22.03.2018 - Berchtesgadener-Land

Wagner: Keine Flächen-Obergrenze für Kommunen

Das Berchtesgadener Land ist grün: Zu diesem Ergebnis kommt die IHK für München und Oberbayern nach Auswertung der Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik.

Nur 0,6 Prozent der Fläche im Berchtesgadener Land wird von der Wirtschaft genutzt

Wie Irene Wagner, Vorsitzende des IHK-Regionalaus-schusses Berchtesgadener Land erklärt, waren Ende 2016 93 Prozent der Fläche Natur oder wurden landwirtschaftlich genutzt. Lediglich 0,6 Prozent wurden hingegen von Gewerbe, Industrie, Handel oder Dienstleistungen beansprucht. „Die Wirtschaft geht sorgsam und effizient mit der Ressource Boden um“, stellt Wagner fest. Insgesamt sind über 40 Prozent des Landkreises Natur- oder Landschaftsschutzgebiete. Der Nationalpark nimmt rund ein Viertel der Gesamtfläche ein.

Eine Obergrenze für Kommunen in der Flächenausweisung lehnt die IHK ab. „Mit einer künstlichen Verknappung der Flächen wird Wohnraum zwangsläufig noch teurer. Die Einschränkung der kommunalen Planungshoheit setzt zudem die unterschiedlichen Nutzungsarten wie Wohnen, Freizeit und Gewerbe unnötig in Konkurrenz zueinander. Wichtige Projekte bleiben dann zu Lasten der Bürger auf der Strecke“, befürchtet die Unternehmerin aus Marktschellenberg. Stattdessen plädiert die Wirtschaft für mehr Effizienz in der Flächennutzung in Form von Verdichtungen und der Revitalisierung von Brachflächen.

Sehr wichtig ist für Wagner die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen. „Ein strategisches und gemeindeübergreifendes Flächenmanagement spart Flächen und Kosten“, ist die Unternehmerin überzeugt und begrüßt dabei auch die jüngsten Initiativen der Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Ebenso sollte die Möglichkeit interkommunaler Gewerbegebiete geprüft werden. „Wenn der Bedarf da ist und die Bedingungen stimmen, müssen unsere 15 Städte und Gemeinden auch in Zukunft flexibel auf die Wünsche und ‎Anforderungen der lokalen Unternehmen eingehen können. Aufgrund des alpinen Charakters des Landkreises ist das schon heute eine große Herausforderung“, erklärt die IHK-Vorsitzende. Gewerbliche Entwicklungsmöglichkeiten würden sich, topografisch bedingt, vor allem auf das nördliche Berchtesgadener Land beschränken.

Eine wichtige Botschaft hat Wagner auch für die Landespolitik: „Wir verlangen von allen ‎politischen Akteuren und Parteien eine ehrliche Diskussion. ‎Wer nur die vermeintlich flächenverschwenderische Wirtschaft ‎an den Pranger stellt und jegliche Entwicklung mit ‎Versiegelung und Betonflut gleichsetzt, führt die Bürger ‎bewusst in die Irre.‎“ Wie aus den Zahlen des Landesamtes für Statistik hervorgeht, hat sich der Anteil von Gewerbe und Industrie an der ‎Gebietsfläche im Berchtesgadener Land zwischen 2011 und 2015 ‎nicht verändert. Gleichzeitig hat das BIP seit 2010 um 21,9 Prozent zugelegt.

Flächennutzung im Berchtesgadener Land zum 31. Dezember 2016

Nutzungsart / Anteil an der Gebietsfläche des Landkreises

Wald, ‎Wiesen, Felder, Landwirtschaft, Gebirge und Gewässer 93 Prozent

Siedlungs- und Verkehrsfläche 7 Prozent

Die Siedlungs- und Verkehrsflächen teilen sich wie folgt auf:

Verkehrsflächen 2,6 Prozent

Wohnen 1,9 Prozent

Gemischte Nutzung (bsp. landwirtschaftliche Betriebsfläche) 1,1 Prozent

Sport, Freizeit und Erholung (bsp. Sportplätze, Grünanlagen, Parks) 0,4 Prozent

Industrie und Gewerbe 0,3 Prozent

Handel und Dienstleistungen 0,3 Prozent

Besondere funktionale Prägung (bsp. Schulen, Verwaltung, Burgen) 0,3 Prozent

Ver- und Entsorgung, Halde (bsp. Wasserwerk, Photovoltaikanlagen, Kläranlage) 0,1 Prozent

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik