24.01.2019 - Altötting-Mühldorf

IHK wirft den Blick in die Arbeitswelt von morgen

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Beim Talk zum 175-jährigen Jubiläum der IHK für München und Oberbayern auf Schloss Tüßling stand die Zukunft der Arbeit mit Mittelpunkt. „Gibt es den eigenen Job in zehn Jahre noch?“, fragte Moderator Leonhard Nima gleich zu Beginn. Die über 200 anwesenden Unternehmerinnen zeigten sich optimistisch, wenn auch nicht einstimmig.

Expertentalk zum 175-Jahr-Jubiläum in Tüßling

Für IHK-Vizepräsidentin Ingrid Obermeier-Osl besteht die größte Herausforderung, die richtigen Mitarbeiter zu finden. „Die fachliche Qualifikation ist nicht alles. Wir brauchen Mitarbeiter, die bereit sind, Veränderungen mitzumachen und ihre Fertigkeiten sowie ihr Wissen ständig zu erweitern. Genauso müssen wir als Unternehmer offen für den anstehenden digitalen Transformationsprozess sein“, so Obermeier-Osl.

Einen eigenwilligen Ansatz verfolgt Günter Dillig, Geschäftsführer des Online-Stellenportals Jobroller aus Straubing. Seine Mitarbeiter arbeiten meist nur 30 Stunde pro Woche, werden aber für 40 Stunden bezahlt. „Die Prioritäten der Arbeitnehmer haben sich verändert. Nicht mehr das Gehalt steht ganz oben, sondern Freizeit, Gesundheit und Familie“, so Dillig. Seine Mitarbeiter seien nach der Umstellung ausgeglichener und loyaler, ebenso seien die Produktivität und der Umsatz gewachsen – trotz weniger Arbeitsstunden. Eine Patentlösung für andere Unternehmen sei seine Lösung aber nicht, warnt der Unternehmer aus Niederbayern.

Deepa Gautam-Nigge vom Softwareunternehmen SAP betont die große Chance, die technische Innovationen der betrieblichen Organisationen bieten. „Die Digitalisierung treibt die Entwicklung von industriegeführten hin zu innovationsorientierten Arbeits- und Organisationsformen voran. Der Vorteil: Damit rückt der Einzelne mit seinen individuellen Fähigkeiten in den Mittelpunkt“, ist Gautam-Nigge überzeugt.

Wie man im Silicon Valley über die Zukunft der Arbeit denkt, erklärte Ryan Nadeau, Projektentwickler beim kalifornischen Unternehmen Galvanize. Für ihn liegt die Herausforderung bei der Künstlichen Intelligenz. Die Wirtschaft müsse jetzt anfangen und sie müsse dies mutig tun. Daten seien das "Gold" der Unternehmen: Wer sich vor fünf Jahren in Datenwissenschaft und Maschinenlernen eingearbeitet hätte, könne bis 2021 eine Ertragssteigerung um 39 Prozent erwarten.

Kritisch Punkt ist, dass viele Projekte mit Bezug zur Künstlichen Intelligenz zwar geplant, aber nicht umgesetzt werden. Nadeau empfiehlt den Unternehmen, sofort anzufangen, mit dem Ziel, eine Kultur zu entwickeln, die sich beständig auf Daten stütze und diese nutze. Zugleich machte er den Unternehmen Mut: „Alles, was Sie bisher getan haben, ist wichtig und unersetzlich. Sie müssen jetzt damit anfangen zu prüfen, welche Daten sie haben und die richtigen Fragen zu stellen“. Die Aufgabe des Managements formulierte er deutlich: „Es ist Ihre Aufgabe zu verstehen, wie bedeutend dieser Prozess im Unternehmen ist, die richtigen Fragen zu stellen und die richtigen Leute einzustellen."