Exponat des Monats April 2020

Fürsorge und Vorsorge – Betriebliche Sozialeinrichtungen

Die soziale Absicherung ist im Zuge der Corona-Krise in den Fokus gerückt. Sie hat jedoch in Deutschland Tradition, wie das Bayerische Wirtschaftsarchiv mit seinen Exponaten zeigt.

Der Ausbruch des Corona-Virus hat auch für Berufstätige massive Folgen. Wie steht es mit der Lohnfortzahlung bei einer Quarantäne, wie sieht es mit der Krankschreibung aus und ähnliches mehr. Glücklicherweise sind die Deutschen in aller Regel gut abgesichert.

Bereits vor der Bismarckschen Sozialversicherung 1884 wurden schon im 18. Jahrhundert erste Betriebskrankenkassen gegründet, um Arbeiter und ihre Familien im Fall von Krankheit oder bei Unfällen zu unterstützen. Die heute älteste Einrichtung dieser Art in Bayern wurde 1844 von dem fränkischen Fabrikanten Lothar von Faber für seine Bleistiftfabrik ins Leben gerufen. 1866 trat Dr. Carl Knaps bei der BASF in Ludwigshafen – seinerzeit noch dem Königreich Bayern zugehörig – als erster Werksarzt in Deutschland seinen Dienst an. In Berlin begann 1913 das Kaiser-Wilhelm-Institut für Arbeitsphysiologie mit seiner Tätigkeit und setzte sich schon damals auch mit Fragen von Ermüdung und körperlicher Leistungsfähigkeit auseinander. Im Freistaat Bayern nahm das erste Institut für Arbeitsmedizin unter Leitung von Franz Koelsch 1921 in München den Betrieb auf.

Die Baumwollspinnerei im oberbayerischen Kolbermoor gründete 1862 nicht nur einen Unterstützungsverein, sondern ließ 1892 sogar ein eigenes Krankenhaus errichten. Die Thematik der betrieblichen Sozialeinrichtungen ist in unseren Archivbeständen gut dokumentiert.

Harald Müller M.A., Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bayerischen Wirtschaftsarchivs