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Sorgfältig rechnen – wie hoch ist der Kapitalbedarf tatsächlich?

Sorgfältig rechnen – wie hoch ist der Kapitalbedarf tatsächlich?

© onephoto/Adobe Stock

Mit Plan finanziert

Die richtige Finanzierung sichert Unternehmen Liquidität und Wachstum. Doch welche Finanzierungsform kommt in welcher Situation infrage? Ein Überblick.

Von Eva Müller-Tauber, IHK-Magazin 10/2026

Ein Unternehmen aufzubauen und langfristig erfolgreich zu führen, das schafft nur, wer kontinuierlich in sein Geschäft investiert: Know-how, Herzblut und natürlich Geld. Fachwissen und Leidenschaft bringt Anton Schuster in jedem Fall mit. Der Münchner gründete mit gerade einmal 20 Jahren die SLS Digitalization UG, die Mittelständler bei der digitalen Transformation berät.

Jetzt, 6 Jahre später, steht eine große Investition an. Der Plan: Schuster will in einem bestehenden Unternehmen, das breit gefächerte Beratungsdienste anbietet, die Nachfolge antreten und seine IT-Consulting-Firma ins neue Unternehmen integrieren. Ob er dieses Vorhaben umsetzen kann, hängt entscheidend von der passenden Finanzierung ab. Denn sei es bei Firmenkauf, Gründung, Neuanschaffung, Wachstumsfinanzierung oder Krisenpolster: Eine Musterlösung, wie ein Kapitalbedarf sich in dieser oder jener Situation am besten decken lässt, gibt es nicht.

Grobkonzept ist Chefsache

Aber es gibt bewährte Schritte, wie Firmen das zu ihnen passende Finanzierungskonzept finden. Der IHK-Finanzierungsexperte Wolfgang Wadlinger rät Unternehmern, das Thema selbst in die Hand zu nehmen: „Das Grobkonzept einer realistischen Finanzierungsvariante einer Investition kann und sollte sich jeder Unternehmer selbst erarbeiten.“

Fürs Feintuning sei dann oft ergänzend externe Unterstützung sinnvoll – etwa von der betriebswirtschaftlichen Beratung der IHK. „Im Einzelgespräch können wir klären, was tatsächlich möglich und sinnvoll ist“, sagt der IHK-Experte. „Wir haben einen guten Überblick über das aktuelle Fördermittelangebot und können auf Punkte hinweisen, die es noch zu beachten gilt.“

Kapitalbedarf realistisch planen

Und wie starten Unternehmen am besten? Erster wichtiger Punkt ist eine realistische Kapitalbedarfsplanung. Wie viel Geld brauche ich tatsächlich, um die Firmengründung oder den -kauf beziehungsweise eine Investition zu finanzieren?

Bei der Schätzung lohnt sich Sorgfalt. „Ist der Bedarf zu hoch angesetzt, lässt er sich vielleicht nicht zu den erhofften Konditionen realisieren. Ist er zu niedrig angesetzt, muss ich beispielsweise die Bank um einen weiteren Kredit bitten“, erläutert Wadlinger. Das macht nicht nur einen schlechten Eindruck, möglicherweise lehnt das Institut ein weiteres Darlehen auch ab, sodass eine Finanzierungslücke entsteht.

IHK-Info: Webinar „Finanzierung & Förderung" und IHK-Ratgeber

Die IHK für München und Oberbayern bietet für Gründer sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) einmal im Monat ein kostenfreies, aber anmeldepflichtiges Webinar zum Thema „Finanzierung & Förderung. Nächster Termin ist der 22. Oktober 2026 von 16 bis 17 Uhr.

Weitere ausführliche Informationen zum Thema bietet der IHK-Ratgeber „Finanzierung und Förderung“

Ebenso wichtig: eine gründliche Standortbestimmung, die die jeweilige Branche berücksichtigt. Bin ich etwa ein Firmengründer in Gastronomie oder Handel, brauche Startkapital und muss vieles neu anschaffen, Räume anmieten? Oder bin ich technologiegetrieben und habe ein neues, innovatives Produkt, das ich schnell skalieren will, weil ich als Erster damit auf den Markt will oder muss?

