AusbildungsScouts

Botschafter für die duale Berufsausbildung

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© © Goran Gajanin für den BIHK

Eltern, Freunde, Lehrer oder Arbeitsagentur bringen bei der Berufswahl weiter. Aber auch die IHK Ausbildungsscouts haben Informationen und Erfahrungen aus erster Hand; sie sind Auszubildende aus den unterschiedlichsten Berufen, die in Schulen über sich und ihren Ausbildungsalltag berichten. Wir haben mit zwei von ihnen gesprochen.

Anna

Welchen Beruf erlernst du und warum hast du dich dafür entschieden?

Seit Herbst 2016 lasse ich mich im Fachgeschäft Brandl zur Einzelhandelskauffrau ausbilden. Wir verkaufen dort nahezu fast alles rund um Küche und Haushalt, aber auch Werkzeuge und Eisenwaren. Entschieden habe ich mich für meinen Beruf, weil es mir großen Spaß macht, mit Menschen zusammen zu arbeiten, tagtäglich Kontakt zu ihnen zu haben und möglichst viele verschiedene Aufgaben zu erledigen. Ein Bürojob wäre rein gar nichts für mich! Das war mir anfangs nicht so klar. Aber eine Reihe von Praktika haben mir schnell die Augen geöffnet. Unter anderem war ich bei der AOK, der Sparkasse und auch beim dm. Im Drogeriemarkt hat es dann sozusagen gefunkt.

Du bist IHK AusbildungsScout, wie bist du zu den Scouts gekommen?

Thomas Brandl, mein Chef, hat mich drauf angesprochen und meinte, das sei doch was für mich. Herr Brandl hatte darüber in einer Veranstaltung der IHK erfahren und gleich an mich gedacht.

Was macht ein AusbildungsScout?

Als Scout gehst du in Schulen, stellst dich vor eine Schulklasse und erklärst dann den Jugendlichen deinen Beruf. Ich selbst bin vor allem an Mittelschulen unterwegs und treffe dort auf Schüler der 8. Klassen. Ihnen muss ich gut rüber bringen, was meine täglichen Aufgaben als Azubi zur Einzelhandelskauffrau sind, warum ich mich genau für diese Ausbildung entschieden habe und auch, was ich nach dem Ausbildungsabschluss noch draufsatteln kann. In meinem Fall gibt es zum Beispiel die Option, sich zum Betriebswirt, Handelsfachwirt oder Filialleiter weiterbilden zu lassen.

Wie bereitest du dich auf deinen Einsatz vor?

Der Grundstein für alle Einsätze wird mit einem eintägigen Seminar gelegt, das jeder künftige AusbildungsScout bei der IHK absolvieren muss. Da geht es natürlich zum einen um das Projekt an sich, warum wir das machen, was unser Ziel ist, wie so ein Klassenbesuch abläuft, welche Infos für die Schüler wichtig sind. Zum zweiten bereitet man an diesem Tag aber auch schon seinen Vortrag beziehungsweise die Präsentation vor. Man bekommt vom Trainer Tipps und Tricks verraten, wie man gut auf die Schüler und ihre Fragen eingeht und schlussendlich wie man präsentiert, damit möglichst alle bis zum Pausenklingeln bei der Sache bleiben!

Wenn dann ein konkreter Termin für einen Schuleinsatz im Raum steht, muss ich natürlich zuallererst in der Firma abklären, ob das passt. Schließlich muss ich freigestellt werden oder ich fange an dem Tag später an. Dann gehe ich natürlich noch mal meine Präsentation durch, suche meinen Scout-Button raus, den wir während des Schulbesuchs tragen. Und das war‘s eigentlich schon!

Wie ist es, vor einer Schulklasse zu stehen und über deinen Job zu berichten?

Am Anfang war ich schon noch etwas aufgeregt, aber das Lampenfieber legt sich mit jedem Mal schneller. Man gewinnt einfach an Routine. Vor allem ist es aber spannend, vor den verschiedenen Klassen zu stehen, denn jede ist anders. Da gibt es sehr ruhige Gruppen und dann wieder eher aufgeweckte, die einen neugierig mit Fragen löchern. Und man merkt meistens, ob ein Termin mit dem Lehrer vorbereitet wurde oder nicht.

