05.02.2018 - Pfaffenhofen

Unternehmer diskutieren über Zukunft der Pfaffenhofener Innenstadt ‎

© IHK

Wie soll der Verkehr künftig durch Pfaffenhofens Innenstadt fließen? Was bedeuten die von Bürgermeister Thomas Herker (SPD) und Stadtrat geplanten Veränderungen für den lokalen Einzelhandel? Viele Fragen zur Zukunft des Pfaffenhofener Stadtzentrums standen auf der jüngsten Arbeitssitzung des IHK-Regionalausschusses Pfaffenhofen zur Diskussion. Aufgrund der Brisanz des Themas für den örtlichen Einzelhandel hatte Eduard Kastner, Vorsitzender des Ausschusses, ins Pfaffenhofener Rathaus eingeladen.

Kastner: „Veränderungen brauchen Fingerspitzengefühl“‎

Bürgermeister Herker beleuchtete zunächst die sehr gute wirtschaftliche Lage der Stadt, die sich auch in den kontinuierlich wachsenden Gewerbesteuereinnahmen widerspiegelt. Ein erfolgreicher und attraktiver Standort sei aber zwangsweise, so Herker, auch eng mit einem steigenden Verkehrsaufkommen konfrontiert. Für eine Stadt wie Pfaffenhofen, die eine hohe Verkehrsdichte aufweist, seien daher, erläuterte der Bürgermeister, Verände­rungen im Mobilitätsverhalten und Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung unumgänglich. „Für unsere Zukunft müssen wir sie jetzt anpacken. Wegducken geht nicht“, forderte Herker eindringlich.

Herker gewährte erste Einblicke in das neue Verkehrskonzept, das die Stadt am 7.2.2018 der Öffentlichkeit vorstellen wird. Hauptziel sei es, so der Bürger­meister, über Verkehrsableitungen und Umbaumaßnahmen auf dem Hauptplatz, die Innenstadt täglich von etwa 6.000 Fahrzeugen zu entlasten. Dabei handelt es sich um Fahrer, die abkürzen und keinerlei Einkaufsabsichten hegen. Ergebnis soll sein, dass die Innenstadt für mehr Menschen, ob Besucher von auswärts oder einheimische Kunden, an Attraktivität gewinnt. Anwesende Einzelhändler wie Alexander Urban und Peter Daubmeier äußerten sogleich ihre Bedenken. Sie befürchten, dass ihnen durch die erschwerte Zufahrt und den Wegfall von Parkmöglichkeiten Kundschaft verloren geht. Herker widersprach und verwies auf die aus seiner Sicht sehr komfortable Parksituation, die sich nur geringfügig ändern würde. Ihm sei klar, so der Bürgermeister, dass eine Stadt nur funktionieren könne, wenn es dem Einzelhandel gut gehe. Die Vielschichtigkeit des Problems offenbarte die anschließende Diskussion. Elke Christian, Leiterin der IHK-Geschäftsstelle Ingolstadt, mahnte, die Stimmen aus der Wirtschaft anzuhören und Veränderungen gemeinsam mit ihr und nicht gegen sie voranzu­treiben.

Mehrmals betonte der Bürgermeister, dass die Veränderungen die Innenstadt aufwerten werden und sich damit auch das Einkaufserlebnis für die Menschen verbessere. Davon werde auch der stationäre Einzelhandel, der aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs im Online-Handel vor großen Herausforderungen steht, profitieren. Damit spannte er den Bogen zum Projekt Digitale Einkaufsstadt Pfaffenhofen, dem sich der zweite Teil des Abends widmete.

Besser daheim – wer weiter denkt, kauft näher ein

Über den aktuellen Stand im bayerischen Modellprojekt „Digitale Einkaufsstadt Pfaffenhofen“, inzwischen unter dem Slogan „Besser daheim – wer weiter denkt, kauft näher ein“ bekannt, informierten Matthias Scholz und Philipp Schleef von der Wirtschafts- und Servicegesellschaft Pfaffenhofen (WSP). Das kommunale Unternehmen begleitet das Projekt seit seinem Start im Frühjahr 2016. Ziel der vom bayerischen Wirtschaftsministerium geförderten Initiative ist es, angesichts des wachsenden Konkurrenzdrucks aus dem E-Commerce für lokale Einzel­händler einen Online-Marktplatz zu schaffen, auf dem sie sichtbar sind und ihre Produkte präsentieren können. Schleef betonte, wie wichtig es sei, Kunden im Internet anzusprechen und sie dort für den Einkauf vor Ort zu begeistern. So wird im zweiten Schritt der lokale Einzelhandelsumsatz gestärkt. Das erfordere gleich­zeitig, so der Experte, auch über neue Wege der Warenverteilung nachzudenken wie beispielsweise die Auslieferung per Radkurier oder das Abholen an einer Paketstation. Am 17.3.2018 wird die Plattform online gehen. Bislang konnte WSP dafür 50 Händler gewinnen. „Wir arbeiten natürlich daran, noch weitere zu überzeugen“, so Scholz, „für etwa 150 Unternehmen aus Pfaffenhofen dürfte unser Portal interessant sein.“