30.08.2016 - Eichstätt

‎‎‎Bewerberlücke bleibt auf Rekordniveau

Die Betriebe im Landkreis Eichstätt haben auch dieses Jahr große Mühe, genügend Azubis zu finden. Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres am 1. Septem­ber sind noch 345 Lehrstellen frei, so die aktuelle Statistik der Arbeitsagentur. Damit bewegt sich auch heuer die Bewerberlücke auf Rekordniveau. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl an unbesetzten Stellen nahezu gleich geblieben. Damals wurden 343 freie Stellen gemeldet. Da die Unternehmen im Landkreis in diesem Jahr 979 Lehrlinge einstellen wollten, sind vorerst noch über ein Drittel der Ausbildungs­plätze unbesetzt. Die Zahl der gemeldeten Lehrstellen im Landkreis stieg im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 Prozent, das entspricht einem Plus von 15 Stellen.

Über 340 freie Lehrstellen im Landkreis / Über ein Drittel der Ausbildungsplätze unbesetzt

‎„Angesichts der guten Konjunktur setzen die Betriebe stark auf den eigenen Fachkräftenachwuchs, finden aber zu oft keine passenden Bewerber. Der Bewerbermangel macht dabei vor keiner Branche halt, trifft aber ganz besonders auch die kleinen Unternehmen“, ‎sagt Emmeran Hollweck, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Eichstätt.

Insgesamt treten mit Beginn des Ausbildungsjahres 358 Jugendliche eine Lehre bei IHK-zugehörigen Unternehmen im Landkreis an, wie aus einer Zwischenbilanz der IHK für München und Oberbayern mit Stand Ende August hervorgeht. Der Zuwachs von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht einem Plus von 17 Ausbildungs­verträgen. Vor Jahresfrist meldete die IHK bei den Verträgen ein Plus von
10,7 Prozent.

Die Top 5 der IHK-Ausbildungsberufe im Landkreis Eichstätt sind heuer Technische Produktdesigner, Kaufleute für Büromanagement, Kaufleute für den Groß- und Außenhandel, Einzelhandelskaufleute und Industriekaufleute.

Der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses führt den Bewerberengpass auf stagnierende Schulabgängerzahlen sowie den Trend zur Akademisierung zurück. Die Zahl der Absolventen der Mittelschulen (früher Hauptschulen) ist in Oberbayern seit 2005 um 28 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Abiturienten um 56 Prozent.

Der Wert einer Ausbildung muss viel stärker herausgestellt werden, fordert Hollweck. Um das zu erreichen, ist auch an den Schulen eine bessere Berufsorientierung notwendig: „Schülern und auch ihren Eltern muss besser vermittelt werden, dass eine abgeschlossene Lehre deutlich mehr Karrierepotenzial bietet als ein abgebrochenes Studium. Schüler und Eltern sollen mit Recht darauf stolz sein können, wenn sie sich für eine Ausbildung und damit für eine solide Zukunftsperspektive entscheiden.“

In einer IHK-Umfrage sagen 72 Prozent derjenigen Betriebe, die Probleme in der Ausbildung haben, dass die unklaren Berufsvorstellungen der Schulabgänger das größte Hindernis seien. Die Unternehmen bieten deswegen mehr Praktikumsplätze an und verbessern ihr Personalmarketing.

Insgesamt gibt es im Landkreis Eichstädt zurzeit 208 IHK-zugehörige Ausbildungs­betriebe, die ‎für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse stehen.