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IHK Talk "Globalisierung"

Welche Auswirkungen hat die Globalisierung? Ist die deutsche Wirtschaft langfristig international wettbewerbsfähig? Mit welcher Strategie wappnen sich erfolgreiche Unternehmen für die Zukunft? Das war Thema des IHK Talks zum Thema Globalisierung.

Unternehmen scheuen sich nicht vor Globalisierung

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Rund 160 Gäste beim IHK Talk "Globalisierung" in der Alten Spinnerei in Kolbermoor.

Fällt der Begriff Globalisierung, wird meist auch über den Standort China ‎gesprochen. Margit Molnar, China-Expertin bei der Organisation für ‎wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD), gab in Kolbermoor ‎Einblick über das „Reich der Mitte“. Wichtigstes wirtschafspolitisches Ziel bleibe ‎für die Führung in Peking weiterhin das Wachstum der heimischen Ökonomie, ‎der Handelsüberschuss befinde sich dabei auf stabilem Niveau. Was allerdings in ‎der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen worden ist: „Von 2014 bis 2016 war ‎China erstmals ein Netto-Kapitalexporteur“, so Molnar. Chinesische Unternehmen ‎haben also mehr in anderen Ländern investiert als ausländische Investitionen ‎nach China geflossen sind. „Die Rolle des Landes innerhalb der internationalen ‎Wirtschaftsordnung wandelt sich“, erklärt die OECD-Expertin.‎

Viel Erfahrung in der Zusammenarbeit mit asiatischen Zulieferern hat Konrad ‎Irlbacher. Der Gründer und Geschäftsführer der Fahrradmarke Corratec in ‎Raubling bezieht seit den 1990er Jahren Rahmen und andere Komponenten aus ‎dem asiatischen Raum. „Mit Rahmenbauern aus Taiwan konnten wir damals ‎unsere Ideen und Innovationen besser umsetzen als beispielsweise mit ‎italienischen Herstellern. Hinzu kamen die sehr gute Qualität bei pünktlichen ‎Lieferzeiten und günstigeren Preisen“, fasst Irlbacher zusammen. Insgesamt ‎würden mittlerweile nahezu alle Hersteller ihre Teile zu 90 Prozent in Asien ‎einkaufen. Er ist überzeugt: „Der Fahrradmarkt ist global, sowohl in der ‎Beschaffung als auch im Verkauf“. Für Corratec bedeute das, sich ständig auf ‎neue Situation in den unterschiedlichen Märkten anzupassen. In den letzten ‎Jahren hätte beispielsweise die Bedeutung von Märkten wie Russland oder der ‎Türkei abgenommen. Zugelegt haben dafür Südafrika, Australien und ‎Neuseeland.‎

Die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen fest im Blick hat hingegen Burton ‎Lee, Professor an der Stanford University in Kalifornien und Experte für ‎Innovation und künstliche Intelligenz. Eine der entscheidendsten Unterschiede in ‎der Unternehmenskultur zwischen Europa und den USA: Der An- oder Verkauf ‎von Unternehmensanteilen bei der Expansion spielt bei den Firmen des alten ‎Kontinents keine große Rolle. Dabei ist der Wert eines Unternehmens ‎ausschlaggebend – und dieser wird immer mehr vom Kapital in Form von Daten ‎und Software bestimmt. „Bei den wertvollsten Unternehmen der Welt stehen ‎Sammlung und Nutzung von Daten im Vordergrund. Vor 20 Jahren waren ‎hingegen noch traditionelle Industrieunternehmen an der Spitze“, weiß Lee. ‎

In Bezug auf die globale Rolle vieler IT- und Softwarekonzern erwartet der ‎Stanford-Professor für die Zukunft mehr Regulierung. „Die EU kann in dieser ‎Diskussion eine wichtige Rolle spielen“, glaubt Lee. Für die europäischen Länder ‎und insbesondere Deutschland hat er aber gleichzeitig eine klare Botschaft: ‎‎„Anstatt durch zusätzliche Regulierungen Wachstum zu verhindern, sollte eine ‎eigene Software- und Datenbasierte Industrie aufgebaut werden“.‎

IHK-Präsident Eberhard Sasse hat in diesem Zusammenhang keinen Zweifel. ‎‎„Bayerische Unternehmen werden auch in Zukunftstechnologien weltweit führend ‎sein, davon bin ich überzeugt“, so Sasse in seiner Begrüßung‎

Verkaufen sich deutsche Mittelständler auf dem Weltmarkt unter Wert? Welche Rolle spielt China im internationalen Geschäft? Wie kommt ein Familienunternehmen in der Globalisierung zurecht? Themen beim IHK Talk zum Thema "Globalisierung" am 18. September 2018 in der Alten Spinnerei in Kolbermoor.