ASCO

Der Senkrechtstarter

Gründer Sylvio Matthäß legt mit seinem Maschinenbaubetrieb ASCO GmbH in Bischofswiesen ein
beeindruckendes Wachstumstempo vor. JOSEF STELZER

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© Jonny von Kralik Blechprofil am Bildschirm zeichnen.

Die Erfolgsgeschichte des Firmengründers Sylvio Matthäß würde in jedes Unternehmerlehrbuch passen. Als er 2011 die Maschinenbaufirma ASCO GmbH mit drei Mitarbeitern startete, kannte er die Anliegen seiner potenziellen Kundschaft bereits genau. Aus langjähriger Branchenerfahrung wusste er: Die Käufer von sogenannten Langabkantmaschinen, die damit Hutprofile, Kastenrinnen oder Mauerabdeckungen aus Aluminium- und Stahlblechen zum Beispiel für Gebäudefassaden oder Dächer herstellen, wünschten sich flexiblere Anlagen. Sie sollten im Vergleich zu herkömmlichen Maschinen eine größere Profilvielfalt und mehr, am besten auch schnellere Möglichkeiten bei der Bearbeitung bieten. Der heute 55 Jahre alte Gründer hatte offensichtlich die passenden Lösungen parat. Das Maschinenbauunternehmen heimst nicht nur diverse Preise ein und profiliert sich mit zukunftsweisenden Neuerungen. Es wächst auch rasant. ASCO beschäftigt mittlerweile 30 Mitarbeiter und setzte 2017, sechs Jahre nach dem Start, mehr als zwölf Millionen Euro um. 80 Prozent davon stammen aus dem Auslandsgeschäft. Die Maschinen gehen vorwiegend nach Europa, aber auch in die USA, nach Asien und Australien. Im Oktober verlegte Matthäß die Firmenzentrale samt Produktion von Ainring in ein neues Gebäude im nahen Bischofswiesen.

Was die ASCO-Maschinen so erfolgreich macht? „Die Innovation liegt in einem patentierten Biegesystem, das es bis dato noch nicht gab; die sogenannten Biegewangen, mit denen das Blech gekantet wird, stehen schräg nach hinten“, erklärt Matthäß. Bei der Blechbearbeitung ergeben sich so deutlich mehr Freiräume und Gestaltungsmöglichkeiten. Vor allem Spenglereien oder Kantdienstleister, die die Blechbearbeitung im Kundenauftrag abwickeln, setzen die Anlagen ein.

Begeisterte Kunden

Um anfangs die Vorteile belegen zu können, war dem Unternehmer kein Aufwand zu groß. Matthäß transportierte die über vier Meter langen und mehr als vier Tonnen schweren Langabkantmaschinen selbst per Lkw zu potenziellen Käufern nach Baden-Württemberg. Er kannte die Unternehmer aus seiner Tätigkeit als angestellter Vertriebsleiter und präsentierte ihnen seine Neuerungen in deren Werkhallen vor Ort. Der erwünschte Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. „Meine ersten Kunden zeigten sich anfangs zwar skeptisch, waren nach jeder Vorführung aber schnell begeistert“, erinnert sich der gelernte Maschinenbautechniker. Auf diese Weise konnte er noch im Gründungsjahr die ersten ASCO-Maschinen verkaufen.

Die Vertriebserfolge zeigten dem Unternehmer, dass er auf dem richtigen Weg war. Die Anfangsinvestitionen stemmte er mit Bankkrediten und Eigenmitteln. „Wir haben von Anfang an immer schwarze Zahlen geschrieben“, betont Matthäß. Im Jahr 2013 schließlich zog der Betrieb von der Salzburger Werkstätte, in der er die ersten ASCO-Maschinen mit einer Handvoll Mitarbeiter zusammengeschraubt hatte, nach Ainring im Berchtesgadener Land.

Schritt für Schritt baute Matthäß ein internationales Vertriebsnetzwerk auf. Zugute kam ihm dabei seine langjährige Erfahrung in der Maschinenbaubranche. Er kannte die geeigneten Ansprechpartner und wusste, worauf es in den einzelnen Exportmärkten ankommt. Die Erfolge des gebürtigen Chemnitzers, dessen Sohn Robert (31) im Unternehmen als Verkaufsleiter tätig ist, finden Anerkennung. Dieses Jahr erhielt er schon zum zweiten Mal in Folge den „Focus“-Award „Wachstumschampion“. Die Auszeichnung geht an die 500 wachstumsstärksten Unternehmen in Deutschland.

Das hohe Expansionstempo führt der Firmenchef auf die bedienerfreundliche Software und die ausgefeilten elektrohydraulischen Antriebe der ASCO-Anlagen zurück. „Dadurch reduziert sich die Arbeitsgeschwindigkeit im Vergleich zu den Maschinen unserer Wettbewerber deutlich“, so Matthäß. Neu hinzugekommen sind in den vergangenen Jahren die sogenannten Doppelbieger, die eine Blechbearbeitung von oben und unten ermöglichen, während die klassischen Langabkantmaschinen die Bleche ausschließlich von unten biegen.

Ausgesprochen innovativ

Für sein neuartiges Visual Profiling erhielt ASCO den Baumetall Innovationspreis 2016. Mit dieser Technik kann die Computersteuerung der Maschinen die von Hand auf ein Blatt Papier gezeichneten Blechprofile binnen Sekunden erfassen und damit automatisch Blechprofile zum Beispiel für Fensterbankabdeckungen produzieren.

Hierzu wird das Papier mit der Zeichnung einfach in einen Schlitz an der Maschine geschoben. „Spenglereien zum Beispiel können dadurch ihre Kundenaufträge schneller erfassen und bearbeiten“, erklärt Matthäß. In der Regel erfolgt die Profileingabe allerdings per Bildschirm – entweder direkt an der Maschine, im Büro oder auch per App.

ASCO setzt auf eine enge Zusammenarbeit mit den Kunden. „Wir lassen deren Wünsche und Anregungen möglichst schnell in unsere Fertigung einfließen“, erklärt
Matthäß. Entstanden ist so beispielsweise eine neuartige App, mit der man Blechprofile via Smartphone zeichnen, speichern und verschicken kann. Die Bearbeitungsaufträge werden von der Maschinensteuerung direkt übernommen und ausgeführt. „Mit dieser App können vor allem unsere weltweit vernetzten Großkunden noch effizienter arbeiten“, versichert der Unternehmer.

Zudem werden Wartungs- und Reparaturarbeiten per Smartphone erleichtert, etwa wenn ein ASCO-Kunde von einer defekten Maschine Videosequenzen und Fotos an die Bischofswiesener Zentrale schickt. „Auf den Bildern können wir die Fehlerquellen entdecken, die Servicetechniker entsprechend anweisen, die nötigen Reparaturempfehlungen übermitteln und die passenden Ersatzteile versenden“, erklärt Matthäß.

Für die App-Entwicklung, mit der ASCO einen externen Dienstleister beauftragte, erhielt das Unternehmen aus dem Förderprogramm Digitalbonus einen Zuschuss in Höhe von 10 000 Euro. Mit dem Digitalbonus unterstützt der Freistaat kleine und mittelständische Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft mit einer Betriebsstätte in Bayern zum Beispiel bei der Produktentwicklung mittels Software. Die nächsten zukunftsweisenden Ideen hat Unternehmer Matthäß bereits parat. Er denkt an automatisierte Biegezentren, in denen Roboter das Blechhandling komplett übernehmen. „Außerdem wollen wir unser Produktportfolio erweitern und unter anderem Softwarelösungen für die Maschinenbaubranche anbieten“, kündigt Matthäß an.