Was bringt es dir persönlich, ein AusbildungsScout zu sein?

Auf alle Fälle fällt es mir heute viel leichter als früher, vor anderen frei zu sprechen. Davon profitiere ich auch in meinem Beruf. Im Geschäft muss ich mich ja auch trauen, auf fremde Leute zuzugehen, sie anzusprechen, ihnen meine Beratung anzubieten. Und dann ist der Spaßfaktor wirklich nicht zu verachten. Als Scout unterwegs zu sein, ist eine tolle Abwechslung. Und es macht mir auch Spaß, Jüngeren zu helfen, damit sie sich besser orientieren können. Sich zu entscheiden, was nach der Schule werden soll, ist so ein wichtiger Moment im Leben. Deshalb habe ich ein gutes Gefühl dabei, wenn ich den Jugendlichen helfen kann, die richtige Entscheidung zu treffen.

Hättest du früher auch gerne einen AusbildungsScout gehabt, der an deine Schule kommt und Berufe vorstellt?

Ja, auf alle Fälle! Der Kontakt zwischen einem Schüler und mir ist einfach ein ganz anderer, als wenn er mit einem Erwachsenen reden würde. Wir sind ja fast ein Alter! Das ist viel glaubwürdiger!

Simon

Welchen Beruf erlernst du und warum hast du dich für diesen Weg entschieden?

Nach meinem Fachabi vor drei Jahren habe ich eine Berufsausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration begonnen. Ich musste eigentlich gar nicht lange überlegen, welcher Beruf mir Spaß machen könnte. Mich fasziniert schon seit Ewigkeiten alles, was mit Computern zu tun hat. Das hängt auch ein Stück weit mit meinem Vater zusammen, der als Technischer Leiter eines Hotels arbeitet. Er hat mich schon früh auf den Technik-Trichter gebracht. Deshalb habe ich auch während meiner Realschulzeit ein Praktikum in einer IT-Abteilung bei der Allianz Versicherung gemacht. Das lief richtig gut und war super spannend. Und damit war eigentlich der Weg klar für mich.

Du bist IHK AusbildungsScout, wie bist du zu den Scouts gekommen?

Unsere Ausbildungsleiterin bei Noventi Healthcare war auf der Suche nach geeigneten Kandidaten. Sie war von der IHK angesprochen worden. Sie hat mich gefragt, ob ich Lust dazu hätte. Da ich schon gern erzähle und weitergebe, was ich weiß oder erlebe, fand ich den Vorschlag spannend, habe mich schlau gemacht und dann von der IHK schulen lassen. Ich gehöre zu den allerersten Scouts im Projekt und bin jetzt über zwei Jahre dabei.

Was macht ein AusbildungsScout?

Kurz gesagt: Er oder sie geht an die Schulen und darf dort den Schülern einen spannenden Einblick in seinen Job und seine Berufsausbildung geben, dass sie verstehen, dass das eine sehr gute Alternative zum Studium ist.

Wie bereitest du dich auf deine Einsätze vor?

Eigentlich gibt es inzwischen so gut wie nichts mehr vorzubereiten. Als Scout bekommst du ganz am Anfang deiner „Karriere“ eine eintägige Schulung bei der IHK. Während dieses Seminars erarbeitest du auch eine Präsentation über deinen Beruf, die Ausbildung und den Arbeitsalltag. Also all die Punkte, die du vor den Schülern ansprechen willst. Vor dem Einsatz gehe ich natürlich noch mal meine Präsentation durch, aktualisiere – wenn nötig – ein paar Punkte – fertig!

Wie ist es, vor einer Schulklasse zu stehen und über deinen Job zu berichten?

Das macht wirklich Spaß und inzwischen macht es mir rein gar nichts mehr aus. Meistens sind die Schüler echt entspannt. Ich habe es eigentlich nie erlebt, dass sie keine Lust zu unserer gemeinsamen Stunde hatten. Ich hatte eher den Eindruck, dass es für sie auch eine nette Abwechslung war. Es geht in der Regel richtig locker zu, ohne dass sich eine der beiden Seiten nicht ernst genommen fühlt.

Was bringt es dir persönlich, ein AusbildungsScout zu sein?

