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IHK Talk "Zukunft der Arbeit"

„IDEEN HABEN KRAFT“ ist das Motto unserer inspirierenden Talk-Reihe zum IHK-Jubiläum. Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus - hat die Arbeit noch Zukunft: Das war das Thema das IHK Talks in Schloss Tüssling.

Drei Speaker beleuchteten das Thema:

  • Günter Dillig von JobRoller in Straubing. JobRoller ist ein Stellenportal, das rund 20.000 Stellen bundesweit im Angebot hat. Das besondere an dem Unternehmen: Die Mitarbeiter von Jobroller arbeiten nur 30 Stunden in der Woche, werden aber für 40 Stunden bezahlt. "Nur wenn das Personal glücklich und zufrieden ist, kann es Leistung bringen", so lautet das Credo von Günter Dillig.
  • Deepa Gautam-Nigge leitet das SAP Next-Gen Innovation Network in München. Dabei handelt es sich um eine Community, die als Ziel hat, Innovationen bei den wichtigsten SAP-Kunden zu fördern. Zugleich coacht sie StartUps. Sie wird über neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Konzernen, Mittelstand, StartUps und Kapital berichten.
  • Ryan Nadeau leitet Projekte bei Galvanize Inc. in San Francisco. Sein Anliegen ist es, Menschen in kürzester Zeit für die Anforderungen der Künstlichen Intelligenz fit zu machen. Das Unternehmen richtet sich an Unternehmen, StartUps und Mitarbeiter gleichermaßen.
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Prachtvolles Ambiente in Schloss Tüßling

Volles Haus im Barocksaal des Renaissanceschlosses in Tüßling: Rund 220 Vertreter aus Wirtschaft und Politik genossen das herrschaftliche Ambiente, das angestrahlte Schloss und den prachtvoll beleuchteten Saal. "Ein grandioses Ambiente" fasste Moderator Leonhard Nima zusammen.

Und eines, das nicht nur zum Jubiläum der IHK passt, sondern auch zum Motto "Ideen haben Kraft", denn aus einem Gemäuer, das zu verfallen drohte, hat Gräfin Stephanie von Pfuel eine Location gemacht, die "vibriert", wie IHK-Präsident Eberhard Sasse. Das Schloss zeige, wie Unternehmertum wirkte.

Zum Thema "Arbeit der Zukunft" erläuterte IHK-Vizepräsidentin Ingrid Obermeier-Osl im Gespräch mit Moderatorin Karen Webb, dass es an den Unternehmen sei, sich zu ändern. Es werde nicht nur schwieriger, Personal zu finden sondern man müsse auch darauf achten, dass die Mitarbeiter "veränderbar" seien, um sich auf die Zukunft einzustellen.

Für Günter Dillig, Inhaber der Stellenbörse Jobroller in Straubing, liegt die zentrale Anforderung klar auf der Hand: Unternehmer müssten sich dringend auf die geänderten Anforderungen der Mitarbeiter einstellen. 1990 standen nach seinen Worten Geld und Arbeitsplatzgarantie ganz oben auf der Prioritätenliste der Mitarbeiter. Heute nehme dagegen die Freizeit ganz klar den ersten Platz ein, gefolgt von Gesundheit und Familie. Wer die besten Mitarbeiter finden und binden wolle, müsse ihren Wünschen entgegen kommen. In seinem Unternehmen beispielsweise haben die Mitarbeiter zwar einen 40-Stunden-Vertrag, können aber in der Regel nach 6 Stunden nach Hause gehen. Die Kosten, so prognostiert er optimistisch, würden durch höhere Motivation, mehr Leistung und weniger Krankheit aufgefangen.

Für Deepa Gautam-Nigge von SAP steht mehr Flexibilisierung der Arbeitszeit ebenfalls weit vorne. Das geltende Arbeitsrecht, darin war sie sich mit IHK-Präsident Sasse einig, reiche dafür nicht aus. Sie betonte jedoch, wie wichtig neue Formen der Zusammenarbeit seien. Das gelte nicht nur innerhalb eines Betriebes, sondern auch zwischen Unternehmen. Als Beispiel nannte sie die Autokonzerne BMW, Daimler und VW, die inzwischen über Kooperationen bei der Entwicklung Autonomen Fahrens reden würden.

Sie zeigte sich optimistisch über die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen, insbesondere des Mittelstandes, der Flexiblitätsvorteile gegenüber den Großunternehmen habe. Das Land der Ingenieure ist nach ihrer Auffassung in der Lage, die Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz zu meistern.

Für Ryan Nadeau, Projektentwickler beim kalifornischen Unternehmen Galvanize, liegt die Herausforderung in erster Linie bei der Künstlichen Intelligenz. Die Wirtschaft müsse jetzt anfangen und sie müsse dies mutig tun. Daten seien das "Gold" der Unternehmen: Wer sich vor fünf Jahren in Datenwissenschaft und Maschinenlernen eingearbeitet hätte, könne bis 2021 eine Ertragssteigerung um 39 Prozent erwarten. Umgekehrt warnte er davor, dass der Lebenszyklus von Unternehmen immer kürzer würde - vor allem, wenn sie sich nicht mit KI auseinander setzten.

Er skizzierte die Stufen des Umgangs mit Daten: Reporting, bei dem mit Hilfe von Daten analysiert wird, ob KPIs erreicht wurden, dann das regelmäßige Monitoring, gefolgt von regelmäßigen Analysen. Erst danach folge die aktive Nutzung von Daten, bei der Vorhersagen automatisiert werden und schließlich auch zu neuen Prozessen führe. Dies sei der kritische Punkt - viele Projekte würden geplant, aber nicht umgesetzt. Nadeau empfiehlt den Unternehmen, sofort anzufangen, mit dem Ziel, eine Kultur zu entwickeln, die sich beständig auf Daten stütze und diese nutze. Zugleich machte er den Unternehmen Mut: Alles, was sie bisher getan hätten, sei wichtig und unersetzlich. Sie müssten jetzt damit anfangen zu prüfen, welche Daten sie haben und die richtigen Fragen zu stellen. Die Aufgabe des Managements formulierte er deutlich: "Es ist Ihre Aufgabe zu verstehen, wie bedeutend dieser Prozess im Unternehmen ist, die richtigen Fragen zu stellen und die richtigen Leute einzustellen."