22.03.2018 - Rosenheim

Bensegger: „Mehr Zusammenarbeit und weniger Kirchturmdenken bei Flächenpolitik“‎

Die Region Rosenheim ist zu großen Teilen grün: Zu diesem Ergebnis kommt die IHK für München und Oberbayern nach Auswertung der Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik.

IHK gegen Flächen-Obergrenze und Einschränkung der kommunalen Planungshoheit

Wie Andreas Bensegger, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Rosenheim, erklärt, waren Ende 2016 im Landkreis fast 90 Prozent der Fläche Natur oder wurden landwirtschaftlich genutzt, auch in der Stadt betrug dieser Wert noch knapp 59 Prozent. Gewerbe, Industrie, Handel und Dienstleistungen nehmen hingegen nur eine untergeordnete Rolle in der Flächennutzung ein. „Die Wirtschaft geht sorgsam und effizient mit der Ressource Boden um“, stellt Bensegger fest.

Eine Obergrenze für Kommunen in der Flächenausweisung lehnt die IHK ab. „Mit einer künstlichen Verknappung der Flächen wird Wohnraum zwangsläufig noch teurer. Die Einschränkung der kommunalen Planungshoheit setzt zudem die unterschiedlichen Nutzungsarten wie Wohnen, Freizeit und Gewerbe unnötig in Konkurrenz zueinander. Wichtige Projekte bleiben dann zu Lasten der Bürger auf der Strecke“, befürchtet der Rosenheimer Unternehmer. Stattdessen plädiert die Wirtschaft für mehr Effizienz in der Flächennutzung in Form von Verdichtungen und der Revitalisierung von Brachflächen.

Die Kommunen fordert Bensegger zu einer besseren Zusammenarbeit auf. „Kirchturmpolitik bringt uns nicht weiter – ein gemeindeübergreifendes Flächenmanagement hingegen schon“, so der Unternehmer. In der gewerblichen Nutzung sollten unter anderem auch interkommunale Gewerbegebiete mehr als bisher in Betracht gezogen werden. „Wenn der Bedarf da ist und die Bedingungen stimmen, müssen unsere 47 Städte und Gemeinden auch in Zukunft flexibel auf die Wünsche und ‎Anforderungen der lokalen Unternehmen eingehen können“, fordert der IHK-Vorsitzende.

Eine wichtige Botschaft hat Bensegger auch für die Landespolitik: „Wir verlangen von allen ‎politischen Akteuren und Parteien eine ehrliche Diskussion. ‎Wer nur die vermeintlich flächenverschwenderische Wirtschaft ‎an den Pranger stellt und jegliche Entwicklung mit ‎Versiegelung und Betonflut gleichsetzt, führt die Bürger ‎bewusst in die Irre.‎“ Wie aus den Zahlen des Landesamtes für Statistik hervorgeht, ist der Anteil von Gewerbe und Industrie an der ‎Gebietsfläche in Stadt und Landkreis zwischen 2011 und 2015 nahezu gleich geblieben. Gleichzeitig hat das BIP in der Region um 25,9 Prozent zugelegt.

Flächennutzung der Region Rosenheim zum 31. Dezember 2016‎

NutzungsartAnteil der Gebietsfläche
Stadt

Landkreis
Wald, ‎Wiesen, Felder, Landwirtschaft, Gebirge und Gewässer58,9 Prozent88,9 Prozent
Siedlungs- und Verkehrsfläche41,1 Prozent11,1 Prozent
Die Siedlungs- und Verkehrsflächen teilen sich wie folgt auf:  
Verkehrsflächen9,6 Prozent3,5 Prozent
Gemischte Nutzung (bsp. landwirtschaftliche Betriebsfläche)3,7 Prozent2,2 Prozent
Wohnen16,8 Prozent3,4 Prozent
Industrie und Gewerbe2,9 Prozent0,6 Prozent
Sport, Freizeit und Erholung
(bsp. Sportplätze, Grünanlagen, Parks)
2,4 Prozent0,6 Prozent
Handel und Dienstleistungen2,3 Prozent0,3 Prozent
Besondere funktionale Prägung
(bsp. Schulen, Verwaltung, Burgen)
2,6 Prozent0,3 Prozent
Ver- und Entsorgung, Halde
(bsp. Wasserwerk, Photovoltaikanlagen, Kläranlage)
0,5 Prozent0,1 Prozent
Friedhöfe0,3 Prozent0,1 Prozent
Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik