30.03.2017 - Eichstätt - Ingolstadt - Neuburg-Schrobenhausen - Pfaffenhofen

Fachkräftemangel bremst regionale Wirtschaft ‎

Warenlager in der Industrie // Industry Depot

Die Fachkräftelücke in der Wirtschaft der Region Ingolstadt bleibt weiterhin groß. Insgesamt werden in der Stadt Ingolstadt und den Landkreisen Eichstätt, Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen bis Ende des Jahres über alle Berufsgruppen hinweg etwa 10.000 Fachkräfte fehlen. Aufgrund dieses Eng­passes können rund 5,4 Prozent aller in der Region angebotenen Arbeitsplätze für Fachkräfte nicht besetzt werden. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Auswer­tung des IHK-Fachkräftemonitors Bayern. Gesucht werden dabei zu mehr als 85 Prozent beruflich qualifizierte Mitarbeiter. Ganz oben auf der Wunschliste der Betriebe stehen CAD-Konstrukteure, Industriemeister in der Mess- und Prüftechnik sowie REFA-Techniker. Hier kann jede siebte Stelle nicht besetzt werden. Bei den Akademikern fehlen vor allem Maschinenbauingenieure. Mit 175.000 Fachkräften sind derzeit etwa zehn Prozent des Fachkräfteangebots von Oberbayern in der Region Ingolstadt angesiedelt.

Engpass verursacht volkswirtschaftliche Verluste in Milliardenhöhe

„Der Fachkräftemangel bremst die bayerische Wirtschaft massiv. Betriebe müssen Aufträge verschieben oder ablehnen, weil die Kapazitäten nicht vorhanden sind. So entgeht Oberbayern eine Wirtschaftsleistung von schätzungsweise 7,6 Milliarden Euro in diesem Jahr, in ganz Bayern sind es 17 Milliarden“, sagt Fritz Peters, Sprecher des IHK-Forums Region Ingolstadt. „Der Fachkräftemangel ist aktuell das größte Problem der regionalen Wirtschaft. 54 Prozent der Betriebe bezeichneten ihn in der IHK-Konjunkturumfrage vom Jahresanfang als Geschäftsrisiko“, so Peters weiter.

Im bayernweiten Vergleich ist Oberbayern am meisten vom Personalengpass betroffen. Hier fehlen in absoluten Zahlen 89.000 Fachkräfte. Das sind fast 40 Prozent des bayerischen Defizits von 227.000 Fachkräften. Neben der Region 10 stellt sich die Situation ähnlich schwierig im Großraum München dar. Hier fehlen aktuell etwa 60.000 Fachkräfte. Damit liegt die Fachkräftelücke bei 5,2 Prozent. Bis 2030 wird diese in der Region Ingolstadt auf 17.000 anwachsen. In ganz Ober­bayern wird sie dann 155.000 betragen.

„Viele Branchen leiden darunter, dass die Nachwuchskräfte an den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts vorbei ein Studium und akademische Abschlüsse anstreben“, bemängelt Peters. „Dabei seien Meister und Fachwirte wegen ihrer großen Praxiserfahrung viel gesuchter und hätten oftmals bessere Karriere- und Verdienst­aussichten als Akademiker“, so der Sprecher des Forums. Peters fordert auch mehr Frauen als Fach- und Führungskräfte, um den Personalengpass in der Wirtschaft zu lindern. Außerdem setzt sich die IHK angesichts des Fachkräftemangels für ein besseres Image der beruflichen Ausbildung, mehr Zuwanderung und flexiblere Renteneintritte ein. Den Vorschlägen für ein verlängertes Arbeitslosengeld zur Qualifizierung erklärt die IHK für München und Oberbayern hingegen eine klare Absage: „Das ALG-Q wäre als riesige Weiterbildungsbrücke in die Rente der neuerliche Beginn eines Fachkräfte-Aderlasses. Die ‚Rente mit 63‘ hat dem Arbeitsmarkt deutschlandweit bereits Hunderttausende dringend benötigter Fachkräfte vorzeitig entzogen“, sagt Peters.

Informationen zum IHK-Fachkräftemonitor Bayern

Die bayerischen IHKs haben 2011 gemeinsam mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR GmbH den IHK-Fachkräftemonitor Bayern entwickelt. Er wird jährlich aktualisiert und ermittelt, wie sich Angebot und Nachfrage bis zum Jahr 2030 entwickeln, welche Berufe und Qualifikationen gefragt sind und welche Regionen vom Fachkräftemangel besonders betroffen sind. Auch Aussagen zur Entwicklung des ‎Durchschnittsalters und zum Geschlecht der zur Verfügung ‎stehenden Fachkräfte in den einzelnen Berufsgruppen können getroffen werden. Der Fachkräftemonitor ist über www.ihk-fachkraeftemonitor-bayern.de abrufbar.