Exponat September 2020

Der Münchner Hauptbahnhof: Kathedrale des Fortschritts

Der Münchner Hauptbahnhof ist aktuell eine Großbaustelle. Das Bayerische Wirtschaftsarchiv zeichnet nach, dass dies im Laufe seiner 181jährigen Geschichte immer wieder Fall war.

„Selbst der Münchner Hauptbahnhof, 15 Jahre lang eine aufgeräumte Bombenruine, glänzt plötzlich mit Glasbedachung, asymmetrischem Vordach und Deutschlands größter - im Beisein von Kongressklerikern eröffneter Wechselstube“ schrieb das Hamburger Magazin „Der Spiegel“ vor 60 Jahren. Pünktlich zum 37. Internationalen Eucharistischen Weltkongress in München 1960 war das neue Empfangsgebäude des Münchner Hauptbahnhofs vollendet worden.

Die Anfänge waren bescheiden gewesen. Als am 1. September 1839 die erste Teilstrecke der München-Augsburger Eisenbahnlinie nach Lochhausen unter dem Jubel der Zuschauer feierlich eröffnet wurde, war das Münchner „Stationsgebäude“ noch ein schlichter Holzbau auf dem Marsfeld in der Nähe der heutigen Hackerbrücke. 1847 vernichtete ein Großfeuer das Provisorium.

Den Auftrag für den Neubau erhielt der aus Burk im Landkreis Dinkelsbühl stammende junge Architekt Friedrich Bürklein. Er errichtete auf der alten Schießstätte der Kgl. Privilegierten Hauptschützengesellschaft ein dreigliedriges Gebäudeensemble, für das Max von Pettenkofer eigens eine Holzgasbeleuchtung entwickelte. Zu den viel bestaunten modernen Errungenschaften gehörten eine Warmwasserheizung und eine große Schlaguhr mit zentralem Antrieb für mehrere Zifferblätter.

Doch diese Anlage wurde mit dem umfangreichen Bahnstreckenausbau der Folgejahre zu klein. Großangelegte Umbaumaßnahmen der Jahre 1876 bis 1884 sollten Abhilfe schaffen. Mit dem eindrucksvollen Betriebshauptgebäude im Renaissancestil und der gewaltigen vierschiffigen Gleishalle galt der Münchner „Centralbahnhof“ gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Inbegriff des modernen deutschen Großstadtbahnhofs.

Ehrgeizige Pläne für den Hauptbahnhof, wie er seit 1904 hieß, hatten die Nationalsozialisten. Adolf Hitler wollte einen gigantischen Kuppelbau mit einem Durchmesser von 265 Metern. Über das Planungsstadium kamen die Entwürfe nicht hinaus. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof von Bomben schwer getroffen.

Doch Ende Juli 1945 konnten schon wieder fast 130 Züge täglich abgefertigt werden. 1953 wurde die Schalterhallte eröffnet. Zwei Jahre später begannen dann die Bauarbeiten am 174 Meter langen und 21 Meter hohen Bahnhofskomplex in „beherrschender hellgrüner Farbgebung“.

Heute ist der Neubau des Bahnhofs Geschichte. An seiner Stelle entsteht das Zugangsbauwerk zum unterirdischen Bahnhof der neuen S-Bahn-Stammstrecke. Im Bayerischen Wirtschaftsarchiv dokumentiert eine Vielzahl bildlicher Quellen die Stationen der Bahnhofsgeschichte

Dr. Eva Moser

Leiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchiv BWA