11.02.2016 - Pfaffenhofen

Ausbildungsbilanz Pfaffenhofen: "Azubi-Rekrutierung wird für Betriebe zur Herausforderung"

Im Landkreis Pfaffenhofen absolvieren wieder mehr Jugendliche eine Ausbildung: Insgesamt ‎stellten die Betriebe aus Industrie, Handel und ‎Dienstleistung im vergangenen Jahr 380 ‎Auszubildende neu ein, fünf Prozent mehr als im Jahr 2014. Damit koppelt sich der ‎Landkreis deutlich vom oberbayerischen Trend ab. Hier ging die Anzahl der ‎Neu-Verträge um 0,3 Prozent zurück. Dies geht aus der aktuellen ‎Ausbildungsstatistik der IHK für München und Oberbayern für das Jahr 2015 hervor.‎

„Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ist ungebrochen. Doch es wird auch für die Betriebe im Landkreis immer schwieriger, geeignete und genügend Azubis zu rekrutieren“, sagt Fritz Peters, Vorsitzender des IHK-Gremiums Ingolstadt-Pfaffenhofen. Verstärkt ausgebildet wird im Landkreis in den gewerblich-technischen Berufen (plus 23,3 Prozent). Hier konnten insbesondere die Metalltechnik (77 Neu-Verträge/Vorjahr 60) und die Elektrotechnik (59/Vorjahr 49) zulegen. Rückläufig sind dagegen Neuabschlüsse im kaufmännischen Bereich (minus 7,4 Prozent), allen voran im Einzelhandel (47 Neu-Verträge/Vorjahr 77).

„Trotz dieser insgesamt erfreulichen Bilanz ist es höchste Zeit, zu handeln. Ansonsten läuft uns langfristig der Fachkräftemangel aus dem Ruder“, mahnt Peters. Erforderlich seien vor allem gesellschaftliches Umdenken und die Abkehr vom vorherrschenden Akademisierungswahn. „Die duale Ausbildung muss wieder als attraktive und echte Alternative zum Studium wahrgenommen werden“, fordert der Gremiumsvorsitzende. Noch immer würden die Karrierechancen nach der betrieblichen Ausbildung und die ‎Fortbildungsmöglichkeiten über Meisterkurse bis zum Hochschulstudium unterschätzt.‎

‎Zugleich müsse die rasche Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt weiter vorangetrieben werden. „Das von den bayerischen IHKs entwickelte ‚3+2 Modell‘ hat letztendlich ‎bewirkt, dass Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, ‎nicht nur für die ‎Dauer ‎ihrer ‎dreijährigen Ausbildungszeit ein ‎Bleiberecht haben, sondern darüber ‎hinaus auch ‎in ‎den fol‎genden zwei Jahren nicht abgeschoben werden dürfen“, so der IHK-Gremiumsvorsitzende.‎‎ ‎

Derzeit erlernen im Landkreis Pfaffenhofen 52 ausländische Jugendliche einen Ausbildungsberuf bei Industrie-, Handels- oder ‎Dienstleistungsunternehmen. Ihr Anteil an den ‎insgesamt 1.008 ‎Auszubildenden in IHK-Berufen liegt ‎momentan bei 5,2 Prozent. ‎In fünf Berufsintegrationsklassen werden außerdem mehr als 80 ‎jugendliche ‎Asylbewerber auf das Berufsleben vorbereitet. ‎

‎‎Damit die Integration in den Arbeitsmarkt weiter Fahrt aufnimmt, wird die Wirtschaft ‎selbst in Vorleistung gehen‎: Dazu stellen die bayerischen IHKs acht Millionen ‎Euro ‎für ‎berufs- und ‎ausbildungsbegleitende Sprachförderung, den ‎Aufbau ‎von ‎Unterstützungsstrukturen oder ‎die spezifische Fortbildung von Ausbildern ‎für ‎Flüchtlinge ‎zur Verfügung. Dazu hat die IHK einen ersten Leitfaden mit allen wichtigen ‎Informationen ‎rund um die Themen Ausbildung und Beschäftigung von ‎Asylbewerbern ‎zusammengestellt (unter www.muenchen.ihk.de/fluechtlinge). “All ‎diese ‎Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel ‎werden aber erst langfristig greifen“, ‎betont ‎Peters.‎

Insgesamt sind zurzeit 209 IHK-zugehörige Unternehmen im Landkreis Pfaffenhofen in der Ausbildung aktiv und ‎stehen für fast 60 Prozent aller ‎Ausbildungsverhältnisse.