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IHK-Talk "Mobilität"

Mit der Zukunft der Mobilität beschäftigt sich der IHK-Talk in Ingolstadt.

Der Autofahrer, seine Mitfahrer, autonomes Fahren und Smart City

Vier Gesprächspartner waren beim IHK-Talk zur Zukunft der Mobilität:

  • Kann man Mobilität neu denken? Gibt es ganz neue Methoden der Fortbewegung? Das sind die Fragen, mit denen sich Mariana Avezum, Leiterin des Projekts Hyperloop, auseinandergesetzt hat.
  • Die Mobilität steht vor einem Paradigmenwechsel. Henrik Wenders gestaltet ihn mit. Denn das vollelektrische und vollvernetzte Auto, das er mit seinem Team von BYTON entwickelt, löst eines der größten Probleme unserer mobilen Welt: Beim Fahren nicht wertvolle Zeit zu verlieren, sondern zu gewinnen.
  • Wie kann man die Infrastruktur der Städte mit Autos und anderen Verkehrsteilnehmern vernetzen? Daran arbeitet Gerhard Stanzl als Leiter der Vorentwicklung Smart Mobility/Machine Learning bei Audi.
  • Der Ingolstädter Oberbürgermeister Christian Lösel will Ingolstadt als Standort der Hochtechnologie sichern - nicht zuletzt deshalb hat sich die Stadt beim Projekt Urban Air Mobility beworben.
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Von links: Henrik Wenders (Byton), Dr. Christian Lösel (Oberbürgermeister Ingolstadt), Mariana Avezum (TU München, Gründerin des Projekts Hyperloop), Gerhard Stanzl (Leiter der Vorentwicklung Smart Mobility bei Audi)

‎Zweite Station der IHK Talks zum 175jährigen Jubiläum: Mobilität der Zukunft war das ‎Thema in Ingolstadt und gleich ein aktuelles. „Die Mobilität war heute sehr einge-‎schränkt“, fasste IHK-Vizepräsident Georg Dettendorfer die Situation auf den Straßen ‎rund um Ingolstadt zusammen. Wie lassen sich Dauerstaus verhindern, gleichzeitig ‎das Bedürfnis nach Mobilität befriedigen und die Umwelt schonen – Thema für ‎Unterschiedliche Ansätze. ‎

„Ohne Mobilität funktioniert die Wirtschaft nicht“, stellte Dettendorfer eingangs fest. ‎Produktionsstandorte, Beschaffungs- und Absatzmärkte müssten verbunden sein, ‎damit die Wirtschaft auf dem Weltmarkt erfolgreich sein kann. Jeder einzelne, so der ‎IHK-Vizepräsident, baue auf Mobilität, ob er nun in den Urlaub strebe, zum Einkaufen ‎in die Stadt fahre oder sich seine Waren online bestellt und liefern lässt. Jetzt brauche ‎es neue Konzepte für die Mobilität der Zukunft. ‎

Flickenteppich an Standards behindert die Entwicklung von Smart Cities in Europa

„Das Auto als Freund der Stadt“ – dieses Ziel setzt sich Gerhard Stanzl, Leiter der Vor‎entwicklung Smart Mobility bei Audi. Stress, Stau und Umweltbelastung ließen sich ‎durch eine komplett vernetzte Stadt, die Smart City, deutlich reduzieren. Sensoren im ‎Auto können mit Ampeln kommunizieren, aber auch selbst kleine Schlaglöcher ‎melden, und Gefahren avisieren. Ziel ist autonomes Fahren, bei dem Fahrzeuge mitei‎nander und mit der Infrastruktur kommunizieren. „Für den Erfolg des Autonomen ‎Fahrens ist das Miteinander von Herstellern, Städten und Service-Anbietern ‎entscheidend“, betont Stanzl und ist damit beim wunden Punkt in Europa. Es gebe ‎anders als in den USA keine Standards für die Infrastruktur, sondern einen ‎regelrechten Flickenteppich. ‎

