen für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse.