30.08.2016 - Neuburg-Schrobenhausen

‎‎‎Bewerberlücke erreicht Rekordniveau

Die Betriebe im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen haben weiterhin große Mühe, genügend Azubis zu finden. Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres am 1. September sind noch 192 Lehrstellen frei. Damit zeichnet sich heuer eine Rekord-Bewerberlücke ab. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Zahl der unbesetzten Stellen noch einmal um 28 zugelegt, so die aktuelle Statistik der Arbeitsagentur. Da die Unternehmen im Landkreis in diesem Jahr 582 Lehrlinge einstellen wollten, ist vorerst ein Drittel der Ausbildungsplätze unbesetzt.

Über 190 freie Lehrstellen im Landkreis / Ein Drittel der Ausbildungsplätze unbesetzt

Die Zahl der gemeldeten Lehrstellen im Landkreis stieg im Vergleich zum Vorjahr um über fünf Prozent, das entspricht einem Plus von 28 Stellen. ‎„Angesichts der guten Konjunktur setzen die Betriebe stark auf den eigenen Fachkräftenachwuchs, finden aber zu oft keine passenden Bewerber. Der Bewerbermangel macht dabei vor keiner Branche halt“, ‎sagt Hartmut Beutler, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Neuburg-Schrobenhausen.

Insgesamt treten mit Beginn des Ausbildungsjahres 280 Jugendliche eine Lehre bei IHK-zugehörigen Unternehmen im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen an, wie aus einer Zwischenbilanz der IHK für München und Oberbayern mit Stand Ende August hervorgeht. Das Plus von 17 Ausbildungsverträgen bedeutet einen Zuwachs von
6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor Jahresfrist meldete die IHK einen Zuwachs von 6,9 Prozent. Die Top 5 der IHK-Ausbildungsberufe im Landkreis sind Industriemechaniker, Kaufleute für Büromanagement, Industriekaufleute, Einzelhandelskaufleute und Verkäufer.

Der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses führt den Bewerberengpass auf stagnierende Schulabgängerzahlen sowie den Trend zur Akademisierung zurück. Die Zahl der Absolventen der Mittelschulen (früher Hauptschulen) ist in Oberbayern seit 2005 um 28 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Abiturienten um 56 Prozent.

Um das Image der Ausbildung zu verbessern, fordert Beutler eine bessere Berufs­orientierung an den Schulen: „Schülern und auch ihren Eltern muss besser vermittelt werden, dass eine abgeschlossene Lehre viel mehr Karrierepotenzial bietet als ein abgebrochenes Studium. Schüler und Eltern sollen mit Recht darauf stolz sein können, wenn sie sich für eine Ausbildung und damit für eine solide Zukunftsperspektive entscheiden.“

In einer IHK-Umfrage sagen 72 Prozent derjenigen Betriebe, die Probleme in der Ausbildung haben, dass die unklaren Berufsvorstellungen der Schulabgänger das größte Hindernis seien. Die Unternehmen bieten deswegen mehr Praktikumsplätze an und verbessern ihr Personalmarketing.

Insgesamt gibt es im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen zurzeit 182 IHK-zugehö­rige Ausbildungsbetriebe, die ‎für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse stehen.