18.04.2019 - Ebersberg

‎5G soll Mobilfunkausbau beschleunigen‎

Die Wirtschaft ist mit der Mobilfunkabdeckung im Landkreis mehrheitlich noch unzufrieden. Zu diesem Ergebnis kam eine Abstimmung per Handzeichen in der jüngsten Sitzung des IHK-Regionalausschusses Ebersberg. Thema des Treffens in den Herrmannsdorfer Landwerkstätten war die Zukunftstechnologie 5G und deren Möglichkeiten für die Unternehmen. Als Fachmann war Udo Harbers von der Deutschen Telekom eingeladen, die grundlegenden Eigenschaften von 5G zu erklären.

Ziegltrum-Teubner: „Zeit der Funklöcher muss schnellstmöglich zu Ende gehen“‎

Nicht jede Milchkanne würde die 5G-Eigenschaft von zehn Gigabit pro Sekunde im Download benötigen, so Harbers unter Bezugnahme auf Bundesbildungsministerin Anja Karliczek. „Aber wir brauchen auch am Land ein gutes und schnelles Netz“. Digitalisierung sei auch mit dem aktuellen LTE-Standard möglich, Voraussetzung bleibe aber das Vorhandensein eines Netzes. Im Zuge des 5G-Ausbaus soll bis 2025 die Mobilfunkabdeckung in Deutschland bei bis zu 98 Prozent aller Haushalte liegen, verspricht der Vertreter der Telekom. Allerdings werde nicht jeder Haushalt mit notwendigerweise mit einem eigenen 5G-Anschluss ausgerüstet sein. „Breitband- und Mobilfunknetze ergänzen sich“, ist Harbers überzeugt.

Größter Vorteil für die Unternehmen: Sie können ihr eigenes Mobilfunknetz betrieben, zum Beispiel auf einem Werksgelände, um Maschinen miteinander zu vernetzen und Produktionsprozesse zu steuern. „Eine Schnittstelle zum öffentlichen Teil des Mobilfunknetzes besteht dabei nicht“, so Harbers. Eine Gesundheitsgefährdung durch die 5G-Mobilfunkstrahlung schließt er auf Rückfrage von Landrat Robert Niedergesäß aus.

„Über Mobilfunkt vernetzte Arbeitsprozesse und Maschinen klingen in unserem Landkreis noch nach Zukunftsmusik. Priorität für die Unternehmen ist stattdessen noch immer, dass es vernünftige Breitbandanschlüsse und ein funktionierendes Handynetz gibt. Die Zeit der Funklöcher muss schnellstmöglich zu Ende gehen“, fasst IHK-Vorsitzende Sonja Ziegltrum-Teubner zusammen.

Bestätigung kommt vom IHK-Experte Bernhard Kux. „Für fast 40 Prozent der oberbayerischen Unternehmerinnen und Unternehmer ist die Festnetz-Internet-Versorgung nicht ausreichend. Ebenso viele halten auch die aktuelle Mobilfunkversorgung für unbefriedigend“, erläutert Kux anhand einer aktuellen IHK-Umfrage. Ändert sich die Situation beim Breitband in den nächsten zwei Jahren nicht, geben knapp 45 Prozent an, nicht wie geplant expandieren zu können. Für acht Prozent würde es existenzbedrohend werden. Nur weniger als ein Drittel sieht keine Auswirkungen. Auf dieser Basis hat die IHK-Vollversammlung 2018 einen umfassenden Forderungskatalog verabschiedet.

Zum Abschluss gab Landrat Robert Niedergesäß noch einen Überblick zu den wichtigsten politischen Themen im Landkreis. Für den Herbst kündigte er eine eigene Wohnbaukonferenz an, bei der alle Bürgermeister, Stadt- und Gemeinderäte eingeladen werden. „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum für alle Menschen im Landkreis“, betonte Niedergesäß einmal mehr.

Ebenfalls viel Handlungsbedarf gibt es beim Thema Mobilität. Hier habe die Politik in der Vergangenheit die Entwicklungen verschlafen. „Bei den S-Bahnen gab es seit 1992 kaum Erweiterungen“, so der Landrat. Wünschenswert sei ein Halbstundentakt auf allen Verbindungen im Landkreis. „Die Leute brauchen eine enge und zuverlässige Taktung. Das kostet zwar eine Menge Geld, ich stehe aber dazu. Nur so schaffen wir Alternativen für den Individualverkehr“, so Niedergesäß.