E-Mobilität

Mit dem Tesla zur S-Bahn

E-Mobilität spielt im Tourismus eine immer wichtigere Rolle. Das Schlosshotel Hohenkammer macht seit Jahren ausgesprochen gute Erfahrungen mit strombetriebenen Fahrzeugen für die Gäste. EVA ELISABETH ERNST

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Hotelgäste können Elektroautos aus dem hoteleigenen Fuhrpark nutzen

Auf dem weitläufigen Gelände rund um das Schlosshotel Hohenkammer zuckeln Gäste auf rasenmäherähnlichen Geräten durch die Landschaft. Dabei handelt es sich um elektrisch betriebene Segways, eine Art Elektroroller mit zwei Rädern auf einer Achse, die diese etwas andere Art der Fortbewegung ermöglichen. „Segway-Touren und -Parcours erfreuen sich im Rahmenprogramm von Tagungen hoher Beliebtheit“, erklärt Martin Kirsch (42), Hoteldirektor und Geschäftsführer der Schlosshotel Hohenkammer GmbH. „Und sie sind ein schönes Beispiel dafür, dass Elektromobilität Spaß macht.“

Seit 2012 sammelt das Unternehmen Erfahrungen mit E-Mobilität – und zwar ausgesprochen positive. Der hoteleigene Fuhrpark umfasst mittlerweile drei E-Bikes, zwei elektrische Golfcarts für interne Transporte auf dem Gelände sowie einen Renault Zoe, der auch an Gäste verliehen wird. Weitere Elektrofahrzeuge inklusive Segways stellt die bluemove mobility GmbH aus München je nach Wunsch und Bedarf zur Verfügung. An zwei öffentlich zugänglichen Ladesta-tionen in der Garage können Gäste ihre Elektrofahrzeuge kostenfrei aufladen. „Dieses Angebot wird immer reger genutzt“, beobachtet Kirsch. Viele Großunternehmen, die im Schlosshotel Tagungen veranstalten, halten in ihren Firmenflotten Elektrofahrzeuge, mit denen die Mitarbeiter anreisen. Und wer mit der S-Bahn ankommt, kann sich von einem Chauffeur im Tesla Roadster am Bahnhof Petershausen abholen lassen. Auch diesen Service macht bluemove mobility möglich.

Apropos Tesla: In Kürze wird im Schlosshotel Hohenkammer eine Quickcharge-Station des US-Elektroautoherstellers in Betrieb genommen. „Als Tesla Charge Point werden wir dann in den entsprechenden internationalen Verzeichnissen aufgelistet“, sagt Kirsch. Das dürfte die Sichtbarkeit der E-Mobility-Aktivitäten des 4-Sterne-Hotels deutlich erhöhen. Bislang positioniert sich das Haus vor allem als nachhaltiger und ressourcenschonender Hotelbetrieb. „Wir betreiben zum Beispiel auf 300 Hektar eine ökologische Landwirtschaft, die als Naturlandbetrieb zertifiziert ist“, sagt Kirsch. Bei Wärme und Energie ist das Schlosshotel dank einer eigenen Biogasanlage Selbstversorger. „Das Thema E-Mobilität ist ein Teil unseres Gesamtkonzepts“, so der Geschäftsführer. E-Mobilitäts-Angebote können durchaus sinnvoll sein, betont Lars Bengsch (46), Geschäftsführer der Tourismusberatung dwif-Consulting GmbH: „Dies gilt insbesondere für Anbieter, die sich Nachhaltigkeit oder naturnahen Genuss auf die Fahnen geschrieben haben.“ Hier sieht der Tourismusexperte Elektrofahrzeuge aller Art jedoch vor allem als Ergänzung zu kostenlosen Angeboten des öffentlichen Nahverkehrs – oder als deren Ersatz, falls es in einer Region um Bus und Bahn nicht allzu gut bestellt ist. „Im Radtourismus zählen E-Bikes mittlerweile fast schon zur Grundausstattung der Anbieter“, so Bengsch. Abgrenzen könne man sich mit dem Verleih von Elektrofahrrädern kaum mehr – dazu sind sie im privaten Bereich schon zu stark verbreitet. Elektroautos dagegen könnten bei Gästen durchaus noch für Aha-Erlebnisse sorgen. Einziger Wermutstropfen: „Für Tourismusanbieter sind Elektroautos kein Geschäftsmodell, mit dem Geld verdient werden kann“, weiß der Berater. „Ohne Sponsoring oder Zuschüsse geht hier derzeit noch wenig.“ Die Frage nach der Rentabilität kann auch Hoteldirektor Kirsch nicht eindeutig beantworten: „Für uns gehören die Angebote zum Service. Das in Euro und Cent zu beziffern ist schwierig.“

Die E-Bikes werden durch die Privatgäste gut ausgelastet. Das Elektroauto, das als Gästefahrzeug gemietet wird, dagegen eher weniger. Daher wird es Kirsch demnächst durch ein Lieferfahrzeug mit Elektroantrieb ersetzen. Denn von den Vorteilen der Stromer ist er absolut überzeugt. Deshalb veranstaltet das Schlosshotel Hohenkammer seit 2012 jährlich auch einen Tag der Elektromobilität, an dem nicht nur Hotelgäste, sondern auch Einheimische aus der Region die neuesten Elektrofahrzeuge Probe fahren können.