28.07.2017 - Landkreis München

Digitale Lösungen für die Mobilitätsprobleme im Landkreis

Mit Straßen und Schienen ist der Landkreis sehr gut versorgt. Trotzdem kommt es jeden Werktag zu massiven Staus und Behinderungen – sehr zu Lasten von Unternehmern und Bürgern. Deshalb hat das Thema Mobilität höchste Priorität für den IHK-Regionalausschuss München (Landkreis). Wie man die aktuelle Situation verbessern kann wurde nun bei der Sitzung im gate Garching besprochen, an der auch IHK-Präsident Dr. Eberhard Sasse teilgenommen hat.

IHK-Regionalausschuss plant Big Data Pilotprojekt

Dr. Rene Fassbender leitet innerhalb des Regionalausschusses die Arbeitsgruppe zum Schwerpunkt Mobilität. „Wir wollen im Gremium keine weitere Studie produzieren, sondern ein konkretes Pilotprojekt anstoßen, welches das Potential von Smart Mobility und Big Data nutzt. Im Raum München gibt es viele mögliche Partner mit großer Expertise, mit denen wir dazu zusammenarbeiten können“, erklärt Fassbender, der mit seinem Start-Up OmegaLambda Tec ebenfalls am Garchinger Gründerzentrum angesiedelt ist.

Für Ausschuss-Chef Christoph Leicher besteht kein Zweifel am Handlungsbedarf: „Eine gute Verkehrsanbindung ist für jeden Betrieb fundamental. Vor allem im Wettbewerb um Fachkräfte ist die eigene Erreichbarkeit entscheidend. Die Gewissheit, regelmäßig im Stau zu stehen und dort wichtige Zeit ohne Gegenleistung zu verlieren, ist für potentielle Mitarbeiter ein Ausschlusskriterium. Viele Betriebe im Landkreis haben die chronische Verkehrsbelastung deshalb längst als große Hürde für ihre Weiterentwicklung erkannt“. Diese Meinung teilt auch Garchings Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD): „Mobilität ist mittlerweile ein wachstumsbegrenzender Faktor für unsere Stadt geworden. Wir brauchen dringend innovative Ansätze. Wie bisher einfach auf den Neubau von Straßen zu setzen, ist keine Lösung“.

Im Sinne einer pragmatischen und zeitnahen Umsetzung des Pilotprojekts bietet sich laut Fassbender die Installation einer Pilot-Sensor-Infrastruktur an. „Damit wird die Verkehrssituation an einer Staustelle in Echtzeit gemessen. Anhand einer entsprechenden Analyse können dann zeitgleich Prognosen und Handlungsempfehlungen für die Verkehrsteilnehmer kommuniziert werden“, erklärt der Gründer. Im nächsten Schritt identifiziert die IHK-Arbeitsgruppe eine geeignete Problemstelle im Landkreis und will mit der betroffenen Kommune über eine Zusammenarbeit sprechen. Leicher ist zuversichtlich: „An potentiellen Standorten für unser Projekt mangelt es in der Region schließlich nicht“.

Im zweiten Teil der Sitzung sprachen die anwesenden Unternehmer mit IHK-Präsident Sasse über ihre aktuellen Herausforderungen. Besonders intensiv wurde dabei über die Schwierigkeit diskutiert, Start-Ups in der Gründungs- und Wachstumsphase zu finanzieren. „Die IHK kümmert sich sehr um Existenzgründer und Start-Ups, weshalb in der jüngsten Vollversammlung ein eigenes Positionspapier zur Finanzierungsproblematik verabschiedet worden ist“, erklärt Sasse dazu. „Anders als im angelsächsischen Raum“, so der Münchner Unternehmer, „setzen Investoren in Deutschland außerdem immer noch zu wenig auf junge Unternehmen“.

Ein weiteres Thema, welches die Ausschuss-Mitglieder bewegt, ist die Anpassung der Ausbildungsberufe an den digitalen Wandel. Vom IHK-Präsidenten erhalten sie starke Rückendeckung: „Wirtschaft und Gesellschaft befinden sich in einer Zeitenwende. Die Digitalisierung verpflichtet uns alle, schneller als bisher auch die Inhalte der dualen Berufsausbildung an die neuen Möglichkeiten anzupassen“.

Vor der Sitzung führte gate Garching Geschäftsführer Christian Heckemann durch das Gründerzentrum. Die Unternehmer nutzten dabei auch die Möglichkeit zum Austausch mit den Start-Ups MITOS (innovative Röntgenanalysen und Software) und Viscopic (mixed Reality Lösungen für industrielle Anwendungen).