Digitalisierung und Gründerförderung

055_ihk_existenz_10_11_2018

Bei der Gründermesse Existenz wurden rund 1.400 Besucher gezählt. Insgesamt gab es 35.923 Existenzgründungen 2018 in Oberbayern.

Inhalt

Existenz: Rund 1.400 Besucher auf Bayerns größter Gründermesse

Die Existenz gilt als Bayerns größte Gründermesse. Am 10. November hat die Messe im Münchner MOC diesen Ruf deutlich unterstrichen. Rund 1.400 Besucher, mehr als 40 Aussteller und mehr als 100 Workshops und Vorträge – so lautete die Bilanz. Bayerns Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer (CSU) sagte beim Eröffnungsrundgang: „Die ‚IHK Existenz‘ hat sich zu einem Hotspot der oberbayerischen Gründerszene entwickelt.“ IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen meinte, es sei eine Freude, so viel Gründergeist an einem Ort zu sehen. Die gute Botschaft der IHK-Gründungsexperten: Angesichts der guten wirtschaftlichen Lage seien die Chancen für Gründer außerordentlich gut.

Initiative Pack ma’s digital

Die Digitalisierungsinitiative „Pack ma’s digital“ der IHK unter der Schirmherrschaft des bayerischen Wirtschaftsministeriums wurde weiter ausgebaut. Die Initiative startete 2017 mit dem Ziel, kleine und mittlere Unternehmen bei ihrer Digitalisierung zu unterstützen. Schließlich sehen sich erst 25 Prozent der Unternehmen digital gut aufgestellt. Um das Ziel möglichst schlagkräftig zu erreichen, wird die Initiative von vielen digital kompetenten Unternehmen unterstützt. Neben den fünf Gründungspartnern Facebook, Giesecke&Devrient, LinkedIn, MediaMarktSaturn Retail Group und Telekom Deutschland konnte das Netzwerk an beteiligten Digitalunternehmen deutlich ausgebaut werden. Mit ihnen gemeinsam wurden praxisnahe Informationen zu den unterschiedlichen Digitalthemen über Webinare, Veranstaltungen, Workshops, Online-Check oder Video-Content angeboten. Mit dem Wettbewerb „Digitale Macher“ wurden Best-Practice-Beispiele bei der Gipfelveranstaltung gekürt.

Die Zahlen aus 2018 belegen den Erfolg der Initiative. Das Unterstützernetzwerk ist auf 70 Unternehmen angewachsen, es gab mehr als 250 IHK-Veranstaltungen mit Digitalbezug. In Summe hat die IHK über Veranstaltungen, Webinaren, Videos, Online-Checks und Downloads mehr als 35.000 Unternehmenskontakte verzeichnet.

Blockchain – Chancen für die Wirtschaft nutzen

Die IHK hat erstmals mit einem Positionspapier auf das Potenzial der Blockchain-Technologie hingewiesen. Demnach ist die Entwicklung der Blockchain-Technologie für Bayerns Wirtschaft von hohem strategischem Interesse: Blockchain-Lösungen gelten als transparent und sicher. Die dezentrale Technologie (Netzwerk aus vielen Rechnern) ist das Gegenmodell zur heutigen zentralen Plattform-Ökonomie, die wenigen „Gatekeepern“ immer mehr Macht und Geld verleiht. Das Papier betont, München habe das Potenzial, Europas Hochburg für die Entwicklung der Blockchain-Technologie zu werden. So könne etwa das Zentrum für Digitalisierung.Bayern (ZD.B) alle Player aus Wirtschaft und Forschung zusammenbringen. Diesen Vorschlag hat die Bayerische Staatsregierung aufgegriffen und eine Blockchain-Themenplattform beim ZD.B angekündigt. Wichtig ist hierbei, dass auch der Mittelstand von diesem Wissenstransfer profitieren muss. Zudem plädiert die IHK für die Verwendung von Blockchain-Lösungen in der öffentlichen Verwaltung.

