Exponat Juli 2021

Die Schmidt-Bank in Hof: Nach 177 Jahren kam das Aus

Es war die bislang teuerste Krise der bundesrepublikanischen Bankengeschichte: 2001 – vor zwanzig Jahren – musste ein Bankenpool aus den vier großen deutschen Geschäftsbanken und die Bayerische Landesbank einspringen, um die ins Trudeln geratene traditionsreiche Schmidt-Bank aus Hof aufzufangen.Das Bayerische Wirtschaftsarchiv zeichnet die Geschichte des Bankhauses nach.

Am Anfang stand 1828 der Handel mit wildwachsenden Heilkräutern aus dem nahen Fichtelgebirge. Damals machte sich der Kaufmann Karl Matthäus Schmidt mit einem Spezereiwarengeschäft in Wunsiedel selbstständig. Er legte den Grundstock für eine der ältesten Privatbanken Bayerns, die ganze 177 Jahre Bestand haben sollte.

Noch sein Enkel Karl Schmidt betätigte sich im Großhandel mit Medizinalkräutern, reichte aber bereits auch umfangreiche Kredite an die im Geschäftsbezirk ansässige Stein-, Porzellan-, Textil- und Holzindustrie aus. 1905 verlegte er den Firmensitz in das verkehrsgünstiger gelegene Hof an der Saale. Vor dem Ersten Weltkrieg verfügte das Unternehmen in Nordbayern bereits über 28 Niederlassungen.

Unter der Leitung von Karl Gerhard Schmid, Bankchef in fünfter Generation, setzte die große Expansion der mittlerweile ganz auf das Bankgeschäft konzentrierten Firma ein. Verfügte sie vor Kriegsausbruch 1939 über 58 Filialen, entwickelte sie sich bis etwa Mitte der 1990er Jahre zu einer Art privat geführten Sparkasse mit 90 Zweigstellen und 1100 Mitarbeitern. Zudem galt sie als wichtiger Kreditgeber für die klein- und mittelständische Wirtschaft. 1990 erfolgte der Filialaufbau in Sachsen und Thüringen. Um die Jahrtausendwende stand das Geldhaus aus Hof hinter dem Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim auf Platz 2 der deutschen Privatbanken.

Das Engagement in den neuen Bundesländern und hohe Risiken im Kreditgeschäft brachten jedoch erhebliche Probleme mit sich. Sie wurden zunächst noch verdeckt vom Erfolg der Tochtergesellschaft „ConSors Discount-Broker“, die Karl Gerhards Sohn, Karl Matthäus Schmidt, gegründet hatte. Sie stieg zeitweilig zum europäischen Marktführer bei elektronischen Finanzdienstleistungen auf. Doch der Absturz der Consors-Aktie riss auch die schwer angeschlagene Schmidt-Bank mit sich. Im Zug der Rettungsaktion wurden die Hofer Zentrale und die Hälfte der Bankniederlassungen geschlossen. Die restlichen 70 Filialen der aufgelösten Schmidt-Bank gingen 2004 an die Frankfurter Commerzbank.

Karl Gerhard Schmidt – der „König von Hof“, wie ihn „Die Zeit“ einmal titulierte – zählte zu den großen Mäzenen in Nordbayern. So rief er unter anderem die Stiftung „Freunde von Bayreuth“ ins Leben, eine einflussreiche Vereinigung von Förderern der Bayreuther Festspiele. Außerdem hat er sich aus politischer Verantwortung um die Unterstützung der strukturschwachen Gebiete dieser Region verdient gemacht. Die historische Überlieferung seines Bankhauses hat im Bayerischen Wirtschaftsarchiv eine neue Heimat gefunden.

Dr. Harald Müller, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bayerischen Wirtschaftsarchivs