Umweltpakt

Aktive Umweltschützer

Vom Energieeinsatz bis zur Flaschenreinigung: Die Privatbrauerei Hofmühl beteiligt sich am Umweltpakt und realisiert ein wirksames Projekt nach dem anderen. MONIKA HOFMANN

umweltpakt_b2x_0516
© stefanboesl.de Die Eichstätter Brauerei Hofmühl nimmt seit Oktorber 2010 am Umweltpakt teil. Foto: Stefan Bösl

Biergarten, beim Grillen oder am Stammtisch sitzen und ein kühles Bier mit besonders gutem Klimagewissen genießen? Das will die Privatbrauerei Hofmühl GmbH ermöglichen. Die Brauerei erzeugt ihren Strom mit einer 1 000 Quadratmeter großen solarthermischen Anlage auf dem Dach. Vor vier Jahren kam ein Blockheizkraftwerk dazu, das zusätzlich für Strom und Wärme sorgt.

Mit innovativer, schonender Brautechnik verringerte die Firma ihren Energieeinsatz um rund 60 Prozent. Energie, Wasser und Chemikalien spart die Brauerei auch mit einer neuen Flaschenreinigungsmaschine. „Was wir an Strom brauchen, beziehen wir aus süddeutschen Wasserkraftwerken – damit erreichen wir jetzt schon einen Anteil von 50 Prozent erneuerbarer Energien“, sagt Johannes Jung (51), Betriebsleiter und Prokurist der Brauerei. Demnächst will er die Kälteanlage austauschen und die Energieversorgung zentral steuern. Die Eichstätter Brauerei, die 52 Mitarbeiter beschäftigt, hat sich der Nachhaltigkeit und Regionalität verschrieben. „Seit mehr als 500 Jahren wird hier Bier gebraut, das wollen wir weiter so tun. Daher gehen wir verantwortungsvoll mit den Ressourcen um“, betont Jung. Schon seit Oktober 2010 beteiligt sich das Unternehmen deshalb am Umweltpakt Bayern. „Für uns bedeutet das einen großen Ansporn, immer besser zu werden – das wirkt nach innen und außen“, so der Betriebsleiter.

Die Mitarbeiter würden motiviert, immer neue Projekte umzusetzen, weiß Jung. „Und für unsere Kunden ist es ein Zeichen des aktiven Umweltschutzes.“ Im Umweltpakt schließen sich die Staatsregierung, Unternehmen, Wirtschaftsverbände und Kammerorganisationen zusammen, um Umweltprojekte auf den Weg zu bringen. Die Vereinbarung soll sichtbar machen, dass Ökonomie und Ökologie keine Gegensätze sind. Der erste Umweltpakt startete 1995, alle fünf Jahre wird er neu aufgelegt. Am aktuellen Pakt, der seit 2015 läuft, beteiligen sich bislang 2190 Betriebe. „Die Mitglieder kommen aus allen Bereichen der bayerischen Wirtschaft – und das ermöglicht nicht nur eine enge Zusammenarbeit von Firmen jeder Größe, sondern auch mit Forschungsinstitutionen und Organisationen“, sagt Norbert Ammann, Umweltexperte der IHK für München und Oberbayern. „Daher trägt der Pakt dazu bei, das Nachhaltigkeitsbewusstsein in den Betrieben zu schärfen. Zugleich bietet er praxisorientierte Werkzeuge für die Umsetzung.“

Wer kann am Umweltpakt teilnehmen?

Beim derzeit laufenden Pakt beschäftigen sich die Mitglieder besonders mit dem betrieblichen Umweltschutz und Zukunftsthemen wie Energieeffizienz, Rohstoffe, Ressourceneffizienz, Biodiversität, Umwelttechnologie, umweltorientiertes Management und Kommunikation. Wer am Pakt teilnehmen will, muss Umweltleistungen nachweisen, die über die Rechtsvorgaben hinausgehen. Das können Firmen, die sich zum Beispiel nach dem Eco-Management and Audit Scheme (EMAS), nach der DIN EN ISO 14001, der DIN EN 50001 oder nach den Kriterien des Qualitätsverbunds umweltbewusster Betriebe (QuB) zertifizieren ließen.

Auch Unternehmen, die sich an ökologischen Projekten für integrierte Umwelttechnik (Ökoprofit) beteiligen oder mit besonderen Einzelleistungen glänzen, können sich bewerben. Rund die Hälfte der bislang gelisteten Pakt-Betriebe verfügt über ein Umweltmanagementsystem. Seit 2017 unterstützt das Bayerische Umwelt- und Verbraucherschutzministerium die Unternehmen, die ein Umweltmanagement aufbauen, über das Bayerische Umweltmanagement- und Auditprogramm (BUMAP). „Der Aufwand dafür lohnt sich, denn damit steigern sie ihre Wettbewerbsfähigkeit“, ist Ammann überzeugt.

