Familie & Beruf

Mini-Kita - Familienfreundlichkeit ganz groß

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© stefanie aumiller

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf liegt Sabine Fuchsberger-Paukert, Geschäftsführerin der ilapo GmbH, besonders am Herzen. Im Interview erklärt sie, wie das Unternehmen Mitarbeiter/innen im Berufsalltag unterstützt.

Können Sie sich als Person und Ihr Unternehmen kurz vorstellen?

Ich bin Apothekerin, geboren in einer Apotheker-Familie und habe schon als Kind fleißig Salben in der elterlichen Apotheke gerührt. Mir war so gesehen schon immer klar, dass das mein Beruf ist. Nach meinem Studium habe ich angefangen, in der „Internationale Ludwigs-Apotheke“ in München zu arbeiten und habe im Jahr 2006 dann als Geschäftsführerin die Tochterfirma ilapo übernommen. Wir arbeiten in einem pharmazeutischen Nischengroßhandel; das heißt, wir besorgen Arzneimittel zum Beispiel aus dem Ausland, die über die Regelversorgung nicht lieferbar sind.

Was war Ihre Motivation, eine Mini-Kita zu gründen?

Obwohl wir auch Männer und ältere Menschen beschäftigen, ist die Mehrheit unserer 50 Mitarbeiter jung und weiblich. 2013 kam dann die naheliegende Frage auf, wie man bei der ilapo auch mit Kindern weiterarbeiten kann. Bis dato hatten Mitarbeiterinnen ihre Kinder bekommen und waren sozusagen weg. Damals war auch bereits ein deutlicher Wandel in der Gesellschaft spürbar. Arbeitnehmer begannen immer öfter nachzufragen, was der Arbeitgeber tun kann, um sie dabei zu unterstützen, Beruf und Familie zu vereinbaren. Viele Familien können es sich einfach nicht leisten, wenn nur ein Elternteil arbeitet. Als ich dann Ende 2015 dem Arbeitskreis der IHK „Frauen in der Wirtschaft“ beigetreten bin, habe ich mich speziell für das Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ interessiert. Den steigenden Druck der Unternehmen, Mitarbeiter zu halten, kannte ich aus eigener Erfahrung. Im IHK-Arbeitskreis lernte ich eine Frau kennen, die eine Mini-Kita gegründet und gute Erfahrungen damit gemacht hatte. Und als dann in unserem Firmengebäude noch freie Räume zur Verfügung standen, war die Entscheidung getroffen, auch eine Mini-Kita zu gründen. Danach galt es noch, unseren Gesellschafter zu überzeugen, Zeit und Geld zu investieren und der Startschuss war gefallen.

Die Mini-Kita ist eine Investition, die wir gerne gemacht haben – ich bin froh um jede Frau und jeden Mann, die/ der im Unternehmen bleibt.

Sabine Fuchsberger-Paukert, Apothekerin und Geschäftsführerin der ilapo GmbH

Wie lief die Organisation der Mini-Kita?

Wir sind wahrscheinlich einer der seltenen Fälle, in dem die Organisation eher semi-optimal lief. Sie hat sich leider so lange hingezogen, dass wir erst Anfang 2018 eröffnen konnten. Das lag größtenteils daran, dass unser Bürokomplex einem Finanzinvestor gehört, mit dem sich die Verhandlung des Vertrags als äußerst schwierig erwies. Sira – ein junges Startup, das die Mini-Kitas organisiert, bekam vom Investor keinen Mietvertrag. Schließlich haben wir als ilapo den Mietvertrag ausgehandelt. Im Normalfall läuft das aber deutlich reibungsloser: Man hat freie Flächen, möchte eine Mini-Kita gründen und ein Dienstleister kümmert sich um die Organisation. Aber selbst bei uns, wo es nicht ganz so einfach war, ist heute schon klar, dass sich der Aufwand gelohnt hat.

Wie hoch ist der Aufwand für die Mini-Kita?

Wenn die Kita erst einmal steht, ist der Aufwand gering. Nach dem Mietvertrag haben wir eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen, in der es beispielsweise darum geht, wie viel der Arbeitgeber zahlt, wie hoch der Mitarbeiter-Anteil ist, wie man die Plätze verteilt, und was man macht, wenn Plätze frei sind. Ich habe zwei der insgesamt zehn Plätze für meine Mitarbeiter gebucht, darunter ist übrigens auch ein Vater. Darüber hinaus haben noch zwei weitere Unternehmen als Sponsoren der Mini-Kita ein Anrecht auf die Plätze. Die übrigen Plätze werden an das Jugendamt der Stadt München gemeldet. Ein Teil des Aufwands liegt auch bei der Personalabteilung, die sich um die Platzverteilung und die Rechnungsadministration kümmert. In Hinblick auf Kosten liegt der Arbeitgeber-Anteil monatlich bei 350 Euro und man investiert pro Platz 5.000 Euro als Startkapital für zehn Jahre.

