12.07.2016 - Altötting-Mühldorf

Bewerberlücke bleibt auf Rekordniveau

Altötting - Die Betriebe im Landkreis Altötting haben weiterhin große Mühe, genügend Azubis zu finden. Bereits zwei Monate vor Beginn des Ausbildungsjahrs ist absehbar, dass in den Unternehmen im Landkreis fast 100 Lehrstellen unbesetzt bleiben.

Noch mehr als 250 freie Lehrstellen im Landkreis/ Große Hürden für Flüchtlinge‎

Altötting - Die Betriebe im Landkreis Altötting haben weiterhin große Mühe, genügend Azubis zu finden. Bereits zwei Monate vor Beginn des Ausbildungsjahrs ist absehbar, dass in den Unternehmen im Landkreis fast 100 Lehrstellen unbesetzt bleiben. Momentan sind im Landkreis Altötting noch 276 Lehrstellen frei. Gleichzeitig gibt es aber nur 177 unversorgte Bewerber, wie aus der Statistik der Arbeitsagentur hervorgeht.

„Die Chancen, mit einer Lehre im Berufsleben durchzustarten, sind so gut wie noch nie“, ‎wirbt Ingrid Obermeier-Osl, IHK-Vizepräsidentin und Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Altötting-Mühldorf, für die betriebliche Ausbildung. Angesichts der ‎guten Wirtschaftslage und des drohenden ‎Fachkräftemangels ‎sei die Ausbildungsbereit‎schaft der Unternehmen ungebrochen hoch, doch es fehlten immer häufiger die Bewer‎ber, sagt Obermeier-Osl.

Grund dafür sind vor allem die sinkenden Schulabgängerzahlen und der ‎Trend zum ‎Studium. Zusätzlich verhinderten nach wie vor Rechtsunsicherheit und büro‎kratische Hürden ‎die Besetzung von freien Lehrstellen mit Flüchtlingen.‎

Besonders dramatisch ist der Azubi-Mangel im Landkreis im Handel. Für angehende Einzelhandelskaufleute, Verkäufer und Fachverkäufer sind noch 80 Stellen frei, aber nur 27 unversorgte Bewerber äußern einen entsprechenden Berufswunsch. Obermeier-Osl unterstreicht, dass der Bewerbermangel quer durch alle Branchen geht: „Es ‎werden auch noch angehende Metallbauer für Konstruktionstechnik, Handelsfachwirte, oder ‎Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik gesucht.“‎

Die IHK-Vizepräsidentin appelliert erneut an die Politik, den Fachkräfte-Aderlass in der Berufsausbildung zu stoppen und die zunehmende Akademisierung auf den Prüfstand zu stellen. Außerdem fordert Obermeier-Osl die verlässliche und schnelle Umsetzung des ‎‎„3+2“-Modells für ‎junge Flüchtlinge, wie es auf Vorschlag des BIHK im neuen Integrationsgesetz festgelegt ‎wurde. Danach dürfen Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, ‎in den drei Jahren der ‎Berufsausbildung sowie in den folgenden zwei Jahren zum Sammeln ‎von ‎Berufserfahrung nicht abgeschoben werden. ‎

An der Berufsschule im Landkreis Altötting befinden sich derzeit mehr als 70 jugendliche ‎Asylsuchende in vier berufsvorbereitenden Berufsschulklassen. „‎Viele Unternehmen sehen in diesem Personenkreis Potenzial für ihre freien Ausbildungsplätze, aber Einstellungen scheitern häufig an der mangelnden Planungssicherheit und den vielen bürokratischen Auflagen“, so Obermeier-Osl.

Insgesamt sind zurzeit 247 IHK-zugehörige Unternehmen im Landkreis Altötting in der ‎Ausbildung aktiv und ‎stehen für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse. ‎