17.07.2017 - Rosenheim

IHK-Forum Region Südost in Traunstein: Wirtschaft fordert mehr Wohnungsbau‎

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Mit bezahlbarem Wohnraum als Standortfaktor hat sich das IHK-Forum Region Südost bei seiner Sitzung in Traunstein befasst. Die Mitglieder der IHK-Regionalausschüsse Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land besprachen in der Veranstaltung die Situation in der Region und Lösungsansätze. Zu Gast in Traunstein waren deshalb auch Experten aus den Landratsämtern und Kommunen.

Knapper Wohnraum führt zu hohen Mieten und verschärft Fachkräftemangel

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„Die florierende Wirtschaft, das Bevölkerungswachstum und steigende Einkommen treiben auch in Südostoberbayern die Mieten in die Höhe“, sagte Peter Kammerer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, zur Eröffnung. Das Problem: Gleichzeitig wächst der Wohnungsbau deutlich langsamer als die Nachfrage, das Angebot an bezahlbarem Wohnraum wird immer knapper. „Wir brauchen Wohnungen für unsere Mitarbeiter, auch unsere Beschäftigten mit geringeren Einkommen“, bestätigte die zu Beginn der Sitzung neu gewählte Sprecherin des IHK-Forums Region Südost, Irene Wagner. „Bezahlbare Wohnungen fehlen an allen Ecken und Enden“, so die Unternehmerin aus Marktschellenberg und Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Berchtesgadener Land.

„Die Antwort ist denkbar einfach, aber doch sehr kompliziert: Es müssen mehr Woh­nungen gebaut werden“, leitete Kammerer die Diskussion ein. Die Hindernisse sind der IHK, den Kommunen und den Investoren wohl bekannt und wurden ausgiebig im Forum besprochen: Es fängt beim Bauland an, von dem zu wenig verfügbar ist. Oft fehlen Ausgleichsflächen oder die eigentumsrechtliche Lage verzögert Projekte. Das lässt die Preise steigen. Die IHK fordert deswegen eine aktive Grundstückspolitik der Gemeinden, zu der eine Flächenanalyse und Wachstumskonzepte aus einem Guss gehören, die auch Infrastruktur, soziale Einrichtungen und Bedürfnisse der Bürger berücksichtigen.

Thomas Kamm, Erster Bürgermeister der Gemeinde Siegsdorf, unterstrich die Hürden. So würden viele Landwirte wegen der hohen steuerlichen Belastung Grundstücks­verkäufe ablehnen, auch wenn sie grundsätzlich bereit wären, Flurflächen abzugeben. Kamm forderte die Bauherren auf, möglichst frühzeitig ihre Projekte mit der Gemeinde und Nachbarn zu besprechen und sich über die Verfahrensabläufe zu informieren – so könnten viele Stolpersteine im Vorfeld identifiziert und gelöst werden. Denn Probleme bereiten dem Wohnungsbau auch die langen Genehmigungsverfahren bis zum Baurecht. Johannes Gruber, Geschäftsbereichsleiter Bauen und Umwelt beim Landratsamt Berchtesgadener Land, wies allerdings darauf hin, dass die Verfahren große Gestaltungsspielräume bieten und die für Investoren wichtige Rechtssicherheit herstellen. Gruber stimmte zu, dass größere Objekte mit mehr Wohnungen je Haus die Wohnungsknappheit lindern könnten.

Ein großer Kritikpunkt waren die vielen Bauvorschriften und Regularien, die das Bauen teurer machen. Stefan Ludwig, Geschäftsführer der GRWS Wohnungsbau- und Sanierungsgesellschaft der Stadt Rosenheim, berichtete, dass die hohen Standards, etwa beim Schallschutz und der Energieeinsparung, die vielen notwendigen Sach­verständigen sowie Umweltauflagen bei der Entsorgung von Bauschutt die Baukosten in den vergangenen 15 Jahren um 40 Prozent in die Höhe getrieben hätten. Das Gegen­konzept der Rosenheimer Wohnungsbaugesellschaft sind unter anderem kosten­bewusste Planungen mit standardisierten Wohneinheiten, mit nach Möglichkeit mehr Stockwerken sowie ohne unnötige Tiefgaragenplätze, auch wenn dafür Ausnahme­genehmigungen notwendig sind. Ludwig forderte von der Politik, keine weiteren Verschärfungen der Energieeinsparungsregelungen für Wohngebäude – hier lägen die zusätzlichen Kosten mittlerweile in keiner Relation mehr zu den erzielten Einsparungen.

Das Schlussplädoyer der Wirtschaft fiel deutlich aus: „Der Wohnungsbau führt zu Folgekosten, Gewerbegebiete dagegen zu Einnahmen bei der Gewerbesteuer. Es sollte deswegen einen Ausgleich bei den Lasten und Pflichten geben, etwa durch einen horizontalen Finanzausgleich zwischen den Gemeinden. Außerdem müssen die Gemeinden zunehmend zusammenarbeiten und übergreifend planen, ein Denken in Funktionsräumen ist notwendig“, so IHK-Experte Kammerer.

Bildunterschrift: (alle Bilder © IHK München)

Bei der Sitzung des IHK-Forums Region Südost am 12. Juli 2017 in der Brauerei Schnitzlbaumer in Traunstein:

Sitzung: Die Mitglieder der IHK-Regionalausschüsse der Region, darunter auch Andreas Bensegger, IHK-Vorsitzender Rosenheim, sowie Nikolaus Binder, sein Traunsteiner Ehrenamtskollege.

Diskussion: (v.ln.r.) Peter Kammerer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, Stefan Ludwig, Geschäftsführer der GRWS Wohnungsbau- und Sanierungsgesellschaft der Stadt Rosenheim, Irene Wagner, neu gewählte Sprecherin des IHK-Forums Region Südost und Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Berchtesgadener Land, Johannes Gruber, Geschäftsbereichsleiter Bauen und Umwelt beim Landratsamt Berchtesgadener Land, sowie Thomas Kamm, Erster Bürgermeister der Gemeinde Siegsdorf.