02.02.2018 - Miesbach

Flächenpolitik braucht Professionalität und Gestaltungswillen ‎

Wie kann der Landkreis von seinen zahlreichen Standortvorteilen profitieren, sich weiterentwickeln und gut gerüstet kommenden Herausforde­rungen begegnen? Das diskutierte der IHK-Regionalausschuss Miesbach in seiner jüngsten Sitzung gemeinsam mit Vertretern aus der Kommunalpolitik, unter ihnen Landrat Wolfgang Rzehak (Bündnis 90/Die Grünen) und der Schlierseer Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU). Im Vordergrund stand dabei, wie im gesamten Landkreis die dringend benötigten Flächen für die Gewerbeentwicklung und den Wohnungsbau mobilisiert werden können.

Reindl: „Landkreis muss Standortvorteile optimal nutzen“‎

„Gewerbe, Wohnen, Arbeiten – alles greift ineinander und muss unter einen Hut gebracht werden, wenn sich der Landkreis zukunftssicher aufstellen will“, eröffnete Vorsitzende Petra Reindl die Sitzung in der Miesbacher Kreis­sparkasse. Sie sprach damit sofort das Spannungsfeld zwischen Wirtschafts­wachstum, Fachkräfte- und Wohnraummangel an, in dem sich der Landkreis bewegt.

Andreas Fritzsche, Teamleiter Standortberatung und Bauleitplanung bei der IHK für München und Oberbayern, verwies auf die IHK-Standortumfrage von 2017. Darin hatten die Unternehmen im Landkreis ihren Standort mit der Note 2,0 bewertet. Gleichzeitig gaben sie fehlende Gewerbeflächen und Fachkräfte als Wachstumsbremsen an. „Wachstum und Zuzug brauchen Flächen“, so Fritzsche. Umso wichtiger wird das aktive Flächenmanagement der Gemeinden, das den Entwicklungen bei Gewerbe, Verkehr und Wohnraum gerecht werden muss. Hier brauchen wir dringend eine sachlichere Diskussion über die künftige Flächen­nutzung und Siedlungsentwicklung“, so der Experte.

Dass die Gemeinden von Gesetzes wegen über zahlreiche Instrumente zur Standortoptimierung und aktiven Flächenpolitik verfügen, darüber informierte Weyarns Altbürgermeister Michael Pelzer (FW). „Voraussetzung ist natürlich, dass die Verantwortlichen das Instrumentarium kennen und beherrschen“, so Pelzer. Angefangen bei der Planungshoheit, dem Herstellen von Verfügbarkeit über Grund und Boden, das regelmäßige Bestandsaufnahmen erfordert, bis hin zum Festlegen konkreter Planungszeiträume – eindringlich verwies Pelzer auch auf die Notwendigkeit zur interkommunalen Zusammenarbeit: „Unsere Kommu­nen sind keine Inseln. Sie müssen sich als Teil eines Ganzen verstehen und ihre Siedlungs- und Gewerbeplanung, einschließlich Tourismus, danach ausrichten. Was wir dafür brauchen, sind Gestaltungswille, Mut und Leidenschaft. Der Spielraum für die Gemeinden ist groß, so sie ihn denn nutzen“, lautete sein Fazit.