20.11.2018 - Eichstätt

Vollbeschäftigung fordert die Unternehmen bei der Mitarbeitersuche heraus ‎

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Mit 12.000 fehlenden Fachkräften gehört die Region Ingolstadt laut IHK-Fachkräftemonitor zu den bayernweiten Brennpunkten beim Fachkräfte­mangel. Dass beruflich qualifizierte Mitarbeiter quer durch alle Branchen immer mehr zur Mangelware werden, das bestätigten einhellig die Mitglieder des
IHK-Regionalausschusses Eichstätt auf ihrer jüngster Sitzung. Vorsitzender Alexander Kessel beklagte: „Der Fachkräftemangel bremst die Unternehmen in ihrer Weiterentwicklung und damit auch im Wettbewerb. Allein in diesem Jahr entsteht unserer regionalen Wirtschaft dadurch ein volkswirtschaft­licher Verlust von über einer Milliarde Euro.“

Kessel: „In die Mitarbeiterbindung noch vor dem ersten Arbeitstag zu investieren, zahlt sich aus“‎

„Die fortschreitende Digitalisierung in vielen Arbeitsbereichen lindert dabei den Fachkräftemangel nicht direkt“, erläuterte Sebastian John, Fachkräfte-Referent bei der IHK für München und Oberbayern. John stellte die Ergebnisse einer aktuellen IHK-Studie über die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt bis 2030 vor, die das Münchner ifo Institut durchgeführt hatte. Der Strukturwandel am Arbeitsmarkt werde laut Studie durch die Digitalisierung beschleunigt und betreffe alle Berufsgruppen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. John beleuchtete weiterhin das Potenzial, das sich die heimische Wirtschaft über ausländische Fachkräfte erschließen kann, insbesondere wenn das geplante Fachkräftezuwanderungsgesetz in Kraft tritt.

Wie ein mittelständisches Unternehmen seine Personalpolitik gestaltet, darüber berichtete Stefan Renz, Personalleiter der Kessel AG: „Das starke Unterneh­menswachstum der vergangenen Jahre hat uns in Sachen Personal besonders herausgefordert und fordert auch weiter heraus. So sind wir seit 2015 jedes Jahr um etwa 34 Kolleginnen und Kollegen gewachsen.“ Die duale Berufs­ausbildung habe sich dabei seit Jahrzehnten als wichtige Säule in der Fachkräftesicherung bewährt, so Renz weiter. „Insgesamt hat unser Betrieb in den vergangenen zehn Jahren 129 Azubis ausgebildet, von denen nach wie vor 95 im Unternehmen tätig sind“, berichtete der Personalleiter. Große Bedeutung habe laut IHK-Aus­schussvorsitzendem Alexander Kessel die Stärkung der Mitarbeiterbindung. „Die Maßnahmen hierfür müssen greifen, sobald der Arbeitsvertrag unterschrieben ist“, ergänzte Personaler Renz. Er stellte Beispiele vor, wie sich das Personal­team von Kessel noch vor dem ersten Arbeitstag auf neue Kolleginnen und Kollegen einstellt und später während deren Einarbeitungszeit um sie kümmert. „Bei langen Kündigungsfristen ist es wichtig, den Kontakt auch nach der Vertragsunterzeichnung nicht ruhen zu lassen und regelmäßig dem künftigen Mitarbeiter zu signalisieren, dass er bereits Teil der Unternehmensfamilie ist und wir uns auf ihn freuen“, so Renz.

In der anschließenden Diskussion tauschten sich die Unternehmer über ihre Erfahrungen bei der Personalgewinnung und der Suche nach Auszubildenden aus, welche Kanäle sie dafür nutzen und wie sie versuchen, die eigene Arbeit­gebermarke zu stärken.