Viel. Vor allem hilft es dabei, offener vor Menschen aufzutreten. Rhetorisch fühle ich mich jetzt viel sicherer als am Anfang. Ich habe an meinem Sprechstil gefeilt und auch den einen oder anderen Tick ausmerzen können. Außerdem finde ich, dass es eine unschlagbar gute Vorbereitung auf die eigene mündliche Prüfung ist. Man ist dann definitiv nicht so aufgeregt!

Hättest du früher auch gerne einen AusbildungsScout gehabt, der an deine Schule kommt und Berufe vorstellt?

Ja, unbedingt. Ausbildungsmessen oder Berufsinformationstage sind sicherlich eine gute Sache. Aber ich hatte das Gefühl, dass man oft an den Ständen auf nicht so motivierte Mitarbeiter trifft, die ihre Ausbildungsangebote dann wie eine Ware anbieten und loswerden wollen. Mich hat das eher abgeschreckt. Dagegen mit einem Scout zu reden, der mit Begeisterung seine Ausbildung macht und von der Sache überzeugt ist, ist was komplett Anderes. Das pusht einen ganz anders, am Thema dran zu bleiben.

Marque

Welchen Beruf erlernst du und warum hast du dich dafür entschieden?

Da mich Technik interessiert, habe ich nach meinem Realschulabschluss eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker in einem Autohaus angefangen, bin dann aber auf Industriemechaniker umgeschwenkt. Das ist ein total vielfältiger und abwechslungsreicher Beruf, in dem ich mich super wohlfühle.

Du bist IHK AusbildungsScout, wie bist du zu den Scouts gekommen?

Die IHK hat meine Firma kontaktiert. Der Chef hat dann die Azubis gefragt, wer Interesse an so was hätte. Einige haben zugesagt, darunter ich. Für mich war klar, warum soll ich die Gelegenheit nicht beim Schopf ergreifen, man kann ja nur dazu lernen.

Was macht ein AusbildungsScout?

Wir Scouts sind an allen Schulen im Einsatz, egal ob Mittelschule, Realschule, FOS oder Gymnasium. Wir erzählen dort, welche Entwicklungsmöglichkeiten eine duale Berufsausbildung bietet, und dass das im Vergleich zum Studium auf keinen Fall ein falscher Weg ist. Im Gegenteil! Man kommt viel schneller ans Ziel und verdient sofort eigenes Geld. Meiner Erfahrung nach bereiten die Schulen ihre Schüler eher schlecht als recht auf die Zeit danach vor, bieten kaum Orientierungshilfe. Wenn die Scouts kommen, dann sprechen junge Leute mit jungen Leuten, das ist glaubwürdig und es ist ein Live-Erlebnis.

Wie bereitest du dich vor?

Am Anfang habe ich mir natürlich immer noch die Präsentation vorm Termin in der Schule angeschaut. Aber inzwischen ist mir alles so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich komplett frei spreche.

Wie ist es, vor einer Schulklasse zu stehen und über deinen Job zu berichten?

Natürlich erst mal ungewohnt! Das ist ja auch eine große Menschenmenge mit manchmal 20 bis 30 Leuten! Aber es macht immer Spaß und die meisten lassen sich auf das Abenteuer ein und bereiten sich auch auf unseren Besuch vor. Es ist sehr interessant, da gibt es die eher ruhigen Schüler, die sich schon Gedanken machen und natürlich auch die anderen, die das mit der Berufswahl oder, was nach der Schule werden soll, noch gar nicht so richtig auf dem Schirm haben.

Was bringt es dir persönlich, ein AusbildungsScout zu sein?

Ich bin jetzt seit einem Jahr dabei und muss echt sagen, dass mir die Auftritte als Scout mehr Sicherheit geben. Mein freies Sprechen ist dadurch viel besser geworden. Vor allem mache ich es aber, weil ich zu meiner eigenen Schulzeit die Angebote zur Berufsorientierung an der Schule als sehr schwach empfunden habe. Jetzt kann ich selbst etwas tun und zumindest einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass in dieser Hinsicht mehr passiert.

Hättest du früher auch gerne einen AusbildungsScout gehabt, der an deine Schule kommt und Berufe vorstellt?

Keine Frage, natürlich ja! Der Kontakt unter Jugendlichen beziehungsweise jungen Erwachsenen ist einfach ein ganz anderer und vor allem ein viel überzeugenderer!