14.03.2016 - Neuburg-Schrobenhausen

Zukunft stellt Unternehmen vor große Herausforderungen

Digitalisierung, Industrie 4.0, Fachkräftemangel und wachsende Mobilität sind nur ‎einige ‎Herausforderungen, denen sich die Unternehmen stellen müssen. Welche ‎Chancen und ‎Risiken die regionale Wirtschaft darin sieht, darüber sprach das IHK-‎Gremium Neuburg-Schrobenhausen auf seiner Frühjahrsitzung. Außerdem ‎informierte sich das IHK-Gremium über die Fallstricke der Insolvenzanfechtung.‎

‎„Wir stehen vor großen Veränderungen und auch die Anforderungen an die ‎Unternehmen in unserer Region in punkto Mobilität und Flexibilität werden immer ‎größter“, betonte Hartmut Beutler, Vorsitzender des Neuburg-Schrobenhausen zu ‎Beginn der Sitzung. Welchen Herausforderungen sich die oberbayerischen ‎Unternehmen künftig stellen müssen, das zeigte Elke Christian, Leiterin der IHK-‎Geschäftsstelle Ingolstadt, ‎mit der Präsentation der „IHK-Zukunftskarte Oberbayern ‎‎2030“. Die Karte wurde von der IHK München gemeinsam mit rund 500 ‎Unternehmern und Stakeholdern aus allen Regionen Oberbayerns in einem ‎moderierten Dialogprozess entwickelt. Auch in Ingolstadt hatte dazu für die Region ‎ein Workshop stattgefunden. Herausgefiltert wurden dabei die Bereiche „Mobilität“, ‎‎„Arbeit & Bildung“ sowie ‎‎„Digitalisierung“. Sie seien die Zukunftsthemen und ‎würden, die Entwicklung des Wirtschaftsraumes in den kommenden Jahren ‎entscheidend bestimmen. Darüber hinaus, so Christian würden sie künftig in alle ‎Aktivitäten der IHK einfließen.

Industrie 4.0

Vor welche Herausforderungen aber auch neuen Möglichkeiten die Digitalisierung ‎die Unternehmen stellt, dies berichtete Christoph Unterburger, Referent Innovation ‎der IHK München, in seinem Vortrag (hier wird Vortrag verlinkt). Die IHK unterstütze ‎diesen Prozess mit vielfältigen Angeboten wie Beratungen, Vorträgen aber auch ‎Experten-Netzwerken. Ein ganz neues Produkt, so Unterburger sei der IHK-‎Leitfaden„Industrie 4.0“ vor. Dieser erläutert Fachbegriffe, enthält ‎Expertenmeinungen zur weiteren Entwicklung von ‎Industrie 4.0 und er ‎präsentiert ‎Praxisbeispiele sowie viele Links zu Fördermöglichkeiten. Unter www.ihk-‎industrie40‎ könnten die Unternehmen zudem mit wenigen Klicks in einem ‎Selbstcheck herauszufinden, wie gut das eigene Unternehmen bei ‎digitalen ‎Geschäftsprozessen bereits aufgestellt ist.‎

Digitales Gründerzentrum Ingolstadt

Ein weiterer wichtiger Ansatz für die digitale Zukunft der Region 10, so Unterburger, ‎sei der Aufbau eines digitalen Gründerzentrums in Ingolstadt. Gefördert werde das ‎Projekt vom Freistaat Bayern. Der Fokus des neuen Zentrums, das eine enge ‎Bindung zu Hochschule haben werde, solle dabei auf dem Thema Mobilität liegen.‎ ‎

Darüber hinaus gebe es seit das „Virtual Innovation Network (VIN)“ in der Region, ‎berichtete der Innovationsexperte der IHK. Unter Federführung der IHK hätten sich ‎darin 17 Unternehmen aus der Region Ingolstadt zusammengeschlossen, um ‎gemeinsame neue Technologien im Bereich der Virtuellen-Innovation, wie ‎Simulation, Digitalisierung, Visualisierung und Bildung zu entwickeln.

Fallstricke der Insolvenzanfechtung

Zuvor hatte Andrea Nützel, Assessorin und Referentin für Zivilrecht, Handelsrecht ‎und Insolvenzrecht der IHK München, den Mitgliedern des IHK-Gremiums Neuburg-‎Schrobenhausen die Fallstricke und aktuelle Rechtslage der Insolvenzanfechtung ‎erläutert (siehe Präsentation im Downloadbereich). Die Rechtsexpertin der IHK ‎berichtete, dass in den vergangenen Jahren die Zahl der Anfechtungen seitens der ‎Insolvenzverwalter stark zugenommen hat. Daraus entstünden den Unternehmen ‎erhebliche Kosten.

Die derzeitige Insolvenzordnung gebe dem Insolvenzverwalter aufgrund ihrer ‎offenen Wortwahl und der Auslegung der Gerichte die Möglichkeit, Zahlungen des ‎in Insolvenz geratenen Schuldners von seinen Gläubigern zurückholen. Dies, so ‎Nützel, sei bis zu einem Zeitraum von zehn Jahren ab Stellung des ‎Insolvenzantrags möglich. Der Gläubiger müsse dann das erhaltene Geld ‎zurückzahlen, obwohl er seine Leistung vollständig erbracht hat. Das führe im ‎schlimmsten Fall zur Insolvenz des Gläubigers, wenn dieser die Forderungen nicht ‎aus seinem Gewinn oder aus gebildeten Rückstellungen begleichen könne. ‎Insbesondere Zahlungen des Schuldners, die dieser aufgrund einer vereinbarten ‎Ratenzahlung oder Stundungsvereinbarung mit dem Gläubiger an diesen geleistet ‎hat, seien im Visier der Insolvenzverwalter.‎

Nachbesserungen beim Gesetz

Seit dem 29. September 2015 liege nun ein neuer Entwurf der Bundesregierung ‎vor. Sie habe damit, so Nützel, auf die Kritik reagiert und einige Mängel aus dem ‎Referentenentwurf ausgeglichen und darin auch die zentralen Forderungen der ‎IHKs umgesetzt. „Es ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte Nützel. Ziel müsse ‎es sein, dass Ratenzahlungen und Stundungen künftig wieder möglich seien. ‎
Als Schutz vor Anfechtungen rät die IHK unter anderem den Unternehmern, die ‎Bonität der Geschäftspartner laufend zu prüfen, Absicherung durch Bürgschaften, ‎Versicherung und Vollstreckungstitel sowie auf Dokumentation zu verzichten. Die ‎Umsetzung des neuen Gesetzes wird für den Frühsommer erwartet.‎