Von Crowdfunding bis Risikokapital

„Hier bieten sich ganz unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten an“, erklärt der IHK-Experte. Sofern nicht genügend Eigenkapital vorhanden ist, kann ein Gründer das Kapital für eine Theke im neuen Lokal beispielsweise über Crowdfunding einwerben. Dabei stellen viele Unterstützer kleinere Beträge zur Verfügung und erhalten im Gegenzug eine nicht finanzielle Gegenleistung, etwa Freigetränke, Einladungen zur Eröffnungsfeier oder andere exklusive Vorteile.

Wer aus der Arbeitslosigkeit heraus gründet, kann unter bestimmten Voraussetzungen zudem einen Gründungszuschuss erhalten. Für die Erweiterung seines Außenbereichs in guter Lage bekommt ein etablierter Gastronom vielleicht einen Bankkredit, weil der Ausbau einen höheren Ertrag erwarten lässt. Vorausgesetzt, die anderen Konditionen stimmen und es gibt zum Beispiel genügend Personal für die Bewirtung der zusätzlichen Gäste.

Ein aufstrebendes Technologie-Start-up wiederum wirbt besser um Risikokapital bei Investoren, die am möglichen Erfolg seiner Innovation teilhaben wollen. Schließlich ist die Entwicklung eines Produkts bis zur Serienreife sehr kostspielig.

Großinvestition? Nur mit Businessplan!

Dreh- und Angelpunkt bei der Unternehmensgründung, aber auch bei größeren Investitionsvorhaben ist ein detaillierter Businessplan mit Liquiditätsplanung sowie Umsatz- und Ertragsvorschau. Die Liquiditätsplanung zeigt auf, wie es um die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens bestellt ist. Die Umsatz- und Ertragsvorschau berücksichtigt darüber hinaus auch nicht zahlungswirksame Positionen wie Abschreibungen. Außerdem sollte der Businessplan sowohl ein Best-Case- als auch ein Worst-Case-Szenario enthalten.

Dies alles interessiert auch externe Geldgeber, „sowohl Banken als auch stille Gesellschafter oder Business Angels“, so Wadlinger. Denn wer nicht genügend Eigenkapital mobilisieren kann, muss auf andere Finanzierungsvarianten zurückgreifen.

IHK-Info: Podcast „Wie finanziere ich mein Unternehmen? Kredit, Eigenkapital und Förderung“

Investitionen sind oft der Schlüssel für Wachstum. Doch wie finanziert beispielsweise ein Café einen neuen Kühlschrank, eine Theke und zusätzliche Außenfläche? Und welche Fördermöglichkeiten gibt es? IHK-Berater Wolfgang Wadlinger erklärt im IHK-Podcast „Wirtschaft für Zukunft“ , warum eine gute Investitionsentscheidung wichtiger ist als der günstigste Kredit. Er spricht über Eigenkapital, Darlehen, Fördermittel und gibt praktische Tipps für die Vorbereitung auf das Bankgespräch.

Neben Banken, stillen Gesellschaftern oder Business Angels können unter Umständen auch private Darlehensgeber aus dem Familien- oder Freundeskreis zur Finanzierung beitragen. Darüber hinaus stehen je nach Vorhaben öffentliche Förderprogramme zur Verfügung, darunter Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen.

Investoren wollen mitreden

Oft sind Investitionen nur mit Fremdkapital zu realisieren. „Dann brauche ich gerade bei Banken ausreichend Sicherheiten, um überhaupt einen Kredit zu bekommen“, sagt Finanzierungsexperte Wadlinger. „Andernfalls kann die Aufnahme von Beteiligungskapital erforderlich werden. Damit erhalten Investoren häufig Mitspracherechte bei strategischen Entscheidungen.“ Manchmal sind auch alternative Finanzierungsmodelle wie Leasing sinnvoll, etwa bei Maschinen oder Geschäftsautos.

Wichtig: „Der Businessplan ist ein lebendes Dokument, das der Unternehmer immer wieder an die aktuelle Entwicklung und Situation seines Unternehmens anpassen muss“, sagt der Experte. Schließlich änderten sich auch die Marktbedingungen – und mitunter auch die strategische Ausrichtung des Unternehmens.