Die Teilnehmer des aktuellen Pakts haben insgesamt 64 neue Projekte vereinbart. Daneben führen sie zahlreiche Initiativen weiter, die sich bereits bei den vorangegangenen Pakten bewährt haben. Dazu gehört die Azubi-Qualifizierung zu Energie-Scouts. Auch das vor 14 Jahren gegründete Infozentrum Umweltwirtschaft (IZU) wird weiter ausgebaut: Es hat sich als Anlaufstelle für kleine und mittlere Unternehmen beim Thema betrieblicher Umweltschutz etabliert. Insgesamt sind zur Halbzeit bislang 40 Prozent der vereinbarten Projekte umgesetzt.

Brücke zwischen Wirtschaft und Wissenschaft

Zu den wichtigen neuen Projekten gehört das Ressourceneffizienz-Zentrum Bayern (REZ) in Augsburg, München und Nürnberg, das 2016 startete. Es arbeitet mit den bayerischen IHKs zusammen und will die Akteure stärker vernetzen, Wissen bündeln und die Firmen bei Fragen der Ressourceneffizienz unterstützen.

Neu ist auch der Forschungsverbund ForCYCLE II, der 2014 unter ähnlichem Titel startete und jetzt als Teil des aktuellen Umweltpakts weitergeführt wird. „ForCYCLE II schlägt eine Brücke zwischen Wirtschaft und Wissenschaft“, erklärt IHK-Experte Ammann.

Mit innovativen Lösungen soll der Verbund für mehr Ressourceneffizienz vor allem in kleinen und mittleren Betrieben sorgen. Er will effektive Recyclingverfahren für bislang schwer wiederverwertbare Stoffe entwickeln, die Rohstoffeffizienz steigern, eine neue Strategie für Sekundärrohstoffe entwerfen, die hiesige Kreislaufwirtschaft stärken – und dabei stets die Unternehmen beteiligen.

Um einen ganzheitlichen Blick geht es beim nachhaltigen Lieferkettenmanagement. Dies ist ein für kleine und mittlere Unternehmen besonders relevantes neues Umweltpakt-Projekt. „Denn Transparenz und Nachhaltigkeit von Lieferketten rücken immer stärker in den Blick von Verbrauchern, Investoren und auch der Politik. Dabei werden alle Stufen der Lieferkette betrachtet – vom Direktlieferanten in der Region bis zur Rohstoffgewinnung in Asien oder Afrika“, sagt Gerti Oswald, CSR-Verantwortliche der IHK für München und Oberbayern. Ein solches Lieferkettenmanagement ebnet den Weg, um nicht nur Umweltschäden, sondern auch Verletzungen von Menschenrechten zu vermeiden. Mit acht Pilotfirmen aus ganz Bayern entwickelten das Landesamt für Umwelt und die bayerischen IHKs ein Starter-Kit für kleine und mittlere Unternehmen, um die eigene Lieferkette zu analysieren, Liefer- und Warenströme nach ökologischen und auch sozialen Kriterien auszurichten und passende Maßnahmen zu ergreifen.

Unternehmen erzielenlangfristige Erfolge

Wie nachhaltig die Teilnahme am Umweltpakt wirkt, zeigt die Goldmilch Milchwerke Ingolstadt-Thalmässing eG. „Nicht nur die hohe Produktqualität liegt uns am Herzen, sondern auch der Umweltschutz und die Auswirkungen unseres alltäglichen Handelns“, betont Geschäftsführer Karl Kunz (58). Bereits vor 15 Jahren beteiligte sich die mittelständische Molkerei erstmals am Umweltpakt Bayern – und blieb bis heute Mitglied.

Schon zu Beginn setzte der Betrieb auf energiesparende und umweltverträgliche Technik. „Daher erzeugen wir unseren Strom größtenteils über ein eigenes Blockheizkraftwerk, mit dessen Abwärme wir unsere Prozesse betreiben“, erklärt Molkerei-Chef Kunz. „Zudem entwickeln wir ständig neue Strategien, die auf den bisher gesammelten Erfahrungen aufbauen.“ Das koste viel Zeit, bisweilen Nerven und vor allem Geld, räumt der Geschäftsführer ein: „Aber es lohnt sich, denn gerade auch große Kunden setzen inzwischen sogar voraus, dass wir die Umwelt schonen.“

Vorteile im Wettbewerb sichern

Worüber sich Kunz besonders freut: Seit 2015 sind die Milchwerke nach den hohen Anforderungen der Norm DIN EN ISO 14001 zertifiziert. „Damit sichern wir unsere Wettbewerbsfähigkeit langfristig und leisten einen besonderen Umweltbeitrag“, argumentiert der Geschäftsführer. Systeme und Prozesse will er so gestalten, dass sich seine Genossenschaft nachhaltig weiterentwickelt. Daher bauten die Milchwerke ein systematisches Umweltmanagement auf und koppelten es mit regelmäßigen Energieaudits. „So können wir unsere Umweltauswirkungen und unseren Energieverbrauch stets im Blick behalten, um sie Schritt für Schritt zu reduzieren“, erklärt Kunz die Vorteile und fügt hinzu: „Für uns ist das ein wichtiger Schritt in Richtung einer ökologisch und ethisch orientierten Zukunft.“