30.08.2016 - Pfaffenhofen

Bewerberlücke erreicht Rekordniveau

Die Betriebe im Landkreis Pfaffenhofen haben weiterhin große Mühe, genügend Azubis zu finden. Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres am 1. September sind noch 251 Lehrstellen frei. Damit zeichnet sich heuer eine Rekord-Bewerberlücke ab. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Zahl der unbesetzten Stellen noch einmal um über 25 zugelegt, so die aktuelle Statistik der Arbeitsagentur. Da die Unternehmen im Landkreis in diesem Jahr 842 Lehrlinge einstellen wollten, ist vorerst noch fast ein Drittel der Ausbildungsplätze unbesetzt.

Über 250 freie Lehrstellen im Landkreis / Fast ein Drittel der Ausbildungsplätze unbesetzt

Die Zahl der gemeldeten Lehrstellen im Landkreis stieg im Vergleich zum Vorjahr um über fünf Prozent, das entspricht einem Plus von über 40 Stellen. ‎„Angesichts der guten Konjunktur setzen die Betriebe stark auf den eigenen Fachkräftenachwuchs, finden aber zu oft keine passenden Bewerber. Der Bewerbermangel macht dabei vor keiner Branche halt“, ‎sagt Eduard Kastner, Vorsitzender des IHK-Regional­ausschusses Pfaffenhofen.

Insgesamt treten mit Beginn des Ausbildungsjahres 383 Jugendliche eine Lehre bei IHK-zugehörigen Unternehmen im Landkreis Pfaffenhofen an, wie aus einer Zwischenbilanz der IHK für München und Oberbayern mit Stand Ende August hervorgeht. Das Plus von 36 Ausbildungsverträgen bedeutet einen Zuwachs von 10,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor Jahresfrist meldete die IHK einen Zuwachs von 3,9 Prozent. Die Top 5 der IHK-Ausbildungsberufe im Landkreis Pfaffenhofen sind Industriekaufleute, Einzelhandelskaufleute, Elektroniker, Fluggerätmechaniker und Kaufleute für Büromanagement.

Der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses führt den Bewerberengpass auf stagnierende Schulabgängerzahlen sowie den Trend zur Akademisierung zurück. Die Zahl der Absolventen der Mittelschulen (früher Hauptschulen) ist in Oberbayern seit 2005 um 28 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Abiturienten um 56 Prozent.

Um das Image der Ausbildung zu verbessern, fordert Kastner eine bessere Berufs­orientierung an den Schulen: „Schülern und auch ihren Eltern muss besser vermittelt werden, dass eine abgeschlossene Lehre viel mehr Karrierepotenzial bietet als ein abgebrochenes Studium. Gleichzeitig brauchen wir aber auch mehr Förderung von leistungsschwächeren Schülern, um sie gezielt für den Ausbildungsmarkt fit zu machen.“

In einer IHK-Umfrage sagen 72 Prozent derjenigen Betriebe, die Probleme in der Ausbildung haben, dass die unklaren Berufsvorstellungen der Schulabgänger das größte Hindernis seien. Die Unternehmen bieten deswegen mehr Praktikumsplätze an und verbessern ihr Personalmarketing.

Insgesamt gibt es im Landkreis Pfaffenhofen zurzeit 200 IHK-zugehörige Ausbildungsbetriebe, die ‎für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse stehen.