Varianten durchspielen

Wie gehen Firmen nun in der Praxis vor? Unternehmer Schuster, der KI-Tools speziell für den Bereich Corporate Finance entwickelt und damit berufsbedingt auf ein solides Finanzwissen zurückgreifen kann, hat bereits verschiedene Varianten durchgespielt: Den Unternehmenskauf ausschließlich aus Eigenmitteln zu realisieren wie bei der Gründung seiner Firma, kommt für ihn nicht infrage. Auch einen klassischen Kredit schließt der 26-Jährige aus. „Denn bei jungen Unternehmern prüfen Banken Finanzierungen häufig besonders sorgfältig, vor allem wenn noch keine lange Unternehmenshistorie vorliegt“, so seine Erfahrung.

Er dachte zunächst an eine Mischfinanzierung. Nach Rücksprache mit der betriebswirtschaftlichen Beratung der IHK kristallisiert sich nun aber ein neuer Ansatz heraus: eine Kombination aus Bankkredit sowie unterschiedlichen Förderkrediten von LfA und KfW in Kombination mit der Bürgschaftsbank Bayern. „Letztere hatte ich tatsächlich nicht auf dem Schirm“, freut sich Schuster über den Tipp aus der Beratung. Derzeit ist der Unternehmer dabei, alles Notwendige für eine gesicherte Finanzierung in die Wege zu leiten. Sollten dabei noch Fragen auftauchen, will er „gern nochmals die IHK-Beratung in Anspruch nehmen“.

Plattform UWD als digitaler Helfer

Kâşif Koyuncu hat ebenfalls die persönliche Beratung der IHK genutzt – und darüber hinaus auch das digitale Angebot, das die IHKs im Rahmen der Unternehmenswerkstatt Deutschland (UWD) bieten (s. Kasten unten). In der Türkei hatte der Projektmanager bereits Gründererfahrung gesammelt, hierzulande jedoch noch nicht.

Kâşif Koyuncu sitzt im Büro an einem Schreibtisch, trägt ein weißes Hemd und Krawatte und blickt in die Kamera, stellvertretend für Gründerberatung und UWD.

© privat

Ich rate jedem Gründer, sich von einem Fachmann beraten zu lassen. Das spart Zeit und letztlich Geld.

Kâşif Koyuncu, Unternehmensgründer

Also suchte er nach hilfreichen Informationen, um seine Geschäftsidee – den Aufbau einer Mixed Martial Arts (MMA)-Kampfsportschule und den Ausbau seiner Kooperation mit dem Bavarian MMA Center München sowie Marketing vor allem für traditionelle Kampfsportschulen – samt Finanzplan auszuarbeiten.

Offline- und Online geschickt kombiniert

Er probierte mehrere Gründerplattformen aus und stieß schließlich auf die UWD. Deren zahlreiche Vorlagen und Tools sowie die Kombination von Online- und Offlineangebot überzeugten den 45-Jährigen. Vor Kurzem erstellte er seinen Business- und Finanzplan über das Portal. Er hat dort alle relevanten Dokumente in einem geschützten Raum hinterlegt und kann sie darüber nun mit ausgewählten externen Partnern, etwa Banken oder dem Steuerberater, teilen.

Hilfreich fand Koyuncu auch die Erklärvideos – und den persönlichen Austausch mit den IHK-Beratern. Sein Resümee: „Auch wenn die Plattform sehr umfangreich und einfach zu nutzen ist: Ich kann jedem Gründer nur raten, seinen Business- und Finanzplan nicht ausschließlich allein im stillen Kämmerlein auszuarbeiten, sondern sich von einem Fachmann beraten zu lassen. Das spart Zeit und letztlich auch Geld.“

Stichwort: Unternehmenswerkstatt Deutschland

Die Unternehmenswerkstatt Deutschland (UWD) ist die gemeinsame Plattform der teilnehmenden Industrie- und Handelskammern und begleitet Unternehmen bei ihrer Gründung sowie der gesamten Unternehmensplanung. Sie verbindet digitale Angebote – etwa einen Krisen- und Nachfolgecheck, Mustervorlagen, Erklärvideos – mit regionalen Beratungsangeboten der jeweils zuständigen IHK.