Exponat Februar 2021

‎„Es saust das Dampfross rings durchs Land“: Die Anfänge des Lokomotivbaus in Bayern

1841 wurde die erste Lokomotive in Bayern fertiggestellt. Getauft wurde sie "Der Münchner". Das Bayerische Wirtschaftsarchiv zeichnet die Geschichte des Lokomotivbaus in Bayern nach.

Als 1835 erstmals in Deutschland eine Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth dampfte, musste die Lokomotive noch in England, dem Mutterland der Industrialisierung, bestellt werden. Der vielseitige und innovative Münchner Unternehmer Joseph Anton von Maffei erkannte rasch das Potential der technischen Neuentwicklung und trieb den Bau einer Eisenbahnstrecke von München nach Augsburg erfolgreich voran.

Bald ging er noch einen Schritt weiter und entschloss sich, selbst ein Dampfross zu bauen. Dazu erwarb er außerhalb der Stadtgrenzen in der Hirschau eine kleine Hammerschmiede mit einer Eisengießerei. 1841 – vor 180 Jahren - konnte er die Fertigstellung der ersten bayerischen Lokomotive König Ludwig I. vermelden. Der Monarch verlieh ihr huldvoll den Namen „Der Münchner“.

Die „Jungfernfahrt“ in die Lechstadt absolvierte der Zug trotz heftigen Gegenwinds in gut einer Stunde. Die „Münchner Politische Zeitung“ lobte die „großartige“ Probefahrt und wies auf die hohe Ehre hin, dass „Der Münchner“ auf dem Rückweg die badische Großherzogin Stephanie von Augsburg in die Residenzstadt bringen durfte. Die positiven Meldungen schlugen sich allerdings nicht in klingender Münze nieder. Maffeis erste Lokomotive wurde mit Entwicklungskosten von 200.000 Gulden zum Verlustgeschäft. Die Königlich Bayerische Eisenbahnbau-Kommission erwarb die Maschine erst 1847 zu einem Preis von 24.000 Gulden.

Der weitblickende Unternehmer ließ sich jedoch nicht entmutigen. Bereits 1851 gewann seine 72. Lokomotive mit dem Namen „Bavaria“ das Aufsehen erregende Wettfahren am Semmering und machte beim Steilrampenfahren den ersten Preis. Der internationale Durchbruch war geschafft.

1866 gründete der aus Augsburg stammende Georg Krauß (ab 1905 Ritter von Krauß) in München die zweite Lokomotivfabrik. Beide Unternehmen florierten, bis Mitte der 1920er Jahre eine Krise im deutschen Lokomotivbau einsetzte und 1931 eine Fusion zur Krauss-Maffei AG unausweichlich wurde. Das Bayerische Wirtschaftsarchiv verwahrt die historische Überlieferung des großen Industrieunternehmens bis zurück in die Gründungsjahre.

Dr. Harald Müller, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bayerischen Wirtschaftsarchivs