04.11.2019 - Altötting-Mühldorf

IHK-Konjunkturumfrage: Wirtschaftlicher Abschwung verfestigt sich ‎

Die Stimmung der in den Landkreisen Altötting und Mühldorf ansässigen Unternehmen hat sich weiter eingetrübt, so die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK für München und Oberbayern. Nur noch knapp die Hälfte der befragten Betriebe (47 Prozent) beschreibt ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“. Fast jedes zehnte Unternehmen (neun Prozent) äußert sich unzufrieden über seine Lage. Der Saldo aus positiven und negativen Lageurteilen fällt damit von 53 Punkten auf 38 Punkte. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der regionalen Auswertung.

Obermeier-Osl: „Politik muss mit klugen Maßnahmen auf konjunkturelle Alarmsignale reagieren“ ‎

Mit einer schnellen Rückkehr zu höherem Wachstum rechnen die Unternehmen nicht. Per Saldo fallen ihre Geschäftserwartungen von +4 auf -15 Punkte. Jedes vierte Unternehmen (zuvor 11 Prozent) rechnet mit einer wirtschaftlichen Eintrübung in den kommenden zwölf Monaten, nur noch jedes zehnte mit Wachstum. Die Unternehmen sind damit deutlich skeptischer, als es bayernweit der Fall ist (Saldo -5 Punkte). Das ist auf die Bedeutung der exportorientierten verarbeitenden Industrie für die Region Inn-Salzach zurückzuführen. In dieser Branche ist die Stimmung besonders schlecht.

Die schwachen Aussichten wirken sich auch auf die Personalplanungen der Unternehmen aus: Per Saldo fallen die Beschäftigungspläne von zehn Punkten im Frühjahr auf nun -1 Punkt. Zwölf Prozent der Betriebe möchten Stellen aufbauen, 13 Prozent hingegen reduzieren. Damit läuft der Beschäftigungsaufbau in der Region aus. Auch die Dynamik bei den Investitionen lässt massiv nach. Die Investitionspläne der Unternehmen fallen per Saldo von 13 Punkten auf -5 Punkte. Der Anteil der Unternehmen, die weniger investieren wollen, ist von acht Prozent auf 28 Prozent kräftig angestiegen.

Auch in den Risikobewertungen der Unternehmen widerspiegelt sich die Verunsiche­rung der Unternehmen. Die Sorgen vor einer sinkenden Inlandsnachfrage steigen von 36 Prozent auf 58 Prozent sprunghaft an. Damit ist es das am häufigsten genannte Geschäftsrisiko. Auch die Sorgen um eine nachlassende Nachfrage aus dem Ausland wachsen. Dem gegenüber verliert das (Wachstums-)Risiko „Fachkräfte­mangel“ vergleichsweise an Bedeutung: Nur noch etwa die Hälfte der Unternehmen (52 Pro­zent) erkennt hierin ein entscheidendes Geschäftsrisiko, zuletzt waren es 57 Prozent.

„Die Politik muss jetzt dringend mit klugen Maßnahmen auf diese konjunkturellen Alarmsignale reagieren“, fordert Ingrid Obermeier-Osl, Vorsitzende des IHK-Regional­ausschusses Altötting-Mühldorf. „Das A und O sind Investitionsanreize. Dazu zählen zuallererst bessere Abschreibungsregelungen, niedrigere Strompreise und auch mehr staatliche Unterstützung, wenn es um die Förderung der Digitalisierung in den Unternehmen geht. Wir brauchen aber auch dringend flexiblere Arbeitszeitregelungen“, erläutert die Unternehmerin. Um die Standortbedingungen insgesamt zu verbessern, mahnt Obermeier-Osl außerdem eine niedrigere Besteuerung der Unternehmen an. „Als Höchststeuerland ist Deutschland auf dem besten Wege, sich mittelfristig ins Abseits zu manövrieren“, so die Vorsitzende. „Es ist daher dringend geboten, den Steuersatz für einbehaltene Gewinne endlich von aktuell über 30 Prozent auf das international übliche Niveau von 25 Prozent zu senken. Das wird den Unternehmen zusätzlichen finanziellen Spielraum für Investitionen verschaffen“, ist sich Obermeier-Osl sicher.