Warum ist es für ein Unternehmen wichtig, Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen?

Ich denke, es ist vor allem für kleine Unternehmen sinnvoll. Bei einem großen Konzern geht man davon aus, einen Kita-Platz zu bekommen, von einem kleinen Unternehmen erwartet das aber niemand und schätzt es deshalb umso mehr. Die Tatsache, dass wir die Kinderbetreuung für die Arbeitnehmer organisieren, macht uns als Arbeitgeber besonders attraktiv.

Wie gehen Ihrer Erfahrung nach Unternehmen mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf um?

Apotheken sind schon immer sehr familienfreundlich gewesen, so gesehen komme ich aus einer Branche, in der die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schon immer gelebt wurde. Da sowohl der Beruf Apotheker als auch der Pharmazeutisch-Technische Assistent (PTA) hauptsächlich von Frauen ausgeübt wird, ist das Thema dort schon sehr präsent. Anders erlebe ich es beispielsweise bei Handwerksberufen, die haben einfach noch eine andere Tradition. Aber auch hier können wir als gutes Beispiel vorangehen, denn in Zeiten des Fachkräftemangels können wir uns es nicht leisten, auf die Arbeitskraft von Frau oder Mann zu verzichten, wenn sie oder er gerne weiterarbeiten möchte.

Welchen Tipp würden Sie Unternehmen geben, die etwas für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für ihre Mitarbeiter tun wollen?

Ich möchte mit auf den Weg geben, dass solche Projekte realisierbar sind. In unserem Fall hat sich der Dienstleister Sira um vieles gekümmert und zum Beispiel die Firmen akquiriert. Ich kann diesen Weg jedem Unternehmen empfehlen. Außerdem gibt es zahlreiche Infoveranstaltungen und Netzwerke, in denen man sich austauschen und Anregungen holen kann. Für kleinere oder auch mittelständische Unternehmen kann sich zudem ein interner Arbeitskreis aus interessierten Mitarbeitern lohnen. Bei uns kamen beispielsweise vier Personen zusammen und haben diskutiert und überlegt, was wir für das Thema „Familie und Beruf“ machen können. Wir haben dann fünf Punkte erarbeitet, auf die wir uns fokussieren möchten. Natürlich kann man vor allem als kleines Unternehmen nicht alles auf einmal umsetzen, aber selbst mit kleinen Maßnahmen kann man schon viel bewirken.

Weitere Angebote bei ilapo, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren‎

Dazu gehören Flexi-Lösungen, Teilzeit, Vertrauensarbeitszeiten und Job-Sharing-Modelle – auch für Führungskräfte – sowie familienbewusste Besprechungszeiten. Zwei meiner Führungskräfte teilen sich beispielsweise eine 150-Prozent-Stelle und organisieren bzw. vertreten einander in Abwesenheit. In Zukunft möchten wir auch eine familienbewusste Ausbildung anbieten. Das heißt, wir geben Auszubildenden mit Kind die Chance auf einen Ausbildungsplatz.

Für uns ist es wichtig, dass diejenigen, die sich gerade in einer Auszeit befinden, weiterhin informiert bleiben und sich als Teil des Unternehmens fühlen. Dazu verschicken wir zum Beispiel Einladungen zu Jubiläen oder Festen, damit die Bindung an das Unternehmen erhalten bleibt.

Dieses Büro haben wir eröffnet, damit Eltern in Notfällen mit ihren Kindern ins Büro kommen und von dort aus arbeiten können.

Dazu haben wir Mitarbeiter benannt, die Informationen und Kontakte an ihre Kollegen weitergeben, wenn sie beispielsweise ein Kind erwarten. Das ist keine klassische Beratung, aber wir geben ausgewähltes Informationsmaterial zum Beispiel zum Elterngeld weiter.

Als Mitglied bei „Familienpakt Bayern“ und „Erfolgsfaktor Familie“, aber auch über den Arbeitskreis der IHK „Frauen in der Wirtschaft“ können wir den Austausch halten und Konzepte weiterentwickeln.