Ingolstadt als Zukunftsstandort für Hochtechnologie

Ingolstadts Oberbürgermeister Christian Lösel betonte, in seiner Stadt würden die Am‎peln bereits im nächsten Jahr so umgerüstet sein, dass sie direkt auf Fahrzeuge ‎reagieren könnten. Er will Ingolstadt im Wettbewerb der Städte als Zukunftsstandort für ‎Hochtechnologien sichern. Deshalb habe sich auch Ingolstadt um das Projekt Urban ‎Air Mobility beworben und freue sich über den Zuschlag. In der Stadt seien mit Audi ‎und Aerospace zwei große Mobilitätshersteller zu Hause. Flugtaxis werden nach ‎seiner Einschätzung in einem ersten Schritt zum Transport sehr eiliger Güter wie zum ‎Beispiel Organe oder Blutkonserven eingesetzt. Erst danach könne man an den ‎gewerblichen oder gar privaten Einsatz denken. ‎

Ein Anachronismus: Ein Mensch allein im Auto

Im Mittelpunkt der Forschungen von der jungen Doktorandin Mariana Avezum und Gründerin des Projekts Hyperloop an der TU München steht der Transport von Men‎schen und dabei kommt der klassische Autofahrer, der alleine in seinem Fahrzeug ‎unterwegs zum Ziel ist, nicht gut weg. "Tut mir leid für die Autofahrer unter Ihnen, aber ‎Sie sind verantwortlich dafür, dass es Staus gibt", rief sie den Zuhörern zu. ‎Durchschnittlich befänden sich lediglich 1,7 Personen in einem Fahrzeug, was nichts ‎anderes bedeute, als dass 66 Prozent der Sitzkapazität ungenutzt blieben. Um von A ‎nach B zu kommen, seien in den meisten Fällen mehrere Verkehrsmittel notwendig – ‎ein Flugzeug über den Atlantik, danach Zug oder Taxi. Vernetzung ist für Mariana ‎Avezum der erfolgversprechende Lösungsansatz. Sie schlägt vor, dass Menschen ‎gemeinsam fahren und unterschiedlichen Verkehrsmitteln gemeinsam nutzen und ‎dabei aber ihre Daten teilen, um leistungsfähige Netzwerke zu ermöglichen. Ein ‎Verkehrsmittel der Zukunft ist für sie der Hyperloop. Sie hat an der TU München ein ‎Projektteam gegründet, das drei Mal den Wettbewerb von Elon Musk zum Hyperloop ‎gewonnen hat. Wird es den Hyperloop eines Tages in Bayern geben? Ja“, sagt ‎Mariana Avezum, „Technologie und politischer Wille sind da.“‎

Autonomes Fahren wird kommen - aber es braucht Zeit

Ganz dezidiert dem Auto widmet sich der chinesische Konzern Byton – dem vollver-‎netzten, elektrischen Auto. Henrik Wenders, Vizepräsident Marketing von Byton, ‎postuliert, der Mensch solle beim Fahren nicht wertvolle Zeit verlieren, sondern ‎gewinnen. Er mahnt Europa, sich bei der Elektromobilität ins Zeuge zu legen. Noch ‎habe China Europa nicht abgehängt, meinte Wenders, „ aber es wird ein brutaler ‎Wettbewerb." Autonomes Fahren ist für ihn keine Zukunftsmusik, sondern realistische ‎Erwartung. Es bringe nicht nur mehr Zeit, sondern auch Sicherheit. „Der gefährlichste ‎Teilnehmer im Straßenverkehr ist der Mensch. Autonomes Fahren macht Mobilität ‎sicherer“, mahnte Wenders. ‎

Ein traumhafter Sommerabend, spannende Redner, interessierte Gäste - der IHK-Talk "Mobilität der Zukunft" am 24. Juli 2018 in Ingolstadt.