22.06.2018 - Dachau

Mooseder: „Die Landtagswahl ist für die Wirtschaft bereits in Sichtweite“‎

Weniger als vier Monate vor der bayerischen Landtagswahl hat sich der IHK-Regionalausschuss Dachau mit den Kandidaten aus dem Landkreis zum wirtschaftspolitischen Austausch getroffen. An der Diskussion teilgenommen haben Martin Güll (SPD), Martina Purkhardt (Freie Wähler), Bernhard Seidenath (CSU), Dr. Frank Sommerfeld (FDP) und Christoph Steier (AfD). Im Fokus standen die drei Themen Fachkräfte, Wohnraum und Verkehr. „Die Landtagswahl ist für die Wirtschaft bereits in Sichtweite“, erklärt Werner Mooseder, der als stellvertretender Ausschuss-Vorsitzender die Diskussion geleitet hat.

IHK-Regionalausschuss im Gespräch mit Landtagswahl-Kandidaten

Die ersten Fragen der Unternehmer drehten sich um die Fachkräfte-Problematik. FW-Kandidatin Martina Purkhardt spricht sich für verpflichtende Praktika an den Schulen aus und erwartet sich von den Betrieben innovative Arbeitsplatzkonzepte, um die Ausbildung noch attraktiver zu machen: „Die Jugend will flexibler sein als bisher“, erklärt Purkhardt. Der amtierende SPD-Landtagsabgeordnete Güll versprach, sich für praktische Lösungen einzusetzen, damit an den Gymnasien mehr Berufsorientierung stattfindet. „Eine halbe Wochenstunde ist zu wenig“, so Güll. Für AfD-Mann Steier liegt das knappe Angebot an Fachkräften hingegen am demografischen Wandel.

Im zweiten Themenblock diskutierten die Unternehmer mit den Politikern über Mobilität und Verkehr. Auf das Stauproblem der A8 angesprochen, weist CSU-Landtagsabgeordneter Seidenath auf den Allacher Tunnel als Nadelöhr hin. Dieser müsse erweitert werden. Priorität sei gleichzeitig, den ÖPNV für Pendler attraktiver zu machen. „Der künftige Schnellbus zwischen Dasing und Pasing kann Erfolgsmodell im Münchner Westen werden“, ist Seidenath überzeugt.

Der Vorschlag eines Lkw-Überholverbotes auf der A8 von Omnibus-Unternehmerin Katharina Merk lehnt Frank Sommerfeld von der FDP ab, findet aber bei den Freien Wählern Anklang. Angesichts fehlender Fortschritte wie beispielsweise fehlender U-Bahn-Verlängerungen hält SPD-Mann Güll die aktuelle Verkehrspolitik für zu „mutlos“: „Wir müssen groß denken“, so sein Appell.

Angesichts der langjährigen Debatte rund um die die Nord-Ost-Umfahrung Dachaus wollte Ausschuss-Vorsitzender Werner Mooseder von den Kandidaten wissen, ob Sie im Sinne einer schnelleren Umsetzung zu Abstrichen bei Umweltschutz oder den Eigentumsrechten bereit sind. Seidenath betont, dass der bürokratische Aufwand abgebaut werden solle. Eine Beschneidung von Eigentum und Umweltschutz lehnt er ab, ebenso wie Sommerfeld. Während sich Güll nicht auf ein einfaches ja oder nein festlegen will, sprechen sich die Freie Wähler und AfD für solche Einschränkungen aus.

Abschließend stellten die Kandidaten ihre Maßnahmen für die Wohnraumpolitik vor. Einig waren sich meisten Politiker, die Bürokratie am Bau in Form von Auflagen abzubauen sowie grundsätzlich höhere Gebäude zuzulassen. Seidenath kündigte außerdem eine eigene Initiative an, um die laut seinen Angaben 1.800 leerstehenden Wohnungen im Landkreis wieder ihrem Zweck zuzuführen.

Der stellvertretende IHK-Vorsitzende Mooseder war mit dem Austausch zwischen Politik und Wirtschaft sehr zufrieden: „Wir Unternehmen haben großen Anteil daran, dass es Bayern derzeit so gut geht. Gerade vor Wahlen müssen wir uns deshalb intensiv mit den wirtschaftspolitischen Forderungen der Parteien und Kandidaten auseinandersetzen. Unser Landkreis steht im Spannungsfeld des Großraumes München und braucht deshalb konkrete Lösungen, insbesondere bei Wohnen und Mobilität. Dafür müssen sich unsere künftigen Abgeordneten in der nächsten Legislaturperiode einsetzen“.