Jochen Schweizer

‎„Ich bin der Spirit der Marke“‎

Jochen Schweizer erfand mit dem Handel von Erlebnissen ein völlig neues Produkt. Nach dem Verkauf des Digitalgeschäfts konzentriert sich der sportliche Unternehmer jetzt auf den Ausbau seiner Freizeitarena in Taufkirchen. HARRIET AUSTEN

IHK Magazin, 13.12.17 Jochen Schweizer in der Jochen Schweizer Arena Foto: Marion Vogel
Unternehmer Jochen Schweizer. Foto: Marion Vogel

Die Arena ist jetzt das Zentrum meiner Welt“, sagt Jochen Schweizer. Ein Satz, in dem Begeisterung und Stolz mitschwingen. Für den Unternehmer ist die 2017 eröffnete Arena, die seinen Namen trägt, derzeit der ideale Platz: „Hier kann ich fliegen, wellenreiten, gut essen und sehe strahlende Menschen.“ Bald werden er und seine Mitarbeiter ganz vor die Tore Münchens nach Taufkirchen ziehen. 2019/2020 soll das Seminarzentrum mit 2000 Quadratmetern Bürofläche fertig sein, ein Jahr später das Hotel. Mit dem Komplex erfüllt sich der Selfmademan einen kühnen Traum. Seine neue Erlebnisarena mit dem Grundriss eines dreiblättrigen Rotors ist bei Google Maps aus dem Weltall zu sehen. Sie besteht aus einer künstlichen Surfwelle, dem „weltweit besten“ Windkanal für Bodyflying, einem Eventbereich, einem Restaurant mit „legendärer Küche“ und einem Outdoor-Hochseilklettergarten mit Erlebnispark – so beschreibt Schweizer, der gern Superlative verwendet, eine seiner gewagtesten Investitionen.

Zeit und Geld dafür hat er freigeschaufelt, indem er 2017 sein umfangreiches Digitalgeschäft für 107 Millionen Euro an den Medienkonzern ProSiebenSat.1 veräußerte. Mit der Jochen Schweizer Gruppe verfolgt er nun ein neues Geschäftsmodell. „Alle weiteren Expansionspläne gehen jetzt von der Arena aus“, sagt der Manager.

Neues wagen, Freiheit leben, sein Unternehmertum selbstbestimmt gestalten – das sind Werte, die seine Karriere seit der Jugend bestimmen. Da Schweizer als Schlüsselkind auf sich allein gestellt war und kein Taschengeld bekam, bedruckte der Schüler kurzerhand T-Shirts mit einem witzigen Spruch und verkaufte diese. „Ein Megaerfolg, der den Grundstein für mein Unternehmerdasein legte“, so Schweizer. Mit 16 Jahren zog er von zu Hause aus, machte in Heidelberg Abitur und „eine harte Ausbildung“ zum Kanuten. Der Extremsport sollte fortan sein Leben prägen. Auf einer „unsäglich schwierigen“ Motorradtour durch Afrika „bin ich vom Halbstarken zum Mann geworden und habe Widerstandsfähigkeit und Durchhaltevermögen entwickelt“, erzählt er. Eigenschaften, die ihn später als waghalsigen Kajakfahrer, Fallschirmspringer, Stuntman und Bungee-Jumper zu Höchstleistungen anspornten.

Neuanfang mit Gutscheinen

Dabei stellte Schweizer fest, dass er Menschen begeistern und motivieren kann. Er machte ein Business daraus. Mit der 1985 gegründeten Kajak Sports Productions, dem Grundstein der Jochen Schweizer Unternehmensgruppe, verschaffte er Tausenden mit einem Bungee-Sprung den besonderen Kick des Fallens. 2003 geriet seine Firma jedoch wegen eines tödlichen Unfalls in eine schwere Krise.

Schweizer konnte zwar die Insolvenz vermeiden, musste sein Unternehmen aber neu erfinden. Seine Idee: Erlebnisgutscheine über das Internet vermarkten. Mit sechs der ehemals 65 Mitarbeiter begann er von vorn, baute das Geschäft konsequent aus, gründete neue Firmen und ging Beteiligungen ein, die teilweise aus seiner Jurytätigkeit bei der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ stammen. Auf dem Onlineportal können Kunden aus über 2500 Erlebnissen wählen. Daneben vertreiben 45 hauseigene Shops und 7500 Einzelhändler die teilweise recht skurrilen Aktionen, die vom Bratwurst-Seminar bis zum Stratosphärenflug reichen. Sie machten bisher 4,5 Millionen Fans glücklich und bescherten Jochen Schweizer die Marktführerschaft in Deutschland.

Der 60-Jährige, der lieber beim Fliegen im Windkanal fotografiert werden will als im Businessanzug, ist omnipräsent. Seine Person ist untrennbar mit der Marke verbunden, „was eine hohe Verantwortung und eine gewisse Vorbildfunktion mit sich bringt“, gesteht er. Marke und Mitarbeiter seien sein „wertvollstes Gut“. Von neuen Angestellten verlangt der Chef als Einstellungskriterium einen Flug im Windkanal. Ansonsten liebe er „Menschen, die sich anstrengen und ihr Bestes geben“ – so wie er. Schweizer will seinen Beitrag dazu leisten, indem er Mitarbeiter auf Positionen setzt, die ihren Fähigkeiten entsprechen. Dabei vermittelt er ihnen, dass nicht nur er, sondern auch sie mit ihrem Handeln die Marke prägen. „Ihr seid Jochen Schweizer“, pflegt er zu sagen, und: „Ich bin der Spirit der Marke.“