21.02.2017 - Ingolstadt

Berufsausbildung braucht stärkeres Lobbying ‎

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© IHK

Das Image der Berufsausbildung stärken und damit dem Fachkräftemangel die Stirn bieten – das sind erklärte Arbeitsschwerpunkte des IHK-Regionalausschusses Ingolstadt. „Die duale Ausbildung ist und bleibt der Grundpfeiler unseres Wohlstands“, mit diesen Worten eröffnete Fritz Peters, Vorsitzender der Regionalvertretung, die Arbeitssitzung. Im intensiven Austausch berieten die Unternehmer, wie sie Schüler und Eltern besser erreichen können, wenn es um die Berufsorientierung der Jugendlichen geht. „Unternehmen müssen bei der Azubisuche zunehmend kreativer werden“, so Peters. Das stellten auch Sabine Fanderl von Edeka Fanderl und Tanja Rottler von der Sparkasse Ingolstadt Eichstätt mit ihren Beiträgen unter Beweis.

Peters: „Eine Boomregion wie Ingolstadt muss auf Fachkräftenachwuchs zählen können“‎

Die einhellige Meinung der Sitzungsteilnehmer lautete: „Dem Akademisierungs­wahn ist dringend Einhalt zu gebieten.“ „Gemeinsam müssen wir vor allem die Eltern zurück ins Boot holen. Ihnen müssen wir zeigen, dass eine berufliche Ausbildung attraktiv ist und den Grundstein für eine erfolgreiche berufliche Karriere legt. Die Politik hat lange genug die falschen Signale ausgesendet“, fasste Peters die Diskussion zusammen.

Eine Möglichkeit für gelungene Berufsorientierung stellte Katharina Schnurer von der BIHK Service GmbH vor. Mit der Initiative „IHK-AusbildungsScouts“ will der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) bis 2018 rund 100.000 Schüler im Freistaat über die Vielfalt der Lehrberufe und die guten Karrierechancen nach einer Ausbildung informieren. In der Region Ingolstadt sind aktuell 45 Scouts aus 41 Unternehmen aktiv. „Sie stellen 31 Berufe vor und haben bis dato 39 Klassen an 17 Schulen besucht“, so Schnurer. Gerade für kleinere Mittelständler können die Scouts, die als Botschafter ihrer Ausbildungsbetriebe an den Schulen unterwegs ist, kräftig die Werbetrommel rühren.“

Eine weitere Zielgruppe für die Berufsausbildung stellte Thomas Englhart von der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) vor. Er berät unter anderem an der Technischen Hochschule Ingolstadt junge Menschen, die sich mit dem Gedanken tragen, ihr Studium abzubrechen. Ihm geht es in seinen Gesprächen darum zu prüfen, ob für diese Studenten eine Berufsausbildung eine Alternative sein kann und stellt auf Wunsch den Kontakt zu Unternehmen her. „Wir haben inzwischen unter den Studierenden eine Abbrecherquote von über 25 Prozent. Meine Beratungsangebote werden von vielen dankbar angenommen. Die Berufsausbildung ist häufig eine echte Option“, so das Resümee von Englhart.

Hansjörg Brunhuber, IHK-Integrationsberater für die Stadt Ingolstadt, informierte den Ausschuss abschließend zum Thema Integration von Geflüchteten in Ausbildung und Arbeit. Im Mittelpunkt standen rechtliche Rahmenbedingungen und welche Beratungsleistungen das Team der IHK anbietet. Praxisbeispiele rundeten seinen Vortrag ab.

Zu Gast bei Edeka Fanderl

Die Arbeitssitzung des IHK-Regionalausschusses fand bei Edeka Fanderl in der Geisenfelder Straße statt. Der in fünfter Generation geführte Supermarkt mit Filialen in Ingolstadt und Abensberg blickt auf eine über 100-jährige Unterneh­mensgeschichte zurück. Den Grundstein legte 1913 Leonhard Fanderl mit der Eröffnung einer Krämerei in Ingolstadt-Unsernherrn. Heute beschäftig Edeka Fanderl in insgesamt fünf Märkten 276 Mitarbeiter. Unter ihnen sind 25 Auszu­bildende, die sechs verschiedene Berufe erlernen – vom Fachverkäufer, über den Kaufmann für Büromanagement bis hin zum Koch.