19.02.2016 - Neuburg-Schrobenhausen

Seehofer lobt Wirtschaftskraft der Region

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer war Gast beim IHK-Neujahrsempfang in Schrobenhausen. Ausrichter war das IHK-Gremium Neuburg - Schrobenhausen.

Schrobenhausen – Der diesjährige Neujahrsempfang der IHK-Gremien Neuburg-Schrobenhausen und Eichstätt spannte den Bogen von der Wirtschaft vor Ort bis zur Weltpolitik. IHK-Präsident Eberhard Sasse und Hartmut Beutler, Vorsitzender des IHK-Gremiums Neuburg-Schrobenhausen, forderten mehr Investitionen in Infrastruktur und weniger Bürokratie von der Politik. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) lobte die Wirtschaftskraft der Region, erläuterte die Flüchtlings­politik der Staatsregierung und seine jüngste Reise nach Russland.

Hartmut Beutler erinnerte in seiner Rede vor den 70 Gästen im Konferenzzentrum der Schrobenhausener Bauer AG an die hervorragende wirtschaftliche Lage in der Region. „Unsere Unternehmen sind schon fast zu erfolgreich, wollen zu viele Mitarbeiter einstellen“, spielte der Gremiumsvorsitzende auf den Fachkräftemangel an, der in den vorhergehenden Tagen breit in den Medien der Region diskutiert wurde. Beutler forderte, die Region attraktiver zu machen und mehr Wohnraum zu schaffen, damit Zuzügler den Fachkräftemangel lindern können. Der IHK-Gremiumsvorsitzende rief die Politik auf, nicht nur immerzu zu ernten, sondern auch das Feld zu besorgen und zu düngen. Beutler nannte die umstrittene dritte Startbahn am Münchner Flughafen, die Bayern brauche, um den steigenden Bedarf der nächsten 20 Jahre zu decken. „München darf nicht zu einem Regionalflughafen verkommen“, warnte der IHK-Vertreter. Beutler forderte außerdem umfangreiche Investitionen in das Straßennetz der Region, etwa in die Bundesstraße B300 oder in die Umfahrung Schrobenhausen.

Ministerpräsident Horst Seehofer lobte die Wirtschaftskraft der Region: „Wenn es Deutschland gutgeht, geht es Neuburg-Schrobenhausen und Eichstätt noch ein Stückchen besser. Die Region gehört zum Besten, was wir in Deutschland haben.“ Das sei der Bevölkerung, der Wirtschaft und auch der Tätigkeit der IHK zu verdanken, so Seehofer. Der Ministerpräsident sagte, dass die Flüchtlingskrise die Folge eines Mega-Trends sei, der viel zu wenig Beachtung findet: Das globale Bevölkerungswachstum finde ausschließlich in den Entwicklungsländern statt und führe dort zu einem hohen Auswanderungsdruck. „Deswegen müssen wir Regeln und Systeme für diese Völkerwanderung aufstellen“, bekräftigte Seehofer. Der Ministerpräsident betonte, dass die Integration nur mit einer Begrenzung der Flüchtlingsströme zu schaffen sei. Er sprach sich aber ausdrücklich nicht für eine Abschottung aus, sondern für das richtige Maß und die richtige Geschwindigkeit. Seehofer wies darauf hin, dass der Freistaat die Integration mit 2.000 zusätzlichen Lehrerstellen fördere und im Doppelhaushalt 2015/16 rund 4,5 Milliarden Euro für die Integration ausgebe. Außenpolitisch setzt sich Seehofer für Dialog und Diplomatie ein. Nur so seien die Konflikte lösbar, zum Beispiel mit Russland. Denn die Welt sei heute komplizierter als zu Zeiten des Kalten Kriegs.

Bei der Erbschaftsteuer versprach der Ministerpräsident, dass Bayern keiner Lösung zustimmen werde, die im Erbfall den Bestand der Arbeitsplätze gefährdet. Den Ausbau des Münchner Flughafens kann es laut Seehofer nur durch eine politische Lösung mit der Landeshauptstadt München als Anteilseigner des Flughafens und nach erneuter Bürgerbeteiligung geben.

IHK-Präsident Eberhard Sasse zollte Seehofer großen Respekt für seine Rede: „Das waren ganz klare und nüchterne Ansagen.“ Sasse kritisierte dennoch vehement Neuregelungen wie die Rente mit 63 und den Mindestlohn, der mit exzessiver Bürokratie die mittelständischen Betriebe unter Generalverdacht stelle.

Eduard Liebscher, Vorsitzender des IHK-Gremiums Eichstätt, dankte in seinem Schlusswort den Mitgliedern der beiden IHK-Gremien für ihr ehrenamtliches Engagement. Die IHK-Gremien sind die demokratisch gewählte Vertretung aller Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen. Das IHK-Gremium Neuburg-Schrobenhausen vertritt die Interessen von rund 6.000, das Eichstätter IHK-Gremium von mehr als 7.000 Betrieben aus dem jeweiligen Landkreis.