13.07.2016 - Traunstein

Bewerberlücke bleibt auf Rekordniveau

Traunstein – Die Betriebe im Landkreis Traunstein haben weiterhin große Mühe, genügend Azubis zu finden. Bereits zwei Monate vor Beginn des Ausbildungsjahrs ist absehbar, dass in den Unternehmen im Landkreis mehr als 130 Lehrstellen unbesetzt bleiben.

Noch mehr als 400 freie Lehrstellen im Landkreis / Große Hürden für Flüchtlinge‎

Traunstein – Die Betriebe im Landkreis Traunstein haben weiterhin große Mühe, genügend Azubis zu finden. Bereits zwei Monate vor Beginn des Ausbildungsjahrs ist absehbar, dass in den Unternehmen im Landkreis mehr als 130 Lehrstellen unbesetzt bleiben. Momentan sind im Landkreis Traunstein noch 410 Lehrstellen frei. Gleichzeitig gib es aber nur 278 unversorgte Bewerber, wie aus der Statistik der Arbeitsagentur hervorgeht

‎„Die Chancen, mit einer Lehre im Berufsleben durchzustarten, sind so gut wie noch nie“, ‎wirbt Nikolaus Binder, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Traunstein, für die betriebliche Ausbildung. Angesichts der ‎guten Wirtschaftslage und des drohenden ‎Fachkräftemangels ‎sei die Ausbildungsbereit‎schaft der Unternehmen ungebrochen hoch, doch es fehlten immer häufiger die Bewer‎ber, sagt Binder. Grund dafür sind vor allem die sinkenden Schulabgängerzahlen und der ‎Trend zum ‎Studium. Zusätzlich verhinderten nach wie vor Rechtsunsicherheit und büro‎kratische Hürden ‎die Besetzung von freien Lehrstellen mit Flüchtlingen.‎

Besonders dramatisch ist der Azubi-Mangel im Landkreis im Einzelhandel. Für angehende Einzelhandelskaufleute, Verkäufer und Fachverkäufer sind noch knapp 100 Stellen frei. Aber nur 50 unversorgte Bewerber äußern einen entsprechenden Berufswunsch. Für den Bereich Lebensmittelverkäufer, in dem allein 32 Lehrstellen offen sind, gibt es gar keinen gemeldeten Interessenten. Binder unterstreicht, dass der Bewerbermangel quer durch alle Branchen geht: „Es werden auch noch angehende Köche, Hotelfachleute, Kfz-Mechatroniker oder Kaufleute gesucht.“ Der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses appelliert an die Politik, den Fachkräfte-Aderlass in der Berufsausbildung zu stoppen und die zunehmende Akademisierung auf den Prüfstand zu stellen. Außerdem fordert Binder die verlässliche und schnelle Umsetzung des ‎‎„3+2“-Modells für ‎junge Flüchtlinge, wie es auf Vorschlag des BIHK im neuen Integrationsgesetz festgelegt ‎wurde. Danach dürfen Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, ‎in den drei Jahren der ‎Berufsausbildung sowie in den folgenden zwei Jahren zum Sammeln ‎von ‎Berufserfahrung nicht abgeschoben werden.

‎An den Berufsschulen im Landkreis Traustein befinden sich derzeit mehr als 70 jugendliche Asylsuchende in vier berufsvorbereitenden Berufsschulklassen. „Viele Unternehmen sehen in diesem Personenkreis Potenzial für ihre freien Ausbildungsplätze, aber Einstellungen scheitern häufig an der mangelnden Planungssicherheit und den vielen bürokratischen Auflagen“, so Binder.

Insgesamt sind zurzeit 373 IHK-zugehörige Unternehmen im Landkreis in der ‎Ausbildung ‎aktiv und ‎stehen für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse. ‎