Exponat November 2019

‎„Das Glück in der Kaffeeschale“: Mit Malzkaffee zum Erfolg‎

Kathreiners Kneipp Malzkaffee wurde zu einem der ersten deutschen Markenartikel. Inzwischen ist das Unternehmen in die Insolvenz gegangen. Diese Geschichte zeichnet das Bayerische Wirtschaftsarchiv BWA nach.

1889 – vor 130 Jahren – begab sich der gestresste Prokurist der Münchner Firma Franz Kathreiners Nachfolger (FKN), Otto Pfäffle, nach Bad Wörishofen, um dort ausgiebig zu kuren. Ganz uneigennützig hatten ihn seine Chefs nicht ziehen lassen. Sie suchten einen Kontakt zu dem Gesundheitsguru der damaligen Zeit, nämlich Sebastian Kneipp.

Der Wörishofener Pfarrer hatte aus dem Allgäuer Ort ein Zentrum seiner Wassertherapie gemacht, das jährlich mehr als 30.000 Kurgäste anzog. In seinem 1889 veröffentlichten Werk „So sollt Ihr leben“ verwies er auf die Schädlichkeit des Bohnenkaffees und empfahl stattdessen, Malz oder Getreide zur rösten und davon Kaffee zu machen.

Die Inhaber von FKN, Emil Wilhelm und Adolph Brougier, erkannten, dass der Gedanke Kneipps die Grundlage für ein großes Geschäft sein müsste. Sie verpflichteten daher einen wissenschaftlich und technisch ausgewiesenen Fachmann, um ein wohlschmeckenderes Kaffeeersatzmittel zu entwickeln. Denn bisher wurde üblicherweise nur Braumalz geröstet, und der Geschmack ließ sehr zu wünschen übrig.

Frühzeitig setzte Kathreiner auf ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein und hatte die „Anhänger einer naturgemäßen Lebensweise“ als Abnehmer im Blick. Dazu kam noch, dass Malzkaffee erheblich billiger als Bohnenkaffee war. 1896 erreichte der Vorstand der neu gegründeten Malzkaffeefabriken, Hermann Aust, dass seine Firma mit dem Namen, dem Bild und der Unterschrift von Pfarrer Kneipp werben durfte. Damit war der Durchbruch geschafft.

Kathreiners Kneipp Malzkaffee wurde zu einem der ersten deutschen Markenartikel. Rund 100 Jahre später musste das Mutterunternehmen Insolvenz anmelden. Im Bayerischen Wirtschaftsarchiv haben sich zahlreiche Quellen zur Geschichte des gesunden Heißgetränks erhalten.

Dr. Richard Winkler, stellv. Leiter des Bayerischen Wirtschaftsarchivs