Forderung nach mehr E-Government

Die bayerischen IHKs haben in einem Positionspapier vor der Landtagswahl auf die Notwendigkeit der weiteren Digitalisierung der Verwaltung ausgesprochen. Sie zitieren aus einer Umfrage der IHK-Organisation, wonach 72 Prozent der bayerischen Unternehmen ihre Zusammenarbeit mit der staatlichen Verwaltung online erledigen wollen. Die bayerischen IHKs kritisieren, Bayern sei beispielsweise mit seinem Bayernportal bundesweiter Vorreiter in Sachen E-Government. Von diesen Vorzügen würden aber fast nur die Bürger profitieren, obwohl sie im Schnitt nur fünfmal im Jahr die Behörden kontaktieren. Unternehmen hätten dagegen im Schnitt etwa 130 Verwaltungskontakte pro Jahr – und die sind weiterhin oft nur offline möglich. Hier ist ein zügiger Ausbau von nutzerorientierten digitalen Verwaltungslösungen für Unternehmen notwendig. Grundlage für einfache digitale Verwaltungsverfahren ist ein Servicekonto für Unternehmen, das zusätzlich zu den bereits existierenden Bürgerservicekonten eingeführt werden soll. Anders als Privatpersonen (elektronische Identitätsfunktion des Personalausweises) können sich Unternehmen bislang nicht auf digitalem Weg als Organisationseinheit identifizieren. Die IHKs fordern die schnelle Einführung dieser Möglichkeit, z.B. aus Basis des bereits etablierten ELSTER-Zertifikats. Bundesweit sind einheitliche Standards erforderlich, damit E-Government nicht an Ländergrenzen scheitert und zügig umgesetzt wird. In dem Papier heißt es weiter, mit dem rückständigen Angebot von E-Government werde eine weitere große Chance verspielt: Mit der Digitalisierung der Bauleitplanung und der Anhörung der sogenannten Träger der Öffentlichen Belange ließe sich die Umsetzung wichtiger Infrastrukturvorhaben erheblich beschleunigen.

Digitale Kompetenzen in München gut vertreten: Studie mit LinkedIn-Daten

Die Digitalisierung durchdringt nahezu alle Branchen und München zieht bundesweit digitale Kompetenzen an. Das zeigt eine Studie, die die IHK gemeinsam mit der Landeshauptstadt München und dem Karrierenetzwerk LinkedIn zu den „Digitale Kompetenzen in München“ durchgeführt hat. Analysiert wurden die anonym betrachteten Profile von LinkedIn-Nutzern, die in der Region München registriert sind. Demnach findet sich München im nationalen Großstädtevergleich mit einem Anteil von 31 Prozent digitaler Kompetenzen unter den LinkedIn-Nutzer auf einem Spitzenplatz wieder. Lediglich Berlin weist mehr digitale Kompetenzen auf. Dabei ist auffällig, dass München insbesondere im Bereich digitale Fachkompetenzen brilliert und national zu den klaren Vorreitern zählt. Die Studie verdeutlicht auch die Nachfrage: ganze 64 Prozent aller Neueinstellungen innerhalb der letzten 12 Monate im Raum München fallen auf digital-affine Mitglieder.

Vollversammlung beschließt Positionspapier „Gigabit für Unternehmen“‎

Die Ergebnisse einer IHK-Umfrage unter Unternehmen im Kammerbezirk haben die Misere unterstrichen: 40 Prozent der befragten Unternehmen beklagen die mangelhafte Versorgung mit Festnetzinternet und Mobilfunk. Daraufhin hat die IHK-Vollversammlung im Juli das Positionspapier „Gigabit für Unternehmen“ beschlossen. Das Papier schlägt elf Maßnahmen vor. Demnach soll sich Bayerns laufende Digitalisierungsoffensive auf Glasfaser und Mobilfunk-Ausbau konzentrieren. Kernbotschaft: Eine flächendeckende 30 Mbit/s-Versorgung reicht für den Bedarf der Unternehmen bei weitem nicht aus. Man muss in Bayern möglichst schnell zu Gigabit-Netzen kommen. Vor diesem Hintergrund seien auch die derzeitigen Förderinstrumente zu prüfen. Die IHK schlägt u.a. einen „Gigabit-Bonus“ und eine staatliche Förderung in Fällen vor, in denen Unternehmen existenziell von fehlendem Breitband-Angebot bedroht sind.

