10.08.2017 - Berchtesgadener-Land

Gewerbesteuer-Hebesätze im Landkreis ziehen an

Die boomende Wirtschaft sorgt bei den Gemeinden im Berchtesgadener Land für wachsende Gewerbesteuereinnahmen. Insgesamt kassierten die Kommunen 2016 fast 47 Millionen Euro, ein starkes Plus von 20,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Weiterentwickelt haben sich auch die Hebesätze: Laut den Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik haben ein Drittel der 15 Gemeinden die Werte erhöht. Irene Wagner, Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Berchtesgadener Land, warnt deshalb vor weiteren Veränderungen nach oben.

Wagner: „Kommunen müssen bei den Gewerbesteuern Augenmaß bewahren“

Wie die Unternehmerin aus Marktschellenberg betont, hat der durchschnittliche Hebesatz im Landkreis seit 2006 um 23 Punkte zugelegt. Mit dem aktuellen Wert von 346 Prozent gehört das Berchtesgadener Land im Regierungsbezirk zu den vier Landkreisen mit den höchsten Durchschnittswerten (Oberbayern 333 Prozent, Bayern 338 Prozent), es bleibt aber weiterhin deutlich unter dem Niveau auf Bundesebene (2015: 397 Prozent). „Diesen Standortvorteil dürfen unsere Kommunen nicht leichtfertig weiter aufs Spiel setzen. Bei den Gewerbesteuern ist Augenmaß gefragt – ein niedrigerer Hebesatz lässt den Betrieben mehr Luft zum Atmen und Investieren“, erklärt Wagner. Die Regionalausschuss-Vorsitzende kritisiert außerdem, dass durch Hinzurechnungen bei der Gewerbesteuer nicht nur Gewinne besteuert würden, sondern auch Kosten, wie Zinsen, Mieten oder Leasingraten, und damit die Substanz der Betriebe.

Spitzenreiter beim Gewerbesteuerhebesatz blieben 2016 Bad Reichenhall, Berchtesgaden, Bischofswiesen, Marktschellenberg, Ramsau, Schönau und Teisendorf mit 380 Prozent. Am niedrigsten war der Hebesatz hingegen mit 310 Prozent in Ainring, Bayerisch Gmain, Laufen, Piding und Saaldorf-Surheim. Die IHK-Broschüre „Gewerbesteuer in Oberbayern“ mit rechtlichen Grundlagen und allen oberbayerischen Hebesätzen ist unter www.ihk-muenchen.de/gewerbesteuer verfügbar.