Ausgaben im Alter antizipieren
Je höher der Anspruch, je aufwendiger die Vorsorge.
Genau. Der erstrebte Lebensstandard entscheidet darüber, was meine unabdingbaren Ausgaben im Alter sein werden – ab wann ich also meinen persönlichen Freipunkt erreicht habe, an dem ich mir keine Sorgen mehr machen muss. Noch ein Tipp: Bei der Zusammenstellung der Ausgaben gilt es, auch zu beachten, dass im Alter Ausgaben wegfallen.
Die Beiträge für eine Berufsunfähigkeitsversicherung sind dann zum Beispiel obsolet, die Raten für Haus oder Wohnung in der Regel bezahlt. Die Kinder stehen auf eigenen Beinen. Vielleicht will ich nicht mehr Auto fahren. Oder ich plane schon lange eine PV-Anlage und zahle später weniger für den Strom. So mache ich mich auch finanziell immer unabhängiger.
Wie geht es weiter?
Ich kenne nun bereits meine Ausgabenseite. Im nächsten Schritt stelle ich zusammen, welche Ansprüche ich über bestehende Altersvorsorgeinstrumente schon erworben habe und was sie zum Zeitpunkt meines persönlichen Ruhestandseintrittsalters an Einnahmen bringen. Dazu gehören etwa Ansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung, wenn ich vor der Selbstständigkeit angestellt war oder einen rentenversicherungspflichtigen Beruf ausübte. Unterm Strich ergibt sich daraus meine ganz persönliche Rentenlücke und gleichzeitig mein Ansparziel.
Ausgewogenes Risiko-Rendite-Verhältnis
Und wie schließe ich die Rentenlücke?
Durchdenken, entscheiden, machen: Jeder sollte sich einarbeiten und sich einen Überblick verschaffen, was es an Altersvorsorgeinstrumenten gibt. Die Verbraucherzentralen sind hier beispielsweise hilfreich. Dann die Chancen und Risiken abwägen und die Instrumente auswählen, die zum eigenen Risikoverhalten und den persönlichen Rahmenbedingungen passen. Ziel ist ein ausgewogenes Risiko-Rendite-Verhältnis, mit dem ich ruhig schlafen kann. Und dann gilt es, die Instrumente diszipliniert in der nötigen Höhe zu bedienen.
Geht das denn immer so einfach? Die Einnahmen von Selbstständigen schwanken ja durchaus, es gibt wirtschaftliche Krisen, die Aufträge wegbrechen lassen ...
Insofern bevorzuge ich persönlich tatsächlich eine Altersvorsorge auf Basis von Wertpapieren. Ich selbst spare über geeignete ETFs, also börsengehandelte Indexfonds. Sie ermöglichen mir, flexibel zu agieren, ich kann die Sparrate bei Bedarf anpassen. In schwächeren Einnahmephasen investiere ich weniger. In guten Phasen gleiche ich das durch höhere Sparraten wieder aus oder tätige eine Einmalorder.
Gefördertes Altersvorsorgedepot
Auch das staatlich geförderte neue Altersvorsorgedepot, mit dem ebenfalls Investitionen in ETFs möglich sind, kann hier eine Option sein. Allerdings eher als Ergänzung. Und man muss sich darüber klar sein, dass dort in der Rentenphase die gesamte Entnahme versteuert wird – also nicht nur der Kursgewinn, sondern auch die Zulagen und auch das Geld, das man selbst eingezahlt hat.
Gibt es eine Hausnummer, wie viel Prozent der monatlichen Einnahmen in die Altersvorsorge fließen sollten?
Mindestens 20 Prozent des Einkommens. Das entspräche in etwa dem gesetzlichen Rentenversicherungsbeitrag von Angestellten.
Eigenverantwortlich selbst vorsorgen
Das heißt, Selbstständige müssen nicht vom Staat gesetzlich verpflichtet werden, sie bekommen die Altersvorsorge auch selbst in den Griff?
Meiner Meinung nach, ja. Wir treffen als Unternehmerinnen und Unternehmer ständig mündige, selbstverantwortete finanzielle Entscheidungen. Warum sollten wir das in Bezug aufs Alter nicht schaffen? Im Übrigen glaube ich, dass sich eine gesetzliche Verpflichtung auch negativ aufs Gründungsgeschehen auswirken wird.
Die Gründer würden durch die Vorsorgepflicht zusätzlich stark belastet und wären finanziell kaum noch dazu in der Lage, sich in eigener Verantwortung eine auskömmliche Altersvorsorge aufzubauen. Wir Selbstständige schaffen – frei nach Kant – den Ausgang aus der finanziellen Unmündigkeit allein. Und können sogar besser dastehen als auf gesetzlichem Weg.