Gründerzahlen erholen sich

In Oberbayern wurden 35.923 Existenzgründungen gezählt. Das sind 1,1 Prozent weniger als im Vorjahr, aber im Vergleich zu den Vorjahren hat sich der Negativtrend deutlich abgeschwächt: 2016 lag das Minus bei 6,6 Prozent, 2017 bei 2,9 Prozent. Der Gründungssaldo zeigt sich deutlich positiv: Den 35.923 Gründungen stehen 30.778 Gewerbeabmeldungen wegen vollständiger Aufgabe des Unternehmens gegenüber. Diese Entwicklung gab es auch bayernweit. Das Minus bei den Gründerzahlen betrug 1,3 Prozent. 89.300 gewerblichen Gründungen standen 79.851 Gewerbeabmeldungen gegenüber.

Nachfrage nach IHK-Gründerservice steigt um 19 Prozent

Trotz der leicht rückläufigen Gründerzahl ist die Nachfrage nach dem IHK-Gründerservice um 19 Prozent im Vergleich zu 2017 gestiegen. Der IHK-Service umfasst Einstiegs- und Intensivberatung, Informationsveranstaltungen und Online-Beratung.

Einstiegsgespräche: 20.645 Gründer informiert

Das Einstiegsgespräch ist häufig der erste Schritt vor einer erfolgreichen Gründung. IHK-Gründungsexperten vermitteln auf Informationsveranstaltungen und mit Gründersprechtagen grundlegende Kenntnisse zur Selbstständigkeit. Über 20.600 Gründungswillige haben diesen IHK-Service in Anspruch genommen. Sollten alle Interessenten tatsächlich auch gegründet haben, hätten mehr als 57 Prozent aller Gründer in Oberbayern ein Einstiegsgespräch mit der IHK geführt.

‎2.933 Gründungsberatungen

Die IHK-Gründungsberatung nahmen 2.933 Gründungswillige in Anspruch. Im Unterschied zu den Einstiegsgesprächen geht es hier inhaltlich zur Sache. Im Gespräch mit den IHK-Spezialisten geht es um die Klärung der Knackpunkte: Erstellung des Businessplans, Gründungsformalitäten, Rechtsformwahl, Steuerthemen, private und betriebliche Absicherung, Förderangebote und Finanzierungshilfen.

IHK-Gründerseminare mit 840 Teilnehmern

Gute Vorbereitung schützt vor Fehlern und Pleiten. Aufgrund dieser einfachen Überlegung fördert Bayerns Wirtschaftsministerium die IHK-Gründerseminare. Insgesamt 840 Teilnehmer wurden verzeichnet. Behandelt wurden die Themen Gewerbeanmeldung, Firmen- und Gewerberecht, erlaubnispflichtige Tätigkeiten, Struktur des Businessplans sowie Finanzierung und öffentliche Förderhilfen.

IHK-Coachingprogramme: Hilfe für 644 Teilnehmer‎

Die IHK-Coachingprogramme haben sich als eines der erfolgreichsten Instrumente erwiesen, um Gründer auf die richtige Spur zu bringen. Im Rahmen des Vorgründungs- und Nachfolgecoachings haben 537 Gründungswillige eine maßgeschneiderte Unternehmensberatung erhalten. Die Teilnehmer haben dank der Fördermittel des Freistaats Bayern und des Europäischen Sozialfonds einen Beratungskostenzuschuss von bis zu 70 Prozent erhalten. Als Regionalpartner des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) trug die IHK zudem dazu bei, dass 107 Gründer das Programm „Förderung unternehmerischen Know-hows“ für Jungunternehmer in Anspruch nehmen.

MEB-Website gefragt wie nie

Das Münchner Existenzgründungs-Büro (MEB) ist eine Gemeinschaftseinrichtung von IHK und Stadt München. Die Zahlen für 2018 zeigen, welchen Informations- und Beratungsbedarf das MEB abdeckt. Die Jahresstatistik zeigt einen Superlativ: Mit 21.667 Visits war die MEB-Website www.gruenden-in-muenchen.de so gefragt wie nie. Das entspricht einem Plus von 17 Prozent. Neben der Ausweitung der digitalen Kommunikation verzeichnete das MEB mit einem Plus von 23 Prozent auch einen starken Teilnehmerzuwachs bei der wöchentlich angebotenen Infoveranstaltung: Knapp 1.100 Teilnehmer informierten sich über die Basics einer Firmengründung. Weitere bemerkenswerte Zahl aus der MEB-Statistik: Mit 1.068 Beratungen mit Termin wurde der zweithöchste Wert in der MEB-Geschichte erzielt.