Exponat Februar 2022

Der Schutz mit dem Piks – die Anfänge des Impfens in Bayern

Auseinandersetzungen um das Impfen sind nichts neues. Wie das Bayerische Wirtschaftsarchiv zeigt, war die Impfung gegen die Pocken in Bayern durchaus umstritten.

Der Streit um die Impfpflicht im Gefolge der Pandemie zieht sich seit Monaten quer durch Parteien und Gesellschaft. Doch schon vor 215 Jahren mussten sich die Untertanen in Bayern mit einer von der Obrigkeit verordneten Injektion auseinandersetzen.

1807 führte das junge Königreich als weltweit erster Staat die Impfpflicht gegen die Pocken ein. Seit Jahrhunderten waren die Blattern eine Geißel der Menschheit. Der russische Zar Peter und der französische König Ludwig XV. erlagen der hochgefährlichen, verbreiteten Infektionskrankheit. Auch der bayerische Kurfürst starb 1777 an einer Infektion. Viele Opfer wurden blind oder taub, außerdem von den Narben für ihr Leben entstellt.

Der englische Arzt Edward Jenner entdeckte 1796 die rettende Impfung mit Kuhpocken. König Max I. Joseph war von der Wirksamkeit fest überzeugt. „Saumseligen und Widersezlichen“ drohte er mit angemessener Geldstrafe. Die Erzeugung des Impfstoffs lag zunächst bei den Impfärzten in den Bezirken, wurde später aber aus Kostengründen zentralisiert. Spätestens 1817 hieß diese Einrichtung Zentralimpfanstalt. 1874 verabschiedete schließlich das Deutsche Reich die Pocken-Impfpflicht. Andere Impfungen gewannen an Bedeutung, so etwa gegen Diphterie. 1957 startete die erste Massenimpfung gegen Kinderlähmung. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines verheerenden Ausbruchs der Hongkong-Grippe Ende der 1960er Jahre kam die Grippeimpfung auf. Vor allem in den Betrieben wurden Reihenimpfungen vorgenommen.

Der bayerische König hatte seinerzeit eine kostenfreie allgemeine Impfung verfügt. Welche Bedeutung diese Maßnahme hatte, lässt sich auch daran ablesen, dass Schutzpocken-Impfungs-Scheine sorgfältig aufbewahrt wurden und sich gerade in persönlichen Nachlässen des Bayerischen Wirtschaftsarchivs bis heute erhalten haben.

Dr. Eva Moser, Leiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchivs