15.03.2018 - Altötting-Mühldorf

Obermeier-Osl: „Mehr Schienenverkehr darf kein Lippenbekenntnis bleiben“‎

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Einmal mehr hat sich der IHK-Regionalausschuss Altötting-Mühldorf in seiner jüngsten Sitzung bei der Südostbayernbahn für den Ausbau der regionalen Schieneninfrastruktur ausgesprochen. Konkret fordern die Unternehmerinnen und Unternehmer, dass die Ausbaustrecke 38 (ABS 38) durchgängig zweigleisig und elektrifiziert wird sowie über die Walpertskirchener Spange und den Erdinger Ringschluss an den Flughafen München angebunden wird. Zudem pocht die Wirtschaft auf die Elektrifizierung der Strecke von Tüßling nach Burghausen und eine Ertüchtigung, um eine höhere Achslast und längere Güterzüge zu ermöglichen.

IHK-Regionalausschuss fordert Ausbau der ABS 38 und Anbindung an den Flughafen München‎

„Die Politik spricht seit Jahren, dass endlich mehr Personen und Güter auf der Schiene transportiert werden sollen. Als Wirtschaft machen wir seit Jahren Druck, dass diese Forderung nicht nur ein bloßes Lippenbekenntnis bleibt, sondern in die Tat umgesetzt wird. Aktuell sind die politischen Rahmenbedingungen sehr gut, um die Kapazitäten und Anbindungen von Südostoberbayern zu verbessern“, erklärt Ingrid Obermeier-Osl, IHK-Vizepräsidentin und Vorsitzende des Regionalausschusses.

Klaus-Peter Zellmer, Projektleiter für die ABS 38 bei der DB Netz, bestätigt diese Einschätzung: „Sowohl der politische Wille als auch das Geld ist da, um das Projekt zu realisieren.“ Vorrangiges Ziel ist der zweigleisige Ausbau zwischen Markt Schwaben und Ampfing und eine durchgängige Elektrifizierung. Für den ersten Planungsabschnitt bis Ampfing kann das Planfeststellungsverfahren im kommenden Jahr starten. Bereits im Herbst soll die frühzeitige Bürgerbeteiligung erfolgen. „Dann liegt der Bahnausbau in der Hand der Bürger“, so Zellmer. Die Gemeinden würden das Projekt aber mittlerweile sehr ernst nehmen und sich konstruktiv daran beteiligen. Zellmer ist überzeugt: „Im Dialog mit Bürgern und Kommunen kann man viele Fragen und Zweifel beseitigen“.

Weiterhin offen ist hingegen, ob auch die Strecke zwischen Tüßling und Freilassing ein zweites Gleis erhält. Die wichtige Entscheidung durch den Bund wird in diesem Jahr erwartet. „Wir sind guten Mutes“, erklärt der Projektleiter.

Wie wichtig eine solche Ertüchtigung für die regionale Wirtschaft und insbesondere für das Chemiedreieck ist, erläuterte Georg Häckl, Sprecher des ChemDelta Bavaria. In den letzten zehn Jahren hat die transportierte Gütermenge der 25 Unternehmen im Chemiecluster um 38 Prozent zugelegt. 2017 betrug das Transportvolumen insgesamt acht Millionen Tonnen, die Hälfte davon über die Schiene. Bis 2030 sollen bereits fast sechs Millionen Tonnen mit dem Zug bewegt werden. Die schleppende Fertigstellung der ABS 38 sei deshalb „[…] eine unzufriedene Angelegenheit“, so Häckl.

Mit der Inbetriebnahme des Containerterminals Burghausen 2015 hat der Ausbau der ABS 38 weiter an Bedeutung gewonnen. Der Containertransport auf der Schiene kann nun bereits in Burghausen beginnen und nicht erst in Riem. Der Umweg über den Knoten München könnte also noch öfter als bisher entfallen – wenn die Strecke bis Freilassing ein zweites Gleis erhält.

Neben dem Gütertransport spielt auch der Personenverkehr auf der Strecke eine große Rolle, wie Christian Kubasch, Geschäftsführer der Südostbayernbahn, erläutert. In der Region zwischen München, Landshut, Passau, Salzburg und Rosenheim transportiert sein Unternehmen auf dem 550 Kilometer langen Streckennetz täglich rund 34.500 Fahrgäste. Höhepunkt im vergangenen Jahre war die Einweihung des zweigleisigen Abschnittes zwischen Mühldorf und Tüßling. „Schneller als geplant und voll im Kostenrahmen“, betont Kubasch. Auch in diesem Jahr will die Bahn einige Infrastrukturmaßnahmen realisieren und dabei unter anderem die Station Marktl umbauen. Das Qualitätsversprechen werde bei der Südostbayernbahn eingehalten, ist Kubasch überzeugt: „Unsere Kundenzufriedenheit liegt bei 80,5 Prozent – auf diesen Wert sind wir stolz.“

IHK-Geschäftsstellenleiter Herbert Prost gab einen kurzen Überblick zur Arbeit in den Arbeitskreisen. Unter anderem hat der Arbeitskreis Flüchtlinge Unternehmen aus der Region über ihre bisherige Praxiserfahrung mit der Beschäftigung von Geflüchteten befragt. Mit Hilfe dieser Erkenntnisse sollen Betriebe, Helferkreise und Behörden in der Integration unterstützt werden. Wie Prost erklärt, haben im Februar rund 50 Flüchtlinge in beiden Landkreisen ihre schulische Ausbildung in den Berufsintegrationsklassen beendet. Der Arbeitskreis Kultur- und Kreativwirtschaft beschäftigt sich aktuell mit der Frage, ob eine Online-Plattform zur grenzübergreifenden Vernetzung und Darstellung für Betriebe zusammen sinnvoll und umsetzbar ist.