Exponat Januar 2022

„Wasser marsch!“ Die Anfänge der Fabrikfeuerwehren in Bayern

1867 gab es die erste Löschordnung in Bayern. Bereits im selben Jahr wurde die erste Fabrikfeuerwehr gegründet. Nicht immer ist es gelungen, Brände zu vermeiden, wie das Bayerische Wirtschaftsarchiv aus seinen Beständen berichtet.

In früheren Zeiten nahmen die Menschen bei Gefahr und Katastrophen Zuflucht zu den Schutzheiligen. Als Patron gegen die Feuersnot gilt bis heute der Heilige Florian: „"Heiliger Ritter Florian, nimm um unser Haus und unsern Hof dich an! Lösch das Feuer der Sünde, dass es nit tut Brunnen, dass wir dem engen Tod entrinnen."

1867 – vor 155 Jahren - erließen die Königlichen Bezirksämter in Bayern eine Feuerlöschordnung. Sie gab genaue Anweisungen und Verhaltensmaßnahmen bei Bränden vor. Diese Verordnung führte zur Gründung zahlreicher Freiwilliger Feuerwehren in den ländlichen Gemeinden. Im Zug der Industrialisierung riefen aber auch Unternehmen damals schon ihre eigenen Feuerwehren ins Leben. Gerade die Spinnereien waren wegen der Lagerung und Verarbeitung leicht brennbarer Stoffe wie Baumwolle stark gefährdet.

1867 gründete die Mechanische Spinnerei und Weberei in Kaufbeuren – einer der ersten Großbetriebe im Allgäu - ihre eigene Werksfeuerwehr. Auch in der Baumwollspinnerei Kolbermoor an der Mangfall formierte sich damals eine Feuerwehr. Die Fabrik stellte 90 Mann. Vom ortsansässigen Torfwerk kamen noch 30 Mann dazu. Die Kosten für die Ausrüstung in Höhe von 900 Gulden übernahm die Spinnerei. Diese Vorkehrungen konnten jedoch nicht verhindern, dass im November 1898 ein schreckliches Brandunglück den Betrieb in Kolbermoor heimsuchte. Innerhalb von eineinhalb Stunden brannte das Hauptgebäude vollständig nieder. 26 Feuerwehren konnten gerade noch ein Übergreifen der Flammen auf das Baumwollmagazin, eine nahegelegene Gasfabrik, aber auch auf Kirche und Schule verhindern.

Retten – Löschen – Bergen – Schützen – diese vier Kernaufgaben nehmen auch die Fabrikfeuerwehren wahr. Welche Bedeutung diesen wichtigen betrieblichen Einrichtungen zukommt, lässt sich aus den reichhaltig vorhandenen Materialien im Bayerischen Wirtschaftsarchiv ablesen.

Dr. Harald Müller, Wiss. Mitarbeiter im Bayerischen Wirtschaftsarchiv